Eheschließung und Adoptivrecht: Chile führt Homoehe ein

Als achtes Land Lateinamerikas führt Chile die Homoehe ein. Die Reform wird ausdrücklich auch vom konservativen Lager mitgetragen.

zwei Personen mit Regenbogenflagge in Santiago, Chile

Tausende feierten am Dienstag in Santiago Foto: Esteban Felix/ap

BUENOS AIRES taz | Chiles Kongress hat für die Homoehe gestimmt. Am Dienstag votierte das Abgeordnetenhaus mit 82 Ja-Stimmen – bei nur 20 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen – für das entsprechende Gesetz. Wenige Stunden zuvor hatte der Senat ebenfalls mit einer großen Mehrheit dafür gestimmt.

Mit der gleichgeschlechtlichen Eheschließung ist zukünftig auch die Anerkennung von Kindern durch beide Eltern sowie Adoption von Kindern erlaubt. Außerdem regelt das Gesetz die Vermögensverhältnisse und die wirtschaftlichen Beziehungen gleichgeschlechtlicher Paare untereinander und mit Dritten.

Der Abstimmungsmarathon war notwendig geworden, nachdem der Senat den Gesetzesvorschlag vergangene Woche in den Vermittlungsausschuss der beiden Kammern überwiesen hatte. Das Abgeordnetenhaus hatte bereits im November mit breiter Mehrheit erstmals zugestimmt.

Am Abend feierten mehrere tausend Menschen auf der Plaza Italia in der Hauptstadt Santiago die Kongressentscheidung. „Chile hat einen historischen und entscheidenden Schritt zur Förderung und Festigung der Menschenrechte gleichgeschlechtlicher Paare und gleichgeschlechtlicher Familien unternommen“, begrüßte die Bewegung für die Integration und Befreiung Homosexueller (Movilh) die Entscheidung. Die LGBTI-Organisation setzt sich seit Jahren für die Homoehe ein.

Zustimmung kam auch von der konservativen Seite. „Trotz unserer internen Differenzen hat das Mitte-Rechts-Lager einen wesentlichen Anteil bei der Entstehung dieses Gesetzes und seiner Verabschiedung durch den Kongress,“ erklärte Evelyn Matthei von der rechten Partei Renovación Nacional, die zur Regierungsallianz von Präsident Sebastián Piñera gehört.

Wahlkampfthema Homoehe

2017 war der Gesetzesvorschlag von der damaligen sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet (reg. 2014-2018) im Kongress eingebracht worden. Dort hatte er aber auf Eis gelegen, bis der konservative Präsident Piñera Mitte des Jahres für viele überraschend den Kongress zu einer beschleunigten Behandlung aufrief. „Die Zeit ist gekommen, die Gesetzesinitiative zu verabschieden“, so Piñera damals.

Erwartet wird denn auch, dass der Präsident das Gesetz umgehend in Kraft setzt. Chile ist das achte Land Lateinamerikas, das nach Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Uruguay, Ecuador, Costa Rica und mehreren Bundesstaaten Mexikos die Homo-Ehe legalisiert.

Bisher wird lediglich eine zivile Partnerschaft (Acuerdo de Unión Civil) anerkannt, bei der gleich- und ungleichgeschlechtliche Partnerschaften geschlossen werden können. Diese lässt jedoch keine Anerkennung oder Adoption von Kindern durch einen oder beide Elternteile zu. Nach einer Umfrage von Movilh wollen 92 Prozent der gleichgeschlechtlichen zivilen Partnerschaften eine Homoehe eingehen.

Die Entscheidung fiel knapp zwei Wochen vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am 19. Dezember. Der rechtsextreme Kandidat José Kast hatte sich mehrfach gegen die Gleichstellung der Ehe ausgesprochen, mit der eine „Schwulenlobby die Menschen beeinflussen will“. Für ihn gelte auch weiterhin eine Ehe nur zwischen Mann und Frau.

Dagegen twitterte der linke Kandidat Gabriel Boric nach der Abstimmung: „An diesem historischen Tag sage ich der ganzen Vielfalt und Dissidenz, dass sie unter unserer Regierung sicher sind und ihre Rechte uneingeschränkt anerkannt werden.“ Seinen Kontrahenten in der Stichwahl lud er dazu ein, sich allen Formen der Liebe zu öffnen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de