EM-Spiel Deutschland gegen England: Kane und Neuer tragen Regenbogen

Politische Zeichen im und vor dem Spiel, Aufregung im Netz: England und Deutschland positionieren sich gegen Rassismus und für Toleranz.

Manuel Neuer mit Kapitänsbinde in Regenbogenfarben

Steht für Toleranz ein: Neuer mit Kapitänsbinde in Regenbogenfarben Foto: Christian Charisius

LONDON taz | Auch vor dem EM-Spiel des deutschen Teams gegen England heute Abend um 18 Uhr gibt es wieder eine Diskussion um politische Zeichen auf dem Platz.

„Yes! Liebe es, dass Fußballer sich positionieren und ein klares Zeichen für #Vielfalt abgeben. Ein #Kniefall und eine #Regenbogen – Binde öffnet die Türe weit für eine Gesellschaft der gelebten Vielfalt. Danke,@DFB_Team, dass ihr euch erhebt und mit uns die Welt verbessert!“ postet die Bloggerin Julia Probst auf Twitter.

Denn nach DFB-Kapitän Manuel Neuer hat auch Englands Spielführer Harry Kane angekündigt, dass er beim EM-Achtelfinale eine Regenbogen-Armbinde tragen wird. Der Torjäger der Three Lions wolle damit ein Zeichen zum Ende der „Pride Week“ und für die LGBTQI+-Gemeinde in der ganzen Welt setzen, teilte die englische Nationalmannschaft am Montagabend mit. Neuer trägt schon seit einigen Spielen die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben und hat dafür Zuspruch bekommen.

„Ich finde es gut. Daran sieht man, wo wir stehen in unserer Gesellschaft und dass wir 2021 in Mitteleuropa so weit sind, dass wir als offene, tolerante Gesellschaft eine solche Aktion als sehr positiv empfinden“, sagte der 35-jährige Torhüter dem Kicker. Neuer kündigte an, die Armbinde auch im Wembley-Stadion zu tragen. Die Uefa hatte das Tragen der Regenbogen-Kapitänsbinde geprüft und schließlich – anders als die Beleuchtung des Münchner Stadions in Regenbogenfarben – erlaubt.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Derzeit trendet bei Twitter der Hashtag #Kniefall. Es ist eine Diskussion über die Ankündigung des deutschen Teams entbrannt, kollektiv mit den gegnerischen Spielern vor Anpfiff in die Knie zu gehen. Damit würden beide Mannschaften ein Zeichen gegen Rassismus setzen.

Unter den Tweets finden sich einige lobende Posts für das deutsche Team. Jedoch auch etliche rassistische Aussagen, die die Aktion mit dem Attentat von Würzburg zusammenbringen und gegen Menschen mit Migrationshintergrund und die Black Lives Matter-Bewegung hetzen. Einige sehen im Kniefall gar einen „Akt der Unterwerfung.“ Unter den Kom­men­ta­to­r*in­nen finden sich AfD-Politiker*innen, etwa Beatrix von Storch, die die politischen Symbole des Kniefalls und der Regenbogen-Kapitänsbinde inhaltlich nicht auseinanderhalten zu können scheint.

Ein Tweet der AfD-Politikerin Beatrix von Storch

Twittern vor dem Denken: Beatrix von Storch, AfD-Politikerin Foto: Screenshot: Twitter

Auch homofeindliche Kommentare gegen die Fußballer und gegen Kapitän Neuer werden auf Twitter geteilt. Was leider auch wenig überraschend ist: Nach jedem Spiel, das von den weiblichen Kommentatorinnen Claudia Neumann und Ariane Hingst begleitet wurde, fanden sich zuhauf sexistische Kommentare in den sozialen Medien. In den Netz-Kommentaren zur EM zeigt sich, dass viele Fußballbegeisterte längst nicht so tolerant sind, wie viele Clubs, Fangemeinschaften und auch der DFB es durch Kampagnen und Statements zu vermitteln versuchen.

Manuel Neuer schreckt von der Kritik nicht zurück und kündigte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel an, dass sich das deutsche Team mit der Aktion im Wembley-Stadion mit den Engländern, die diese Geste bei allen Spielen zeigen, „solidarisieren“ wolle.

„Wir stehen für Toleranz. Es war für uns keine Frage. Wir ziehen da sofort mit“, sagte der Torwart des FC Bayern München. Joachim Löw begrüßte die Entscheidung. „Ich finde es richtig, dass sich die Mannschaft für diese Werte stark macht“, sagte der Bundestrainer. Schon mehrfach betonte er, dass es gut sei, dass die DFB-Elf für diese Werte einstehe. Auch andere Teams, etwa beide Teams beim EM-Achtelfinale zwischen Portugal und Belgien, gingen vor Anpfiff der Partie ins Knie. Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych schloss sich an. (mit dpa)

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de