piwik no script img

EU-Antwort auf US-FörderprogrammDas Geld wird knapp

Nachdem die USA ihr Förderprogramm für grüne Technologien aufgelegt hatten, hatte sich die EU viel vorgenommen. Aber wo bleibt die Umsetzung?

Eric Bonse

Aus Brüssel

Eric Bonse

Der US-amerikanische Inflation Reduction Act (IRA) macht Europa mehr und mehr zu schaffen. Ein Jahr nach dem Start des milliardenschweren US-Förderprogramms für grüne Technologien hat die Schweizer Solarfirma Meyer Burger angekündigt, seine Expansion in Europa zu stoppen und sich künftig auf die USA zu konzentrieren.

Durch den Aufbau einer kompletten Produktion von Solarzellen und -modulen in den USA will Meyer Burger die Steuervergünstigungen nutzen. Es gehe um eine Summe von bis zu 1,4 Milliarden Schweizer Franken, teilte das Unternehmen mit. In Europa bestehe dagegen kein Anreiz mehr, zu investieren.

Gespickt ist die Ankündigung mit Vorwürfen gegen die Europäische Union. Sie habe zu wenig gegen das „aktuelle Marktversagen“ getan und riskiere mehr Verlagerungen etwa nach China, so Meyer Burger. Brüssel müsse bereits angekündigte industriepolitische Maßnahmen umsetzen und fairen Wettbewerb sichern.

Tatsächlich tut sich die EU schwer. Über die angemessene Antwort auf den IRA wird seit Monaten diskutiert. Die EU-Kommission hat auch manches auf den Weg gebracht – etwa die Regeln für staatliche Beihilfen gelockert, damit auch Deutschland und andere EU-Länder grüne Industrien subventionieren können.

620 Milliarden Euro fehlen

Im März hat die Behörde zudem ein Netto-Null-Industriegesetz vorgelegt. Bis 2050 soll die europäische Industrie netto keine Treibhausgase mehr emittieren. Künftig werde Europa mehr Windräder, Wärmepumpen und Sonnenkollektoren selbst produzieren, frohlockte Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Doch die Umsetzung dauert, das Geld wird knapp.

Kurz vor der Sommerpause gestand die Kommission ein, dass die Kassen leer sind. Auf dem Weg zur Klimaneutralität seien zusätzliche Investitionen von jährlich mehr als 620 Milliarden Euro nötig. Der weitaus größte Teil müsse aus privaten Mitteln kommen.

Paris will sich damit nicht abfinden und hat deshalb vorgeschlagen, den IRA mit einem neuen, schuldenfinanzierten europäischen „Souveränitätsfonds“ zu kontern. Doch da macht Berlin nicht mit. Kurz vor der Sommerpause wurde der Plan still beerdigt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • 2G
    20080 (Profil gelöscht)

    Solarzellen? Die Herstellung ist in D extrem unbeliebt und wurde schon einmal erfolgreich verhindert & sabotiert.

    Die Historie der Solarzellenherstellung in Deutschland sollte der Firma ja bekannt sein - nein die damaligen Vorgänge rund um Solar - das war kein politischer Ausrutscher. Daher ist es nur folgerichtig das da "Berlin" nicht mitmacht.

    (& Xi lächelt bei dem Thema leise...)

  • Tom Farmer

    Wie laut an welchem Gehörgang muss denn der Warnschuss sein, .... nein, ich schreibe dazu nix mehr, andere Themen sind wichtiger derzeit: Renten dürfen jetzt aber echt nicht mehr gekürzt werden oder länger arbeiten wenn Demographie zuschlägt , also völlig unerwartet das alles.. wäre echt fies!