Die Wahrheit: Leider ein Türke
Die Trainerin bei der Physio gegen all die üblichen Zipperlein ist herzensgut, aber leider auf der dunklen Seite der Macht.
F rag nicht nach meinen Blessuren – es sind einige. Keine davon richtig schlimm. Aber will ich den Rücken beschwerdefrei kriegen oder die Treppe mal wieder ohne Knieschmerz nehmen, ist Sport angezeigt. Empfahl mir mein Ortho.
Der mir übrigens den lustigsten Arztbesuch ever bescherte, als er mich zum Neuro überwies. Der bekam, als er meinen angelahmten Fußhebernerv messen wollte, einen regelrechten Wutanfall, weil das Messgerät nicht funktionierte. Nach vier vergeblichen Anläufen brüllte er „Verdammt, verdammt!“, drosch mit beiden Fäusten auf den Apparat ein, und ich fürchtete, gleich knallt er ihn an die Wand.
Ich lag derweil in Unterhose, die Schenkel verkabelt, daneben und dachte in einer Mischung aus besorgt und amüsiert, dass so auch Amokläufe beginnen. Nach zwei weiteren Versuchen plus einem Stromschlag gelang ihm endlich die Messung.
Während ich mich anzog, entschuldigte er sich wortreich, deutete sogar kurz eine Umarmung an. Als ich fertig war, wartete draußen ein Techniker, der mir sorgenvoll zuraunte, er habe durch die Tür alles mit angehört … ach so, irgendwas Relevantes wurde an meinem Nerv nicht gefunden.
Seit ich regelmäßig ins Gym gehe, lahmt der auch schon weniger. Der Rücken zwackt zwar noch gelegentlich, aber das Wort Hexenschuss habe ich vorerst aus meinem Wortschatz gestrichen. Das Knie indes scheut nach wie vor die Treppe. Dank Evi weiß ich aber jetzt eine Übung gegen den akuten Schmerz.
Trainerin für Hasen
Evi ist eh meine Lieblingstrainerin. Zu ihren Kursen gehe ich wirklich gern. Sie macht das echt gut, auch im Umgang mit uns Teilnehmern. Deren Namen sie nicht weiß, nennt sie konsequent „Hase“ – mich auch: „Schultern mehr runter, Hase.“ Find ich gut.
Sie lacht viel und lobt jeden, der sich bemüht: „Sehr gut, Hase!“ Oder: „Super, ihr Hasen. Ihr macht das richtig gut“ – auch wenn’s nicht stimmt. Was sie nicht abkann: Wenn man es nicht wenigstens versucht. Einbeinige Waage zum Beispiel. Dann kann sie ganz schön biestig werden. „Täte auch dir gut, Hase.“
Allerdings! Als ich kürzlich meine drei mal zwölf Sit-ups auf der Streckbank absolvierte, hörte ich Evi was mit einem der nebenan pumpenden Hanteler bekakeln. Ein Kfz-Thema. Sie habe gerade einen günstigen Gebrauchten geschossen. Bei einem Händler in Pinneberg. „Leider ein Türke!“, sagte Evi. Darauf der Pumper: „Sind die doch alle!“ – „Der ist aber ganz nett“, so Evi.
WTF! Ich sackte zusammen. Was für eine Enttäuschung! Meine Lieblingstrainerin, eine Rassistin! Hat da gerade jemand ‚Sind die im Muskelmilieu doch alle‘ gedacht? Keine Ahnung. Evi jedenfalls scheint eine zu sein. Ist aber leider sonst echt nett. So nett, dass sie mir gestern scherzhaft in den Bauch pieksen durfte. Und überhaupt: Mein Name ist Hase.
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