Doku über WM-Ikone James Rodríguez: Er ist zurück
2014 ging in Brasilien der Stern des James Rodríguez auf. In Nordamerika will der Kapitän Kolumbiens allen zeigen, dass er es immer noch kann.
Foto: Eloisa Sanchez/reuters
James Rodríguez sitzt auf dem Bett, oberkörperfrei und mit blau gefärbtem Haar. Es ist schummrig, nur die Nachttischlampe im Hintergrund leuchtet. Er reibt sich nervös mit den Händen über die Schultern. „Ich weiß nicht, was ich hier tue. Ich muss etwas ändern. Mit meinem Talent und diesen Umständen sollte ich in einer anderen Liga spielen. Aber das wird sich ändern.“
Auf die Frage des kolumbianischen Filmproduzenten Simón Brand, wie er die Netflix-Dokumentation über ihn selbst gerne nennen würde, antwortet Rodríguez: „James' Comeback“, „James ist zurück“ oder „Die Herausforderung der Zehn“. Das gefällt ihm besonders gut. Am Ende heißt die Doku schlicht „James“. Die dreiteilige Serie erzählt seine Geschichte: von den Anfängen über den Aufstieg bis zum Absturz eines der größten kolumbianischen Fußballer.
Seine Karriere nahm bei der WM 2014 Fahrt auf. Nach drei verpassten Weltmeisterschaften stürmte Kolumbien in Brasilien bis ins Viertelfinale. Das Gesicht der Mannschaft: James Rodríguez. Mit sechs Toren wurde der damals 23-Jährige Torschützenkönig. Unvergessen bleibt sein Tor im Achtelfinale gegen Uruguay: Er nahm den Ball aus 20 Metern mit der Brust an, drehte sich um die eigene Achse und schoss ihn volley über die Unterkante der Latte. Der Treffer brachte ihm den Puskás-Preis der Fifa für das schönste Tor des Jahres 2014 ein.
Danach ging es steil bergauf: Wechsel zu Real Madrid, Champions-League-Sieg, spanische Meisterschaft. Ausleihe zum FC Bayern: Deutscher Meister, DFB-Pokal. Doch je größer der Erfolg, desto tiefer der Fall. Und so kehren wir zur Szene aus der Dokumentation zurück. James ist tief gefallen. Wechsel nach Katar, Griechenland, Brasilien, zurück nach Spanien, dann Mexiko und schließlich in die USA – all das in nur fünf Jahren.
„James muss mehr spielen“, sagt Kolumbiens Trainer Néstor Lorenzo in der Dokumentation. Das Ziel: Schwung holen für die Copa América 2024. Und James kam in Schwung: Mit sechs Torvorlagen brach er den bis dahin bestehenden Rekord von Lionel Messi und wurde Spieler des Turniers. In der Qualifikation für die WM 2026 steuerte er sieben Torbeteiligungen bei und trug maßgeblich zur Rückkehr Kolumbiens auf die große Bühne bei, nachdem das Team die WM 2022 verpasst hatte.
Für das Achtelfinale ist Kolumbien bereits qualifiziert. Im Duell mit Portugal geht es um den Gruppensieg. An die Leistungen von 2014 kann der 34-Jährige bislang nicht anknüpfen. Doch eines steht fest: Er ist zurück.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert