Die Wahrheit: Nesthäkchen mit Zitterkuli
Eine ganz neue Buchreihe für Frauen, von der Wiege bis zur Bahre, wird der literarische Entwicklungsknaller schlechthin.
E s ist mir ein Rätsel, wieso angesichts meiner großartigen Idee für eine Buchserie noch kein Verlag angebissen hat. Ich plane eine Reihe von sechs Romanen, die das Leben einer modernen Frau von der Geburt bis ins Rentenalter abbildet, man denke „Nesthäkchen“ – nur ohne Leierkastenmann, Ersten Weltkrieg und Wandervögel.
Der erste Band meiner Serie trägt den Titel „Ein so ein und ein so ein“ und handelt von einem kleinen Mädchen in der Provinz, deren größter Spaß darin besteht, sein karges Taschengeld alle paar Monate zu einem lokalen Süßwarenverkäufer zu tragen, um dort eine bunte Tüte für eins fünfzig zu erstehen, die mindestens einen Salino, eine Lakritzschnecke und einen von diesen Erdbeerklumpen enthält.
In Band 2, „Typisch ich – total verstrahlt!!!!“, erleben wir die Heranwachsende beim spannenden Experiment, etwas zu Ende zu bringen, wobei die durchgehende Erfolglosigkeit des Versuchs ihr glücklicherweise nicht auf die Laune drückt.
Im dritten Band, „Ein Incel zum Verlieben“, hat die junge Erwachsene die Heterosexualität entdeckt, ist sich nicht sicher, ob sie – auch angesichts einiger problematischer Begegnungen – dabei bleiben möchte, und hadert darüber hinaus mit der Monogamie.
Gast unter Swingern
Folgerichtig dreht sich Band 4, „Letzter Gast im Swingerklub“, um einige lustige, nachdenkliche und unvergessliche Abenteuer der Protagonistin, bei denen sie langsam entdeckt, wo ihre wahren Stärken liegen.
Im vorletzten Band, „Besoffen durch die Menopause“, ändert sich der Fokus der Heldin noch einmal, als sie vor einer großen Herausforderung steht. Mit dem ihr eigenen Optimismus findet sie aber auch dafür eine praktikable Lösung – die sich, wenn man aufmerksam zwischen den Zeilen liest, schon vorher ein wenig angekündigt hatte.
Der (bislang) letzte geplante Teil der Reihe firmiert unter dem Titel „Oma erzählt vom Frieden“. Im Buch lässt die der Leserschaft mittlerweile stark ans Herz gewachsene Hauptperson ihre hochinteressanten Erlebnisse noch einmal ausgiebig Revue passieren – schließlich möchte sie ihre Erkenntnisse an jüngere Leserinnen weitergeben. Denn Weisheit ist der Schönheit im Alter, was die Farbe auf einer Blume ist.
Apropos: Die Coverart der Bücher passt sich dem jeweiligen Thema an, auch bei den Fonts denke ich an flexible Lösungen. So soll es in Band 1 beispielsweise einen Mix aus Buchstaben und Symbolen geben, Band 5 wird komplett mit einem Wackelstift geschrieben sein, dem sogenannten „Zitterkuli“, an dessen Schriftbild man sich schnell gewöhnt, und Band 6 wird in auch bei +3-Dioptrien noch gut lesbarer 24-Punkt-Schrift gesetzt.
Die Reihe wird aufgrund des großen Erfolgs vermutlich schnell als Sammelband erscheinen, ich nehme zudem an, dass sie in ein paar Jahren verpflichtende Schullektüre sein wird. Gern bin ich bereit, dafür zwecks Autorinnenlesung selbst an die Schulen zu fahren. Meine Honorarforderung wäre überschaubar.
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