Ein Jahr nach Putsch in Mali: Von der Politik enttäuscht

Ein Jahr nach dem unblutigen Putsch in Mali ist der Frust groß. Korruption und schlechte Sicherheit untergraben das Vertrauen der Bevölkerung.

Übergangspräsident Goita winkt aus einem Auto, umgeben von Sicherheitsleuten

Übergangspräsident Assimi Goita winkt Anhängern in Bamako im Mai nach seiner Ernennung zu Foto: Nicolas Remene/imago

In Mali war die Erleichterung groß, als Militärs das Regime von Ibrahim Boubacar Keïta in einem unblutigen Putsch beendeten. Keïta hatte seit 2013 nichts dazu beigetragen, den Sahelstaat zu einen, Terrorgruppen zu bekämpfen, jungen Menschen eine Perspektive zu bieten und die Infrastruktur zu verbessern.

Besser gemacht hat es die Junta seitdem allerdings nicht. Die Sicherheitslage bleibt prekär, was zahlreiche Morde an Zi­vi­lis­t*in­nen zeigen. In Bamako ist die Korruption spürbarer als je zuvor. General Assimi Goïta und seine Verbündeten im Übergangsrat haben wiederholt gezeigt, dass es ihnen bloß um Macht geht und den Zugang zu Ressourcen für sich und ihre Familien.

Noch schwerer wiegt, dass die Bevölkerung das Vertrauen in die Politik endgültig verloren hat: Egal, ob ein gewählter Präsident oder Soldaten die Macht haben, immer gibt es nur leere Versprechen. Seit knapp zehn Jahren leben die Menschen in einer Dauerkrise. Es wird für kommende Staatschefs – selbst wenn sie für Mali und nicht nur für sich arbeiten wollen – schwierig bis unmöglich sein, etwas gegen die Politikverdrossenheit zu tun. Es wirft außerdem die Frage auf, was Demokratie bedeutet.

Wahlen gelten als elementarer Bestandteil der Demokratie. Auf sie drängt die internationale Gemeinschaft und wiederholt ihren Fehler von 2013. Denn Wahlen sind, nicht nur in Mali, oft Fassade und sie sagen wenig über den Zustand eines Landes aus. Noch vor einer Wahl sind umfassende Reformen und ein besserer Schutz der Menschen gerade im Zentrum und Norden des Landes notwendig. Doch wer das in Mali umsetzen könnte, ist aktuell unklar.

Umso wichtiger ist es, dass die internationale Gemeinschaft Mali nicht alleine lässt. Zwar ist die Kritik an den Militärmissionen teils berechtigt: In den vergangenen acht Jahren konnten sie nicht zu einer nachhaltigen Stabilisierung beitragen. Doch was würde passieren, wenn Mali künftig ohne Unterstützung wäre? Auf die malischen Streitkräfte jedenfalls ist keinerlei Verlass.

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Nach dem Abitur im Münsterland bereiste sie zum ersten Mal Südafrika und studierte anschließend in Leipzig, Helsinki und Kopenhagen Journalistik und Afrikanistik. Nach mehreren Jahren im beschaulichen Schleswig-Holstein ging sie 2010 nach Nigeria und Benin. Seitdem berichtet sie aus ganz Westafrika – besonders gerne über gesellschaftliche Entwicklungen und all das, was im weitesten Sinne mit Religion zu tun hat.

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