: Dieses Rot hat Drama
Der neue Atlas der Globalisierung erscheint. Als er fast fertig war, musste nur noch die perfekte Coverfarbe getroffen werden. Nur noch? Die Findung einer Farbe in drei Akten
Foto: Jeff Harwell
Von Ute Keilhauer
Wenn ein neuer Atlas der Globalisierung in der taz produziert wird, sind fast alle Abteilungen in unserem Haus involviert. Alles greift ineinander und die Laune ist meist prächtig. Eine Besonderheit bei dieser Produktion war das kleine Drama in drei Akten auf dem Weg zum perfekten Rot.
Nachdem der Titel „Welt als Beute“ endlich stand, begann die Suche nach der perfekten Cover-Farbe: Wird die stylische Weltkugel, die unsere Grafikerin Greta Cazzola gezeichnet hat, rosa hinterlegt? Orange? Himbeerfarben? Oder doch in einem schönen Rot funkeln? Wir entschieden uns für ein leuchtendes Rot. Ja, ausgerechnet Rot, diese anspruchsvolle Druckfarbe! Im klassischen Vierfarbdruck (CMYK) gibt es nämlich kein Rot, es entsteht durch das Mischen von Gelb und Magenta. Am Monitor wirkt das Rot oft anders als nach dem Umwandeln an der Druckmaschine. Das Papier hat ebenso Einfluss. Ein Farbproof verschafft Eindruck, aber noch keine absolute Gewissheit.
I. Akt
Um den Buchhandel für unser neues Produkt zu gewinnen, erstellten wir zunächst für die alljährliche Buchhändlertagung eine zehnseitige Leseprobe. Als sie dann jedoch ins Haus eintrudelte, war das Cover …rotbraun. Sehr edel anmutend, aber wir fanden: doch einen Tick zu braun.
II. Akt
Das Cover für den Bestellflyer in wochentaz und Le Monde diplomatique – dieses Rot leuchtete ganz anders, viel schöner, ja, das soll es werden!
Ein weiteres Nebenprodukt fürs Merchandising sind die „Notizen der Globalisierung“, DIN-A5-Hefte mit 48 Blankoseiten, die wir auf Messen, beim taz lab und überall, wo taz & LMd präsent sind, verschenken. Doch als die ins Haus kamen, war – oh Schreck – das Rot schon wieder anders nuanciert. Wie das? Es lag am anderen Papier, das zu dunkel und grau war. Also ließen wir die nächste Charge noch mal auf einem weißeren Recycling-Öko-Papier drucken, denn recycelt muss es natürlich sein. Und möglichst weiß. Und öko. Und erschwinglich. Nun sind sie schön.
III. Akt
Der Tag des Andrucks des kompletten 160-Seiten-Werks. Redaktion, Grafik und Vertrieb reisen gemeinsam an, um live dabei zu sein. Die Drucker sind Profis und legen uns einen ersten Ausdruck des Covers vor, aber: zu dunkel, nicht wie auf dem Proof. Es liegt am Lack. Mit einem Glanzlack bekommen wir unser Rot. Wir wollen aber Mattlack. Laut Drucker braucht es also mehr Gelb in die Farbe.
1. Versuch: Besser, aber noch nicht optimal.
2. Versuch: Wir kommen unserem Rot näher.
3. Versuch: Fast!
4. Versuch: Huch! Nun ist es zu gelblich, zu weich.
5. Versuch: Noch mal etwas weniger Gelb – geschafft!
Der Atlas strahlt in unserem Wunsch-Rot. Auch Redaktion, Grafik und Vertrieb strahlen. Danke, Druckerei! Buchproduktion ist eben auch Farbtherapie.
Ute Keilhauer verantwortet die Produktionsplanung, den Druck und den Vertrieb für den Atlas.
Der neue Atlas der Globalisierung „Welt als Beute“ erscheint am 1. September. Jetzt bestellen: monde-diplomatique.de/atlas
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