Die Wahrheit: Die Zeugenaussage
Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Hier darf sich die Leserschaft erfreuen an einem Poem über einen widersprüchlichen Berichterstatter.
In einer Cocktailbar in Dortmund
– es mag auch Kiel gewesen sein –
da gab ein Hesse jüngst vor Ort kund,
er trinke nur noch Apfelwein.
Pardon. Die Sache war in Mannheim,
ich glaub, es war auch keine Bar,
und langsam dämmert mir, es kann sein,
dass dieser Kerl kein Hesse war.
Na klar! Es war beim Pizza-Essen,
und dieser Hesse war ’ne Frau,
und diese Frau war nicht aus Hessen,
die war aus Oberammergau.
Mit Essen, denk ich, lieg ich richtig,
doch Pizza? Pizza eher nicht.
Da fällt mir ein, und das ist wichtig:
Es gab ein indisches Gericht.
Es war, mein ich, auch keine Dame,
es war ein Gartenbauverein,
der machte für Salat Reklame,
und niemand sprach von Apfelwein.
Obwohl – das ’nen Verein zu nennen,
das trifft es reichlich ungenau,
und schließlich muss ich noch bekennen,
war’s kein Verein für Gartenbau.
Es war vielmehr ein Deutscher Meister
im Herreneinzelfallschirmsprung,
ein Alexander, na, wie heißt er?,
ein Achim oder Carsten Jung.
Moment, ich muss mich korrigieren,
mir ist der Nachname nicht klar,
ich möchte hier nicht spekulieren –
ob der mal Deutscher Meister war?
Das würd ich nicht per Eid erklären …
Wie, Auslagen? Da fiel nichts an.
Nein, ich verzichte, Euer Ehren,
ich helfe gern und wo ich kann.
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