Ein Quarantäne-Tagebuch: Leben auf Corona Island

Isolation kommt von Isola, der Insel, und wurde einst von Venezianern erfunden. Die Franzosen machten aus 30 Tagen 40, die Quarantäne.

Die Pest in Venedig. Gemälde von Antonio Zanchi, 1666. Foto: akg-images

Kranzik trägt das Coronavirus in sich, befindet sich in häuslicher Quarantäne und führt darüber Tagebuch. Das Tagebuch ist real, Kranzik ein selbst gewähltes Pseudonym. Heute: Tag 1 bis 7.

Tag 1

Sieben Leben hat die schwarze Katze. Eins für Corona?

In mir das Virus, an dem andere sterben. Seltsames Gefühl.

Sollte ich Angst haben? Sollte ich keine Angst haben? Sollte ich nur noch wichtige Dinge tun?

Überhaupt seltsam, diese Epidemie. Die ganze Gesellschaft in Zwangsentschleunigung. Kein Guru, kein Umweltaktivist hätte das je für möglich gehalten: Entschleunigung unter Androhung der Dezimation der Alten als Geiseln der Gesellschaft. Wenn ihr nicht spurt, kommen eure Großeltern in den Sarg.

Die Rentenversicherungen vorsichtig optimistisch... kann man deren Aktien kaufen?

Es scheint, nur Katastrophen lassen uns ernsthaft nachdenken. Immer noch dieses allgemeine Herumgekreische, sich gegenseitig vorwurfsvolle Beschuldigende der Medienwelt.

Aber vielleicht hat diese Situation ja etwas Gutes. Durch Schaden wird man klug. In allem Schlechten wächst der Keim von etwas Gutem. Vielleicht hilft es gegen die Plage der Populisten.

Nicht nur in Italien haben sie das Gesundheitssystem so zerbrechlich gemacht, die geldgierigen Kaufleute. Die Sache wird nicht spurlos vorübergehen, noch ist das Virus kaum in den armen Ländern, wird man dort die Opfer noch zählen? Vielleicht haben sie auch Glück und dort wütet die Seuche nicht ganz so wild, noch weiß das niemand.

Tag 2

Zwangsentschleunigt, wunderbar, ich genieße es! Draußen scheint die Sonne!

Seltsamerweise sehe ich mehr von ihr hier im Hausarrest als während meiner Arbeit.

Endlich Zeit für so viel Liegengelassenes. So ist unsere „arbeitsverdichtete“ Welt.

Heute kann ich sogar Mittagspause in meinem Lazy Day nehmen, das schaffe ich auf Arbeit nur einmal in vier Wochen! (Wird automatisch von meiner Regelarbeitszeit abgezogen, ob ich dazu kam oder nicht.)

Zuerst gründlicher Fensterputz. Die Sicht auf draußen darf nicht getrübt sein. Nein, kein Balkon, kein Garten, nur eine Mietwohnung ohne Extras.

Steuererklärung bearbeiten...

Für vier Stunden funktioniert mein Handy nicht. Als ich es wieder zum Laufen bringe, jede Menge von Anrufsversuchen und SMS von Familie, Freunden, die sich Sorgen machen. „Nein, alles ist gut“, antworte ich.

Ein gutes Gefühl. In anderen Zeiten würden doch einige zu meiner Beerdigung kommen. Bei Corona höchstens fünfundzwanzig Personen, heißt es.

Dann denke ich über meine Kontaktpersonen nach. Keiner macht mir einen Vorwurf, das ist schon einmal schön! Ich fühle mich trotzdem irgendwie schuldig. Ich fühle mich ein kleines bisschen wie ein Verräter meiner besten Freunde, als ich deren Daten dem Gesundheitsamt preisgebe.

Ich zerbreche mir den Kopf, wo ich mich denn am ehesten angesteckt habe, und wundere mich über die kleine Zahl von privaten Kontakten, die ich hatte. Bin ich schon solch ein Nerd geworden?

Noch sind sie nicht getestet worden. Am Ende wissen wir wahrscheinlich auch nicht, wer wen angesteckt hat. Habe ich mich etwa im Supermarkt angesteckt? Erst neuerdings beginnen die Supermärkte ihr Personal zu schützen. Vorher waren alle schon hamsterkaufen. Die Kassiererinnen und Kassierer ungeschützt.

Ich denke über meine Kontaktpersonen nach und wundere mich über die kleine Zahl von privaten Kontakten, die ich hatte

Es gibt sicher eine genaue Berechnung durch die Gewinnoptimierer, wie viele Personen eine tüchtige Arbeitskraft pro Schicht bedient. Karte einlesen, Geld anfassen, Tröpfchen in der Ausatemluft der Kunden. Bei der Unmenge von Kontakten muss das Risiko einer Ansteckung an der Kasse annähernd 100 Prozent sein!

Hat das Hamsterkaufen die Epidemie etwa befeuert?

Tag 3

Bisher ist alles gut. Keine gefährlichen Krankheitserscheinungen. Vielleicht sollte ich aber doch einmal über ein Testament nachdenken.

Freunde kaufen für mich ein. Echte Freundschaft ist eine Gnade, eine der wichtigsten Dinge des Lebens. Einsamkeit ist eine schwere Krankheit, die das Leben um ungefähr sieben Jahre verkürzt, sagt der Psychiater Manfred Spitzer.

So langsam beginnt mir doch die Decke auf den Kopf zu fallen. Soll ich ausbüchsen?

Um nicht noch unnötig zuzunehmen, Fitnessübungen. Herr Pilates hat die eigens im Gefängnis erfunden. Bin ja auch in einer Art Gefängnis. Selbst gewählter und angeordneter Hausarrest.

Schaue mir die Statistik der Johns-Hopkins-Universität im PC an. Zunächst war ich auf der Seite der besorgten Nicht-Infizierten. Jetzt gehöre ich zu den gemeldeten „cases“, erfreulicherweise nicht zu den „deaths“ in der Spalte nebenan. Ein bisschen so ähnlich hat sich vielleicht ein verwundeter Soldat im Krieg gefühlt, der von der Front zurückgeführt wurde.

Ein Anruf vom Gesundheitsamt, noch einmal Klärung der Kontakte. E-Mails bearbeiten, Nachfragen von der Arbeit, ich werde doch mehr auf Trab gehalten, als ich anfangs dachte. Homeoffice eben, wie die meisten von uns, ob infiziert oder nicht.

Tag 4

Die Redakteurin bittet mich, aus der Anonymität herauszutreten. Das geht aus folgendem Grund nicht. Ich möchte in dieser (für alle zugeschalteten Juristen, die dies lesen, natürlich fiktiven) Geschichte strikt bei der Wahrheit bleiben, bei der ganzen Wahrheit: Heute habe ich möglicherweise das Gesetz übertreten. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich bin raus in die Natur mit meinem Fahrrad! Ich habe niemanden gefährdet, hatte Maske und Handschuhe an. Das Vermummungsverbot gilt aktuell vermutlich nicht mehr.

Endlich war zwei Meter über mir keine Decke mehr, ich war meines Lebens froh wie ein kleiner Hund!

Zunächst habe ich geblinzelt, als ich ins Freie trat, wie ein seit Tagen verschütteter Minenarbeiter. Endlich war zwei Meter über mir keine Decke mehr, ich war meines Lebens froh wie ein kleiner Hund!

Ich habe mir das Treiben der Menschen von weitem angesehen, so schön! Vorwiegend empfehlungsentsprechend, Social Distancing! Da war eine Fußgängerampel, die nur geht, wenn man einen Knopf drückt. Wer hätte in normalen Zeiten gedacht, dass dieser Knopf für die Übertragung von Viren sorgen könnte.

Nun, dann suche ich mir ein Pseudonym. Wie wäre es mit Kranzik? Krank durch Kranz (=Corona)virus? Wie Banksy, der wahrscheinlich bei einer Bank arbeitet (?), ganz unverfänglich. Lässt auch nicht auf mein Geschlecht schließen. Warum denken eigentlich alle, dass Banksy ein Mann ist?

Ich musste mit mir kämpfen, wieder nach Hause zurückzukehren, aber glücklicherweise wurde es nach und nach kühl und dunkel.

Tag 5

Die vormals venezianische Stadt Ragusa (heute Dubrovnik) ließ Besatzungen möglicherweise pestverseuchter Schiffe dreißig Tage = „la trentana“ (trenta, Deutsch: dreißig) absondern. In Venedig ließ man die Schiffe vor einer Insel ankern, „isolieren“,(Isola italienisch = Insel). Wenn die Seeleute dann noch am Leben oder wenigstens leidlich gesund waren, hatten sie wohl keine Pest.

Man traf diese pragmatischen Maßnahmen, ohne auch nur im Ansatz zu verstehen, was denn die Pest bewirkte.

Später auf vierzig Tage erhöht ergibt das, was man dann in Marseille als „Quarantaine“ (vierzig Tage) bezeichnet hat. Meist ist die Inkubationszeit bei Coronavirus kürzer, sodass wir heute zu einer „Quatorzaine“ (vierzehn Tage) individueller Isolation einer infizierten Person gekommen sind. Wenn man auf Chinas Zahlen sieht, wird es aber wohl auf mehr als vierzig Tage kollektiven Untertauchens hinauslaufen.

Bei sozialem Distancing helfen virtuelle Kontakte. Hoffen wir, dass die zahlreichen, unzureichend getesteten Silicon Valley People nicht plötzlich ausfallen!

Nicht abzusehen sind die wirtschaftlichen Folgen. Dabei meine ich weniger die multinationalen Großbetriebe oder gar Banken (warum eigentlich schon wieder die Banken?), die sicher reichlich mit Hilfen bedacht werden, sondern den kreativen Reichtum unseres Landes, kleine und mittelständische Unternehmen, die noch wirklich selbst einen Bankrott ausbaden müssen, Kurzarbeiter, Künstler, Arbeitende ohne Festvertrag...

Bei sozialem Distancing helfen virtuelle Kontakte. Hoffen wir, dass die zahlreichen, unzureichend getesteten Silicon Valley People nicht plötzlich ausfallen!

Das Jugendamt hat voraussichtlich andere Probleme. Einerseits Homeoffice, andererseits das Risiko, dass „hinter verschlossenen Türen“, wie Sartre einst schrieb, die Hölle erst richtig Fahrt aufnehmen kann. Hoffentlich folgen die Verantwortlichen dem salomonischen Urteil, wer im Sinn der Kinder auch mal zurücksteckt, statt die Schlacht bedingungslos auszufechten, ist wahrscheinlich besser für die Erziehung der Kinder geeignet.

Die Römer schrieben einst „homo hominis lupus“, der Mensch sei des Menschen Wolf. Heute heißt es „homo hominis coronavirus“, jeder kann sich bei jedem infizieren und du siehst es ihm nicht an. Übrigens, ähnlich den frühen Zeiten des Aids-Tests, als es für die Krankheit auch keine Behandlung gab: Wer ihn macht, tut das nicht für sich, sondern vor allem, um andere zu schützen.

Tag 6

Es heißt, eine Nahtoderfahrung ließe einen das Leben intensiver leben und man konzentriere sich auf die essenziellen Dinge des Lebens. Ich muss zugeben, dafür bin ich momentan nicht weise genug. Ich sauge und putze die Wohnung, nicht gerade essenziell. Ich fühle mich wohl nicht krank genug.

Andererseits träumte ich seit der Kindheit, das Präludium in C von Bach einmal fehlerfrei auf dem Klavier zu spielen. Damals waren meine Hände zu klein, um die weiten Akkorde zu greifen. Wer daran zweifelt: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Bachs Geist ist durch Millionen Hände in fünf Jahrhunderten hindurchgegangen und heutzutage schickt Spotify Bachs Musik durch den Äther. Also ist es auch nicht wirklich sinnvoll, gerade jetzt dieses Präludium zu üben.

Social Distancing hat ein Gutes: Viele Betriebe und Institutionen haben sich erst jetzt zwangsläufig getraut, es ernsthaft auszuprobieren. Homeoffice entlastet unsere Straßen und Schienen und damit unsere Umwelt. Die Umwelt profitiert von der Seuche. Das spricht für eine besondere Verschwörungstheorie: Greta hat Trump überzeugt, ein in amerikanischen Geheimlabors genmanipuliertes Virus heimlich nachts mittels Drohne auf dem Markt in Wuhan zu versprühen.

Lass Schnitter Corona die Alten im Land dezimieren, das kostet weniger Renten

Herrn Trump würde ich die kriminelle Energie nicht absprechen, aber Greta. Präsident Bolsonaro in

Brasilien stellt die kriminelle Energie und den Grundgedanken einiger Populisten erschreckend eindrucksvoll unter Beweis. Sein sozialdarwinistisches Kalkül: Lass Schnitter Corona die Alten im Land dezimieren, das kostet weniger Renten, die Wirtschaft wird nicht heruntergefahren, die Reichen im Land sind ehedem hinter Stacheldraht und elektrischen Zäunen in ihren Häusern vor der Bevölkerung und damit vor Corona abgeschirmt, häusliche Isolierung mit Swimmingpool schon lange Gewohnheit. Und wie sollte man die Leute in den Favelas isolieren?

Tag 7

Der Tag des Herrn, das Bergfest (Halbzeit der vierzehn Tage Isolation), sagt mein Freund, dem ich durch unseren Kontakt ebenfalls die häusliche Isolation eingebrockt habe.

Aus einem Brief des Gesundheitsamts, der jetzt in meinem Briefkasten lag, geht hervor, dass ich tatsächlich nicht hätte aus dem Haus gehen dürfen. Das Amt hätte sich die Mühe sparen können, mir einen zweiten Brief zu schicken, sondern diese Anordnung gleich dem ersten Brief beilegen können, aber wahrscheinlich wird befürchtet, dass das die Leute zu sehr schockieren würde. Andererseits war ich so vier Tage ohne klare Anweisung. Ich hatte auch keine entsprechende Empfehlung für Infizierte auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts gefunden.

Erstaunlich, wie schlecht die USA auf die Epidemie vorbereitet sind. Hat die CIA nicht zahllose bioterroristische Szenarien durchgespielt? Sind die Centers for Disease Control nicht bestens ausgestattet? Man muss zugeben, die von der Johns-Hopkins-Universität so zeitnah aufbereiteten Daten erhalten diese von Einrichtungen wie den CDC. Die Amerikaner, historische Bioterroristen, deren englische Vorfahren die Indianer dezimiert haben, indem sie Decken an diese verkauft haben, die sie vorher mit Pockenflüssigkeit eingerieben hatten! Bio-Genozid der übelsten Sorte. Die Amerikaner müssten es doch besser wissen! Nun haben sie zahlenmäßig, was Infektionen angeht, China, zumindest in der offiziellen Statistik, überholt. Gratulation, Herr Trump: America first!

Übrigens, auch wenn es so scheinen mag, ich bin kein Antiamerikaner, ich hab nur was gegen Dummheit. Dummheit ist nicht harmlos. Sie hat uns in die Weltkriege getrieben.

Gerade habe ich mit einer alten italienischen Freundin telefoniert. Sie ist Ärztin. In ihrer Nachtschicht hat sie vor zwei Tagen einen vierzigjährigen Mann ohne erkennbare Vorerkrankungen auf die Intensivstation aufgenommen. Heute ist er tot. So harmlos ist das Virus nicht, auch wenn das viele Leute gerne glauben möchten.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie Anfang Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen: Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen die Regeln gelockert werden: PatientInnen oder BewohnerInnen sollen wieder durch eine bestimmte Person besucht werden können.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt sein. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga darf die Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen fortsetzen – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten. Was alles unter „Großveranstaltung“ fällt, wird noch geklärt.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios sollen die Ländern Lockerungen eigenständig verantworten.

■ Spielplätze sollen unter Auflagen wieder öffnen – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen werden wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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