EM verliert gegen Oktoberfest in München: Öl unter der Theresienwiese

Wen interessiert schon die EM? In München hat man andere Sorgen. In Dubai soll es ein Oktoberfest geben. Der Ärger mit den Scheichs nimmt kein Ende.

Oktoberfestkulisse in München

Lang ist es her: Auftakt zum Oktoberfest 2019 in der Zeit vor Corona Foto: Felix Hörhager/dpa

Die Europameisterschaft macht Pause. Erst am nächsten Freitag kehrt sie mit einem Viertelfinalspiel noch einmal nach München zurück. Zeit durchzuschnaufen für die Münchnerinnen und Münchner. Hinter denen liegen verrückte Tage. Begonnen hatte die EM mit dem Greenpeacebruchpiloten, dessen Aktion die Frage aufgeworfen hat, was wohl passiert wäre, wenn der Mann ein Moslem gewesen und einen Sprengstoffgürtel getragen hätte.

Alles rund um den Fall wurde berichtet. Dass Scharfschützen ihre Schießgewehre schon geladen hatten zum Beispiel. Oder wie der Mann aussieht, der den Befehl gegeben hat, dann doch nicht zu schießen. Die Homestory über den Mann, der an jenem Abend nicht auf den aktivistischen Flieger geschossen hat, weil er gar keinen Dienst hatte, wäre gewiss auch noch erzählt worden, wenn die Deutschen in ihrem zweiten Spiel nicht plötzlich so gut gekickt hätten, dass glatt ein bisschen EM-Stimmung ausgebrochen ist. Danach bestimmte der Regenbogen alle Gespräche und auch das Stadtbild. Bis zum Donnerstag. Da wurde endlich wieder darüber diskutiert, was wirklich wichtig ist in der Stadt: das Oktoberfest.

Die Stadt München lieferte dazu die Meldung des Tages, als sie ankündigte, die Veranstalter zu verklagen, die in Dubai ein Oktoberfest ausrichten wollen und dafür mit Bildern des Originals geworben hatten. Das haben sie so erfolgreich getan, dass man in der ganzen Welt gedacht hat, der wegen der Coronapandemie auch in diesem Jahr in München abgesagte Bierrummel sei in die Emirate verlegt worden.

Irgendein Bussibussi-Wirt, dem mal in München ein paar Bussibussi-Lokale gehört haben und der seit ein paar Jahren in Dubai leben soll, hatte zusammen mit einem Partner Pläne für ein Mega-Event, das natürlich größer als das Münchner Vorbild werden soll, ausgeheckt. Damit hat er es zurück geschafft auf die Promiseiten des Münchner Bussibussi-Boulevards, wo nun über die Unterlassungsklage berichtet wird, mit der die Stadt München erreichen will, dass die Wüstenwiesn nicht mit Bildern der Theresienwiesenwiesn wirbt.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Passend dazu hatte am Donnerstag ein Münchner Schausteller, der mit seinem Hinrichtungsspektakel „Zum Schichtl“ Kultcharakter auf dem Oktoberfest besitzt, eine Art Protestnummer auf der Theresienwiese abgezogen. Mit einem riesigen Bohrer und einem Tanklaster war er zur Theresienwiese gefahren, um dort nach Öl zu bohren. Gefunden habe er indes nur die U-Bahn, wie er meinte. Als Staffage standen in weiß gewandete Scheinscheichs neben der Szenerie, als Böse aus dem Morgenland wahrscheinlich.

Scheichs haben nicht den besten Ruf in München. Das liegt an einem, der eigentlich gar kein solcher ist. Hasan Ismaik, der jordanische Geschäftsmann, der den TSV 1860 München gekauft, gerettet und dadurch auch irgendwie zerstört hat, wird Scheich genannt in der Stadt und ist so eine Art Dauergesprächsthema in München. Wen interessiert schon die EM?

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de