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Emissionen der Fossil-KonzerneIndustrie verstößt laut Umwelthilfe gegen Methanverordnung

Laut den Um­welt­schüt­ze­r*in­nen liefern die wenigsten Konzerne Daten, geschweige denn nachvollziehbare. Es gibt aber auch positive Beispiele.

Ein Erdgasförderplatz von Exxonmobil – eingereichte Daten des Konzerns seien unvollständig und methodisch intransparent Foto: Sina Schuldt/dpa/picture alliance

Aus Berlin

Evke Bakker

Nur ein Prozent der deutschen Betreiber von Öl- und Gasinfrastruktur schaffen vorschriftsgerecht Transparenz über ihre eigenen Methanemissionen. Das geht aus einem Bericht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor.

Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und ein sehr potentes Treibhausgas. Zwar hat es eine vergleichsweise kurze Verweildauer in der Atmosphäre, ist aber über den Zeitraum von 20 Jahren 80-mal so klimaschädlich wie CO2. Eine wichtige Quelle ist die fossile Energiewirtschaft. Methan entweicht oft unbeabsichtigt aus Bohrlöchern der Gas- und Ölindustrie sowie beim Kohleabbau, außerdem etwa aus Leckagen in Erdgas-Pipelines oder anderen Anlagen der Industrie.

Dagegen soll die 2024 verabschiedete EU-Methanverordnung helfen. Mit ihr gibt es erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen, durch den Betreiber gezwungen sind, jährlich ihre Methanemissionen transparent zu machen. Das Ziel: Emissionen und Leckage besser erfassen, damit sie beseitigt werden können – für Klimaschutz und Versorgungssicherheit.

Laut der DUH wurde etwa ein Drittel der Berichte, die für 2024 und 2025 verpflichtend gewesen wären, nicht eingereicht. Andere sind laut den Um­welt­schüt­ze­r*in­nen unvollständig, fehlerhaft oder nicht nachvollziehbar. Bei 72 Prozent der 2025 eingereichten Berichte wurde die Pflicht ignoriert, eigene Messungen durchzuführen. 27 Prozent der Berichte gaben an, dass eigene Messungen stattgefunden hatten – doch diese waren laut DUH nicht nachvollziehbar.

Auch eine Frage der Versorgungssicherheit

Die Tatsache, dass Methan oft unkontrolliert entweiche, sei „total absurd“, meint Constantin Zerger von der Umwelthilfe. Mehr Transparenz über die Emissionen sei einer der wichtigsten Hebel, um die Klimakrise zu bremsen. „Wer Öl- und Gasinfrastruktur betreibt, muss wissen, ob sie dicht ist“, so Zerger. Das habe auch ein energiewirtschaftlich extrem hohes Potenzial. Wer Erdgas nicht entweichen lässt, kann es schließlich verkaufen.

Laut der internationalen Energieagentur könnten 200 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich durch konsequente Maßnahmen verfügbar gemacht werden – wenn die verantwortlichen Betriebe ihre Emissionen besser prüfen würden. Gerade während einer globalen Energiekrise trage das Einhalten der Methanverordnung auch zur Versorgungssicherheit bei.

Auch globale Energieriesen, die in Deutschland tätig sind, verstoßen laut Bericht gegen die Methanverordnung. Die von dem US-Ölkonzern Exxonmobil eingereichten Daten seien beispielsweise unvollständig und methodisch intransparent. Bis Redaktionsschluss meldete sich der Konzern bei der taz nicht mit einer Stellungnahme zurück.

Die Umwelthilfe kritisiert auch die Politik. In Deutschland würden beispielsweise die Kontrollbehörden fehlen. 10 Bundesländer haben noch keine solchen Ämter benannt. „Es gibt in diesen Ländern immer noch keine Bereitschaft, einen vernünftigen Vollzugsrahmen für das zweitwichtigste Treibhausgas zu schaffen. Das darf nicht sein“, so Zerger.

„Unsere erste Forderung ist, dass all diese Unternehmen ihre Hausaufgaben machen und die gesetzlichen Forderungen erfüllen“, sagte Zerger. Dass das geht, würden die Beispiele des Pipeline-Betreibers Bayernets und der Regionalwerke Neckar-Kocher zeigen, die trotz niedrigerer Budgets laut DUH in puncto Transparenz geliefert haben.

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