Ermittlungen der Bundesanwaltschaft: Terrorgruppe oder friedliche Brigade?
Anhänger der eritreischen Diktatur unterstützen das Regime von Deutschland aus. Nach gewalttätigen Protesten gegen diese gab es nun Razzien bei Oppositionellen.

Der deutsche Ableger der international agierenden Gruppierung schrecke vor Gewaltaktionen gegen Veranstaltungen, die von der eritreischen Regierung unterstützt würden, nicht zurück, hieß es weiter. Gemeint sind die Eritrea-Festivals 2022 und 2023 in Gießen sowie ein Seminar regimetreuer Eritreer 2023 in Stuttgart. Bei den Protesten wurden zahlreiche Polizeibeamte zum Teil erheblich verletzt.
Neben den Durchsuchungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz gab es zeitgleich eine Durchsuchung in Dänemark. Festgenommen wurde niemand. Ein weiterer Beschuldigter, der sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland für die Brigade N’Hamedu aktiv war, war kürzlich von einem niederländischen Gericht wegen seiner Beteiligung an Ausschreitungen am 17. Februar 2024 in Den Haag zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Eritrea ist eine der brutalsten Diktaturen weltweit. Diktator Isayas Afewerki regiert das kleine Land am Horn von Afrika seit über 30 Jahren mit eiserner Hand. Es gab nie freie Wahlen, weder die Justiz noch die Presse sind unabhängig. Junge Menschen werden in einen oft lebenslangen Zwangs- und Militärdienst gezwungen, auch als Sklavensoldaten in den äthiopischen Bürgerkrieg verkauft.
Viele Menschen flüchten deshalb ins Ausland. Hier begegnen sie Landsleuten, die teils seit über 30 Jahren hier leben und glühende Anhänger der eritreischen Diktatur sind, diese in Deutschland feiern und Gelder für das von internationalen Embargos betroffene Land einsammeln. Seit 2011 haben Geflüchtete gegen diese Veranstaltungen demonstriert, seit 2022 wenden einige Demonstranten Gewalt an, offenbar gesteuert von der Brigade N’Hamedu.
Zerstrittene Opposition
Demokratische Gegner der eritreischen Diktatur in Deutschland lehnen den militärähnlichen Charakter der Brigade sowie deren Gewalt oft ab. Andere wiederum weisen die Behauptung scharf zurück, die Brigade N’Hamedu sei eine terroristische Vereinigung. Die Opposition ist stark zerstritten.
Die Münchener Rechtsanwältin Rita Drar vertritt einen Angeklagten an den Ausschreitungen, der seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt. „Wir müssen uns verdeutlichen, worum es hier geht“, sagt sie der taz. „Geflüchtete Regierungsgegner gehen gegen Veranstaltungen vor, auf denen unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit Gelder für das Regime in Eritrea gesammelt werden.“
Dass die Ermittlungsbehörden hier nicht zweigleisig fahren und auch gegen die Anhänger der eritreischen Diktatur in Deutschland ermitteln, findet Drar „besorgniserregend“. Demokratische Diktaturgegner aus Gießen berichteten der taz, dass Regierungsanhänger Gewalt gegen sie anwenden würden.
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