Entwicklungsminister Gerd Müller: „Entsetzliche Zustände“ auf Lesbos

Das neue Lager Kara Tepe auf Lesbos habe die Lage der Geflüchteten dort nicht verbessert, sagt Bundesminister Müller. Der Winter werde hart.

Betende Männer im Freien

Beten um Hilfe: Geflüchtete im Camp Kara Tepe auf Lesbos Foto: Elias Marcou /reuters

PASSAU afp | Die Lage in den griechischen Flüchtlingscamps hat sich nach Einschätzung von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) weiter verschlechtert. Nach der Zerstörung des Lagers Moria auf der Insel Lesbos durch einen Brand sei keine Besserung eingetreten, sagte Müller der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagsausgabe). „Alle gingen davon aus, dass die schrecklichen Zustände nach dem Brand verbessert werden, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus.“

„Das neue Lager Kara Tepe ist offensichtlich nicht besser – im Gegenteil: Ärzte ohne Grenzen musste jetzt eine Tetanus-Impfaktion starten, weil Babys in nassen Zelten von Ratten gebissen werden“, erklärte Müller. „Das sind entsetzliche Zustände – mitten in Europa.“ Die härtesten Winterwochen stünden den Flüchtlingen noch bevor.

Besonders schlimm sei es für die Kinder, die in Flüchtlingslagern geboren werden. „Ich habe mit auf der Flucht vergewaltigten afrikanischen Frauen gesprochen, die auf dem nackten Boden saßen und auf die Geburt ihrer Kinder warteten. Ohne Hygiene oder ärztliche Versorgung“, berichtete Müller von einem Besuch in Moria 2018. „So sollte kein Leben beginnen.“

Der CSU-Politiker forderte mehr Engagement in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. „Wir lösen die Flüchtlingsprobleme nicht in den Lagern oder bei uns in Deutschland, sondern nur vor Ort in den Entwicklungsländern.“ Es sei richtig, die EU-Außengrenzen besser zu schützen, nötig seien aber auch Investitionen in den Herkunftsländern. „Nur wenn sich ihre Perspektiven in der Heimat verbessern, werden Flüchtlinge den gefährlichen Weg nach Europa nicht mehr auf sich nehmen“, sagte Müller.

Im September war das bis dahin größte Flüchtlingslager Moria auf Lesbos abgebrannt. Daraufhin wurde ein provisorisches Zeltlager auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kara Tepe errichtet. Aktuell sind dort 7300 Menschen untergebracht. Insgesamt leben mehr als 17.000 Menschen in Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben