Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Von ungeahnten Chancen, einem zweiten Standort für die Elitegruppe GSG 9 und den Formaten „Dschungelcamp“ und „SPD-Parteitag“.

ein Fallschirmspringer mit einem schwarz-rot-goldenen Schirm landet vor dem Brandenburger Tor

GSG 9 in der Hauptstadt: Sie sind gelandet Foto: dpa

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Die Formate „Dschungelcamp“ und „SPD-Parteitag“ sind beim Thema „Ekelprüfung“ kaum noch zu unterscheiden.

Und was wird besser in dieser?

Beim „Dschungel“ freuen sich manche, rausgewählt zu werden.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat vor Studenten in Dresden seine Vorstellungen von Migration erläutert. Pegida sei eine „Chance, dass jetzt Sachen angerissen werden, dass Menschen sich für politische Prozesse interessieren“. Welche ungeahnten Chancen schlummern da noch?

Sachsen wählt im Sommer 2019, und die CDU hat alle Chancen, ihr voriges Ergebnis fast zu halbieren. Bei der Bundestagswahl verlor Kretschmer seinen Wahlkreis und die CDU die Führung – jeweils an die AfD. Was soll er machen? Bekenntnisse zu Asyl, Zuwanderung und sogar den Öffentlich–Rechtlichen merkelte er ins Auditorium. Dagegen mischt er Lob für Pegida unter, bei Kretschmers gibt es gut- und wutbürgerliche Küche am All-you-can-eat-Buffet. Sachsen mit Grenzen zu Polen und Tschechien, mit seiner „Die da oben können uns mal“-DNA, mit der implodierten Heldin Petry: Labor für die ganze Union.

Richtig 2017 wäre: „Wir bekommen ein Kind, und dann gucken wir mal, wie’s so läuft.“ Muss man sich aber auch leisten können

Von links aus betrachtet wäre es wohlfeil, der Union Versagen im Kampf um rechte Wähler vorzuwerfen und zugleich jedes Gesprächsangebot dorthin anzuklagen. Heikel ist Kretschmers Klitterung, beim Thema Zuwanderung habe man „eine Diskussion 2015 nicht zugelassen“. Gerade für Sachsen ließe sich darlegen, dass es eine ellenlange Diskussion gab und Zuwanderung nicht zugelassen wurde. Die Blüte der AfD in Sachsen zeigt, dass bundesdeutsche Demokratie auch funktioniert, wenn’s makaber wird. Eine argumentative Wumme, die Kretschmer allerdings in der Hand explodieren würde.

Die Elitetruppe GSG 9 will wegen der „anhaltenden Terrorgefahr“ in Berlin-Spandau einen zweiten Standort aufbauen. Aber geeignetes Personal zu finden ist schwer. Macht Ihnen das Angst oder Mut?

Durcheinander! Das erste Operationsziel, den Gegner völlig konfus zu machen, erreicht die GSG 9 schon mit dem Namen. Als „9. Grenzschutzgruppe“ gehört sie zu einer Behörde, die es nicht mehr gibt. Und agiert heute unter dem Dach der Bundespolizei, die allerdings laut Artikel 30 GG auch nicht existiert, denn da ist Polizei Ländersache. So hat Deutschland 19 Polizeien (Länder und BKA, Bpol und Polizei des Bundestages), toller Kompetenzwirrwarr und verletzte Verfassungsideale. Kurz: Gemeint ist eine Elitetruppe des Bundes, die sich aber aus Tradition und Feigheit so nicht nennt und bekennt. Mit dem Wachstum in Berlin wird die unehrliche Zentralisierung verstärkt.

Helmut Holter (Die Linke) fordert Schüleraustausche zwischen Ost- und Westdeutschland. Könnte das den eventuell wegfallenden Soli ersetzen?

Der Gedanke ist so naheliegend, dass es eines Linken zu seiner Aussprache bedarf. Nachdem wir einander als „Pack“ zu bezeichnen gelernt haben, macht es Sinn, unsere „Päckchen nach drüben“ zu schicken.

Volkswagen hat letztes Jahr so viele Fahrzeuge in die ganze Welt verkauft wie noch nie. Dabei hatte VW doch die ganz großen Schweinereien: Dieselskandal, illegale Kartellabsprachen, Pipapo. Haben die Verbraucher denn überhaupt kein Gewissen?

Kein Kaufmanns-Gen, auch nicht. Die horriblen Strafgebühren, der Schadenersatz, Rückrufe und Umrüstungen, Lobbyarbeit – wie viel Gewinnspanne steckt eigentlich in jedem einzelnen Auto, dass der Konzern das so wegsteckt? Vor dem Besuch im Autohaus: lachen üben für den Moment, wo der Verkäufer den offiziellen Listenpreis nennt.

Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern ist schwanger. Sechs Wochen will sie nach der Geburt zu Hause bleiben, dann kümmert sich der Papa. In Vollzeit natürlich. Was können wir noch von den Neuseeländern lernen?

Ardern hatte einem Radiomoderator vor ihrer Wahl dessen Frage nach Schwangerschaft im Job als „2017 nicht mehr akzeptabel“ um die Ohren gehauen. Danach wurde sie gewählt von Leuten, die also wussten, was sie bekamen. Richtig 2017 wäre: „Wir bekommen ein Kind, und dann gucken wir mal, wie’s so läuft.“ Muss man sich aber leisten können.

Und was machen die Borussen?

Termine platzen lassen, Teamkollegen draufsetzen, Image vor eigener Mannschaft: Wenn Auba noch mal für den BVB auflaufen sollte, plädiere ich für den Namen Christian Lindner auf dem Trikot.

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