Ermittlungen gegen Bremer Pastor: Hetze gegen Homos hat Folgen

Gegen den Pastor Olaf Latzel ermittelt der Staatsschutz – wegen drastischer Aussagen über Homosexuelle. Die Landeskirche begrüßt das.

Ein Mann in Priestergewand

Viel Feind, viel Ehr? Der Bremer Geistliche Olaf Latzel ist erneut Objekt von Ermittlungen Foto: Carmen Jaspersen/dpa

BREMEN taz | Verdacht auf Volksverhetzung: Deswegen ermittelt in Bremen der Staatsschutz gegen den Pastor der Martini-Gemeinde, Olaf Latzel. Anknüpfungspunkt sind online publizierte Predigten und Seminare, in denen er etwa dazu aufruft, „mit dem Schwert des Glaubens“ vorzugehen – wogegen, bezeichnet er mal als „Genderideologie“, mal aber auch als „Genderdreck“.

Neu ist das nicht: Wenn etwa erzählt werde, „Homosexualität ist genau dasselbe, wie wenn Mann und Frau sich lieben“, heißt es in einer Predigt aus dem Herbst 2018, „müssen wir zurückschlagen“. Auch strafrechtliche Ermittlungen hatten frühere Reden Latzels bereits nach sich gezogen, waren jedoch eingestellt worden.

Gewaltfreudige Worte gewählt

Die aktuellen Ermittlungen knüpfen an an ein bereits vor einem halben Jahr abgehaltenes „Eheseminar“. Darin hat der selbst zölibatär lebende Latzel auch für seine Verhältnisse eine drastische, extrem gewaltfreudige Sprache gewählt: So bezeichnete er Homosexualität als „todeswürdig“. Sie sei „ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch“. Seit Freitag ist der Beitrag nicht mehr online. Juristisch ergibt das Sinn: Bei Hass- und Propagan­dadelikten sind Begehungszeitraum und Zugriffszahlen wichtige Faktoren.

Die aktuellen Ermittlungen sind nicht von vornherein aussichtslos. Denn während Latzel früher darauf achtete, zwar Buddhismus und Islam zu schmähen, sich aber dagegen aussprach, Muslime und Buddhisten gewaltsam anzugreifen, hat er diesen feinen Unterschied hier unterlassen: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day“, dröhnt er in dem Beitrag. In Verbindung mit dem Adjektiv „todeswürdig“ kommt das einem Aufruf zum Handeln sehr nahe.

Weil in Bremen die Gemeinden theologisch autonom sind, bleiben Aggressionen wie die des evangelikalen Martini-Geistlichen innerkirchlich ohne Folgen. Weil zudem die Gläubigen ihre Gemeinden frei wählen und eine erhebliche Online-Gemeinde dem Hassprediger treu ergeben ist, werden sie auch öffentlich kaum thematisiert.

Selbst Opfer geworden

Auslöser der jetzigen Strafanzeige dürfte sein, dass Latzel sich Anfang April via Bild darüber beklagt hatte, selbst Opfer von Sachbeschädigung, Stalking und Verbalattacken geworden zu sein. Als gewaltsam empfand er dabei auch eine Demo vor einem der letzten Gottesdienste, die dieses Jahr stattfanden: Etwa 40 Protestierende hatten ein Spalier vor der Kirche gebildet, das die BesucherInnen passieren mussten, zudem wurden ihnen Flugblätter ausgehändigt, die aussahen wie Formulare zum sofortigen Kirchenaustritt.

Die übrigen Angriffe waren eindeutig nicht legal: So war es nach Latzels Darstellung – der Pastor war für die taz nicht zu sprechen – Hackern gelungen, in seine Online-Predigten gewaltbetonte pornografische Videos zu integrieren, sodass sie irrtümlich für Illustrationen des Gesagten gehalten werden konnten. Unbekannte hätten zudem sein Auto zerkratzt, Dildos und Kondome aufs Kirchengelände geworfen und in seinem Namen einen Neuwagen bestellt. Auch die Schaukästen der Gemeinde waren besprüht worden: Am Küsterhaus brachten Unbekannte das Graffito „God is gay“ an.

Das war öffentlich allgemein verurteilt worden. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) nannte die „Schmierereien“ eine „inakzeptable Form der Meinungsäußerung“. Grünen-Fraktionschef Björn Fecker sah zwar einen Bezug zu den „schlicht menschenverachtenden“ Äußerungen Latzels, betonte aber, dass diese keine Gewalt rechtfertigten. Und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) stellte klar, dass Sachbeschädigungen „Straftaten“ seien – „kein legitimes Mittel, um sich mit Positionen auseinanderzusetzen, die man nicht teilt“.

Besonders ins Zeug gelegt hatte sich die FDP-Abgeordnete Birgit Bergmann: „Wer Christinnen und Christen angreift, der greift uns alle an.“ Sie warnte davor, „das Ganze als Angelegenheit von Pastor Olaf Latzel zu betrachten“. Das jetzt inkriminierte Seminar kannte die Liberale damals noch nicht. Inzwischen habe sie es gehört, sagt Bergmann auf Nachfrage, „und das ist klar, solche Aussagen, wie er dort trifft, das geht gar nicht“. Man müsse nun „die Ermittlungen abwarten und sehen, was strafrechtlich relevant ist“.

„Grenze überschritten“

Nicht ausdrücklich, aber doch vernehmlich begrüßt hat die BEK das Ermittlungsverfahren: „Bereits in der Vergangenheit haben wir Äußerungen von Herrn Pastor Latzel erlebt, die bis an die Grenze des Erträglichen gingen“, erklärte Edda Bosse, Präsidentin des Kirchenausschusses, am Freitag „Diese Grenze ist jetzt überschritten.“ Man sehe sich „klar an der Seite homosexuell lebender Menschen“ und verurteile „auf das Schärfste die Äußerungen, in denen Menschen herabgesetzt, beleidigt und in ihrer Würde verletzt werden“.

Am Sonntag reagierte Latzel. Wie der Evangelische Pressedienst berichtete, äußerte der Pastor sich in seiner Predigt: Er habe in dem „Eheseminar“ das Wort „Verbrecher“ im Zusammenhang mit aggressiven Attacken auf ihn und seine Gemeinde verwendet. „Wenn dadurch jedoch für einige Außenstehende der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich generell alle Homosexuellen für Verbrecher hielte, so will ich mich dafür entschuldigen und eindeutig klarstellen, dass dieses selbstverständlich nicht meine Meinung ist.“

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