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Drei Wege, ein Land

Am 31. Mai wählt Kolumbien – und die Wahl könnte nicht offener sein. Ein Linker, eine Hardlinerin und ein Populist kämpfen um die Macht

Von Katharina Wojczenko

Am 31. Mai wählen 41 Millio­nen Kolumbianer*innen, wer künftig ihr Land regieren wird. Drei der 13 Kan­di­da­t*in­nen haben die größten Chancen. In den zuletzt veröffentlichten Umfragen liegt weiter Iván Cepeda vorne, der linke Senator der Regierungskoalition Pacto Histórico. Jedoch mit unterschiedlichem Abstand zu seinen Konkurrent*innen. Und dieser Abstand schmolz zuletzt.

Auf Cepeda folgen in allen Umfragen mittlerweile der ultrarechte Outsider-Kandidat Abelardo de la Espriella (Defensores de la Patria) und die extremrechte Paloma Valencia (Centro Democrático). Der Abstand zwischen ihnen variiert je nach Umfrage aber beachtlich.

Der 63-jährige Cepeda will die Politik des Pacto Histórico und des Präsidenten Gustavo Petro fortführen. Petro gewann 2022 als erster Linker die Präsidentschaftswahlen und versuchte sich an einer Politik des „totalen Friedens“. Im kriegsgeprägten Kolumbien begann seine Regierung, dafür mit allen verbliebenen bewaffneten Gruppen gleichzeitig Gespräche zu führen. Doch die nutzten das Chaos dieses Prozesses aus, um in der Fläche und personell zu wachsen.

Obwohl diese Friedenstaktik des Pacto Histórico heute als gescheitert gilt, will Cepeda sie fortführen. Zudem strebt er Sozialreformen an, weil er in Armut und Ungleichheit die Hauptgründe für die nicht endende Gewalt im Land sieht. Daneben will er gegen Korruption vor­gehen, Agrarreformen und die Energie­wende voranbringen.

Cepeda ist Menschenrechtsverteidiger, Philosoph und setzt sich als Politiker schon seit Jahrzehnten für Frieden, die Aufklärung staatlicher Verbrechen und deren Opfer ein. Deshalb ist Ex-Präsident Álvaro Uribe, der Mentor der rechten Kandidatin Paloma Valencia, seit Jahren dessen schärfster Gegner. Unter Uribes Regierung begingen staatliche Sicherheitskräfte zahlreiche Menschenrechtsverbrechen, teils in Zusammenarbeit mit Paramilitärs. Cepedas Vater, der kommunistische Senator Manuel Cepeda, wurde schon in den 1990ern ermordet. Dessen Partei Unión Patriótica und ihre An­hän­ge­r*in­nen wurden systematisch vom Staat und seinen paramilitärischen Komplizen ausgerottet. Zu diesem Urteil kam der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte. Mehr als 6.000 Menschen fielen dieser Verfolgung zum Opfer.

Paloma Valencia firmiert auf vielen Wahlplakaten einfach nur als „die von Uribe“. Sie setzt auf eine modernisierte Neuauflage der Politik ihres Ziehvaters: keine Gespräche mit bewaffneten Gruppen, sondern harte Hand. Sie bekämpft das historische Friedensabkommen zwischen Staat und Farc-Guerilla sowie das Sondergericht für den Frieden, das nicht nur Guerilleros, sondern auch staatliche Sicherheitskräfte verurteilt. Den Kampf gegen die Drogen will Valencia mit US-Unterstützung wiederbeleben. Und sie will, obwohl sie Kolumbiens erste Präsidentin werden könnte, explizit keine Feministin sein. Sie ist gegen Abtreibung und auch sonst konservativ, katholisch.

Noch weiter rechts als Valencia steht Outsider-Kandidat Abelardo de la Espriella. Der Unternehmer und Anwalt glänzt mit Sexismus und attackiert die Presse. Der selbstbenannte „Tiger“ möchte eine kolumbianische Version von El Salvadors Diktator Nayib Bukele, Argenti­niens rechtspopulistisch-libertärem Javier Milei und US-Präsident Donald Trump sein. Er setzt auf eine Mischung aus Patriotismus und religiö­sem Personenkult, verspricht der Wählerschaft Sicherheit, Mega-­Gefängnisse und Militarisierung.

Die Stichwahl am 21. Juni scheint unausweichlich – voraussichtlich wird kei­n*e Kan­di­da­t*in die nötigen 50 Prozent erreichen. Kolumbien steht vor einer Richtungsentscheidung: für die Fortsetzung des progressiven Projekts, für die harte Hand der alten Rechten oder für den populistischen Aufsteiger von ganz rechts außen.

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