Ehemaliger Prinz Andrew festgenommen: Ex-Adel aufs Revier verpflichtet
Der frühere Prinz Andrew Mountbatten-Windsor ist festgenommen worden. Er soll vetrauliche Regierungsdokumente an den Sexualstraftäter Epstein weitergereicht haben.
Foto: Jaimi Joy/reuters
Am Donnerstagmorgen um 8 Uhr war es so weit: Andrew Mountbatten-Windsor wurde von britischen Polizeibeamten in Sandringham, einem königlichen Landgut in Ostengland, festgenommen. Somit feierte der ehemalige Prinz seinen 66. Geburtstag am Donnerstag in einer schlichten Gefängniszelle – vermutliche Vernehmung durch die Polizei inklusive.
Ein Mann Mitte 60 stehe unter Verdacht, Amtsvergehen begangen zu haben, hieß es von der Thames Valley Polizeibehörde. Die Beamten führten zudem Durchsuchungen an drei verschiedenen Adressen aus. „Wir sind uns darüber klar, dass signifikantes öffentliches Interesse bei dieser Festnahme besteht, und wir werden später weitere Angaben machen“, versicherte ein Polizeisprecher. Somit besteht kaum Zweifel, auch wenn sein Name zunächst nicht explizit genannt wurde, dass es sich um Andrew Mountbatten-Windsor handelt.
Im Zuge der Veröffentlichung von Dokumenten aus den Epstein-Akten wurden zuletzt auch E-Mails öffentlich, die suggerieren, dass der ehemalige Prinz 2010 vertrauliche britische Staatsinformationen über Investmentmöglichkeiten in Afghanistan an den 2019 in Haft verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gesendet hatte. Auch vertrauliche Angaben über bevorstehende Asienreisen im Auftrag der britischen Regierung sollen Epstein erreicht haben. 2008 soll der Ex-Prinz mit einem Banker, der womöglich Epstein war, über Investitionsmöglichkeiten in Island gesprochen haben.
In den Missbrauchsskandal verstrickt
Mountbatten-Windsor, Bruder von König Charles III., soll zudem tief verstrickt sein in den Missbrauchsskandal um Epstein. Virginia Giuffre, eine von vielen jungen Frauen, die der US-Milliardär an Männer in einem weltweiten Netzwerk „vermittelt“ haben soll, behauptete wiederholt, dass sie zum Sex mit dem damaligen Prinzen gezwungen worden sei. Ein Foto aus dem Jahr 2001 zeigt Andrew mit Guiffre, damals 17 Jahre alt, in einer englischen Wohnung. Weitere Dokumente aus den Epstein-Akten, die seit Jahresbeginn öffentlich wurden, zeigen Mountbatten-Windsor mit weiteren mutmaßlichen Missbrauchsopfern.
Giuffre hatte 2025 Suizid begangen, nachdem sie ihre Memoiren geschrieben hatte. Mountbatten-Windsor streitet nach wie vor jegliche Schuld ab. Mit Giuffre einigte er sich 2022 in einem außergerichtlichen Vergleich und zahlte eine „Spende“ an eine Organisation für Missbrauchsopfer, ohne Schuldbekenntnis.
Der König ist kooperativ
König Charles III., der Andrew bereits im Oktober alle royalen Titel entzogen hatte, sagte nach der Festnahme am Donnerstag, dass das Recht seinen Weg nehmen müsse: „Was jetzt folgt, ist der vollumfängliche, faire und rechtmäßige Gang, bei dem der Sache in der angemessenen Art und Weise durch die entsprechenden Behörden nachgegangen wird.“ Man könne mit seiner vollen Unterstützung und Kooperation rechnen.
Keir Starmer, britischer Premierminister
Premierminister Keir Starmer sagte kurz vor der Festnahme am Donnerstag: „Niemand steht über dem Gesetz.“ Insgesamt neun miteinander koordinierte britische Polizeibehörden untersuchen Informationen aus den Epstein-Akten. Darunter sind über 90 Flüge nach oder von britischen Flughäfen durch von Epstein angeheuerten Privatjets, mit denen er womöglich junge Frauen verschleppt hat.
Man muss 400 Jahre in die Vergangenheit reisen, um auf eine Festnahme eines Mitglieds der Königsfamilie zu stoßen. 1647 wurde Charles I. während des englischen Bürgekriegs festgenommen und danach hingerichtet.
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