Die Wahrheit: Das Kleeblatt ertränken am St. Patrick’s Day
Der Heilige Patrick erklärte einst per Kleeblatt den Iren die Dreifaltigkeit. Doch fast wäre das hübsche Grün mal verschwunden als Nationalsymbol.
A m 17. März bricht, wie jedes Jahr, eine schöne Zeit in Irland an: Es ist der St. Patrick’s Day, Irlands Nationalfeiertag, und sämtliche Politiker verlassen die Insel.
„Der St. Patrick’s Day bietet eine einmalige Gelegenheit, Irland auf der Weltbühne zu präsentieren“, findet Außenministerin Helen McEntee. Die meisten Kabinettsmitglieder, nämlich neun, fliegen in die USA, und sie haben Gastgeschenke im Gepäck. Voriges Jahr gab Premierminister Micheál Martin gut 2.700 Euro Steuergelder für Mitbringsel nach Washington aus.
Melania Trump bekam eine Harfenbrosche und einen Geschenkkorb mit Lebensmitteln. Vizepräsident JD Vance erhielt silberne Manschettenknöpfe, seine Frau Usha einen Seidenschal. Vivek, Ewan und Mirabel, die drei Kinder der beiden, wurden mit dem Bilderbuch „Let’s See Ireland“ und Teddybären namens „Padraic the Farmer“ und „Róisín the Dancer“ beglückt. Die Augen der Kleinen sollen vor Freude geglänzt haben, hieß es.
Dem US-Präsidenten Donald Trump überreichte Martin ein maßgeschneidertes Golf-Tee im Wert von fast 735 Euro. Das wichtigste Geschenk war aber wie jedes Jahr die Kristallschale mit dreiblättrigen Kleeblättern. Was machen sie im Weißen Haus bloß mit den Schalen, von denen sich im Laufe der Jahrzehnte ein paar Dutzend angesammelt haben?
Kleeblatt fast futsch
Fast hätten die Iren allerdings ihr Nationalsymbol begraben müssen. Schuld daran war eine deutsche Firma. Meggle Milchindustrie war 1981 vor Gericht gezogen, denn das Unternehmen hatte ein blaues Kleeblatt als Markenzeichen für Molkerei-, Fleisch- und andere Produkte eintragen lassen. Das irische Exportamt habe diese Markenrechte verletzt, weil es ein Kleeblatt – wenn auch ein grünes – auf Handelsmessen in Deutschland ausgestellt habe.
Das irische Ministerium für Industrie, Handel und Tourismus argumentierte, dass Harfe und Kleeblatt staatliche Hoheitszeichen Irlands seien. Die Anwälte legten vor Gericht kleeblättrige Beweise vor, darunter Bücher wie „My Oedipus Complex“ von Frank O'Connor, Plattenhüllen von „20 Irish Party Songs“ sowie Briefpapier der Fluglinie Aer Lingus, um die Verwendung des Symbols zu belegen. Der damalige Premierminister Charles Haughey wandte sich sogar an Bundeskanzler Helmut Schmidt und erzählte ihm, wie St. Patrick die Iren zum Christentum bekehrte, indem er ihnen anhand des Kleeblatts die Dreifaltigkeit erklärte.
Es nützte alles nichts, Meggle gewann vor Gericht und erwirkte eine einstweilige Verfügung, die den Iren die Verwendung des Symbols untersagte. Erst 1985, nach Einspruch beim höchsten deutschen Gericht, wurde es irischen Unternehmen erlaubt, das Kleeblatt wieder auf Waren zu verwenden, die nach Deutschland geliefert wurden. So können die Iren seitdem auch in der deutschen Diaspora am St. Patrick’s Day ungehindert ihrem Nationalsport frönen: „Drowning the Shamrock“ – das Kleeblatt ersäufen.
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