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Do-it-yourself-Despot ErdoğanKnast für Böhmermann!

Der türkische Staatspräsident hat Jan Böhmermann wegen Beleidigung angezeigt. Wieso hat Erdoğan überhaupt Zeit für solchen Quatsch?

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan erstattet seine Anzeigen noch persönlich. Wie er das schafft? Ein Blick in den Terminkalender des Do-it-yourself-Despoten verrät: perfektes Mikromanagement.

5:30–5:40: Meine Frau Emine weckt mit Kaffee, kurze Morgentoilette. Auf Klo Mails checken.

5:40–6:00: In der Badewanne Social-Media-Check. Notiz: Facebook sperren lassen? Die Leute dort beleidigen mich. Immerhin gibt es jetzt Wut-Emoticons.

6:00–6:30: Anzeigen gegen Facebook-Beleidiger einleiten. Mit Bluetooth-Headset Anwälte anrufen. Dabei anziehen. Verdammt, wo sind die Socken?

6:30–7:15: Im Palast nach Emine suchen wegen Socken. Am Telefon erzählen die Anwälte von deutscher Satire. Wer ist dieser Böhmermann?

7:15–7:45: Emine im Ostflügel gefunden, Socken angezogen. Per Segway zum Frühstückssaal.

7:45–9:00: Frühstück, dabei ZDF-Mediathek nach Böhmermann durchsuchen: Frechheit, der hat mich Ziegenficker genannt.

9:30–10:00: Telefonkonferenz mit Anwälten. Angeblich gibt es in Deutschland andere Gesetze zur Majestätsbeleidigung.

10:01–10:20: Anwälte feuern. Emine die restlichen Termine des Tages absagen lassen. Mit dem Segway in die Palastbibliothek fahren.

10:20–17:00: Autodiktatorisches Jurastudium. Gegen zwölf kurze Mittagspause. Es gibt Ziege. Koch feuern.

17:01: Paragraf 103 entdeckt. Knast für Böhmermann!

17:02–17:07: Angela anrufen, ihr verklickern, dass ich die Flüchtlinge persönlich per Segway zum Kanzleramt fahre, wenn sie nicht Böhmermann ausliefert.

17:07–18:30: Anzeige gegen Böhmermann erstatten.

18:30-23:34: Satiresendungen schauen. Notiz: Anzeige gegen Didi Hallervorden vorbereiten.

23:35–23:38: Zähne putzen. Verdammt, habe Ohrwurm vom Extra-3-Song.

23:39: Schlafen. Albtraum über Streisand-Effekt. Schnell wieder eingeschlafen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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