Diskussionen um Löw und den DFB: Der Trainer-Findungs-Stammtisch

Ist „Der Mannschaft“ noch zu helfen? Wer kann’s rausreißen? Ein eiersuchender Ostertalk zur Rettung des deutschen Fußballs.

Timo Werner nach dem Spiel.

So sehen Verlierer aus! Schalalala! Jedenfalls der vorne Foto: dpa

Martin: Tabellendritter hinter Armenien und Nordmazedonien, da muss der DFB wohl handeln. Lothar Matthäus weiß „alles über Fußball“, weiß Mehmet Scholl, der auch eine Trainerlizenz hat. Warum nicht Scholl?

René: Weil das keine Lösung wäre. So was ist doch schon bei der EM 2000 krachend schiefgelaufen. Da standen beide noch im Kader, der Mehmet und der Loddar, obwohl längst fußlahm und breitensportlich, und mit Erich Ribbeck saß ein Vertreter des Uralten auf der Bank. Wollen wir denn wirklich eine Rückkehr des Rumpelfußballs? Gegenfrage: Warum nicht mal eine Frau? Ich glaube, Silvia Neid wäre noch frei.

Martin: Nur kein Neid! Es wird ja gerade eine Frau oder ein Mann gesucht, die oder der jung und innovativ ist. In der Sprache der Fußballer: hungrig. Imke Wübbenhorst!

René: Lotte statt Loddar! Nationalerfahrung hat sie. Bis zur U23 hat sie beim DFB schon einiges „durchlaufen“. Andererseits bringt sie zu viel Fähigkeit zur Selbstkritik mit – sie findet ja selbst, laut Interview nach ihrem Rauswurf in Lotte, sie „sollte nicht ganz so viel ich selber sein“. Doch wie man bei Löw sieht: Die Nummer mit der Selbstkritik funktioniert nur so lange, bis man gegen ein nordgriechisches Provinzteam verliert.

Martin: Wir können ja auch den früher verpassten Chancen eine neue Chance geben: Paul Breitner war ja fast schon Bundestrainer, Uli Stielike glaubte sogar, er sei nicht nur zum Hütchenaufstellen verpflichtet worden. Und Christoph Daum soll ja clean sein. Warum nicht dieses Trainertrio?

René: Weil, das wäre Bild-Zeitungs-Niveau. Apropos: Ich fürchte, um Hansi Flick wird kein Weg vorbeiführen. Ich mein, den Vornamen hat er ja schon. Der klingt schon wie „Jogi“ – Hansi, der Kanarienvogel, der uns das Lied vom schönen Fußball singt. Taktisch scheint er dem Alten eh schon weit voraus zu sein – die Bayern rennen alles nieder, was nicht bei drei im Abseits steht, während „Die Mannschaft“ mit fast derselben Aufstellung gegen Nordmazedonien verliert. Und Armenien kommt ja erst noch! Also, Flick flickt es. Wer sonst?

Martin: Mit Co-Trainer Bernd Schuster? Ein Tandem „Flick-Schuster“ hätte bei den Fußballironikern einen lebenslangen Ehrenplatz! Nein, nein. Bierhoff hat gesagt, er holt niemand aus einem laufenden Vertrag. Ich denke, es läuft alles auf Klaus Toppmöller hinaus.

René: Ich glaube, du hast den Ernst der Lage nicht so recht erkannt. Vielleicht ist der DFB nämlich wie Schalke – auf internationalem Niveau. Korruption, Corona, zu lange wird an Altvordern festgehalten, dann zu stark auf Männer der dritten Reihe gesetzt, Geld fließt irgendwohin, die Fans bleiben außen vor, und am Ende wartet der HSV in der zweiten Liga. Oder eben Nordmazedonien im Rückspiel. Katar ohne uns – das Wintermärchen 2022.

Martin: Guter Hinweis. Ernst „der Lage“ Middendorp wäre auch eine interessante Lösung.

René: Uwe Neuhaus! David Wagner! André Breitenreiter! Markus Weinzierl! Was macht eigentlich Peter Neururer? Hat der sich denn noch nicht selbst ins Spiel gebracht? Spielt Wattenscheid 09 nicht auch in Schwarz-Weiß? Friedhelm Funkel wäre auch ’ne Idee.

Martin: Endlich wirst du vernünftig. Aber ich fürchte, der DFB nimmt unsere Vorschläge gar nicht ernst. Die holen bestimmt Rangnick, der dann die Jugendarbeit intensiviert und in zehn Jahren eine Confed-Cup-Teilnahme avisiert.

René: Richtig, der Confed-Cup! Der letzte Titel, den wir gewonnen haben werden. Von da an ging es bergab. So gesehen: 2017 – der Beginn von thirty years of hurt. Daran werden wir uns noch eine Weile erinnern müssen.

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schreibt für die taz gern über Sport, Theater, Musik, Alltag, manchmal auch Politik, oft auch Literatur, und schreibt letzteres auch gern einmal selbst.

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