Die Wahrheit: „Hab keine Angst vor niemandem!“

Der frisch gewählte deutsche Bundeskanzler: Die schönsten Anekdoten über den sympathischen Grinsezwerg Olaf Scholz.

Illustration: Ari Plikat

Am Mittwoch dieser Woche wurde der 63-jährige Hamburger Olaf Scholz zum neunten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Dieses welthistorische Ereignis nimmt die Wahrheit zum Anlass, ausgewählte Anekdoten aus dem Leben des Schlumpfs von der grauen Waterkant zu erzählen.

Als er noch Bürgermeister der freien Hansestadt Hamburg war und täglich die Pegelstände des Flusses Elbe vorgelegt bekam, wollte sich Olaf Scholz an einem sehr windigen Tag selbst davon überzeugen, dass der ankommende Sturm keine Helmut-Schmidt’schen Dimensionen annahm. Doch waren zwei von drei Hintertüren blockiert; erst die dritte gab nach. Sofort durchnässt vom Regen erbat Scholz von einer in die Ecke gedrückten Jungbeamtin eine Zigarette zur Beruhigung. Kaum kam er dazu, den Dreiklang von Hintertür, Hinterzimmer und Frauenzimmer zu überdenken, blies doch der harte Wind sein Rauchwerk stetig aus. Also gab er auf und entschwand wieder ins Rathaus. Durch die Hintertür.

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Von Zahlen war der Finanzfachmann Olaf Scholz sein Leben lang fasziniert. Als ihm zugetragen wurde, dass er der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden würde, war er hocherfreut, war doch die Neun seine Lieblingszahl. Die Neun – das war die Hamburger Perle Uns Uwe Seeler, das waren die neun Pforten der Weisheit, vor allem aber war da seine Lieblingssendung im Norddeutschen Rundfunk: „Der neunte Sinn“, in der Rechenkünstler ihre Fähigkeiten unter Beweis stellten. Seine Liebe zur Neun ging sogar so weit, dass Olaf Scholz immer dann, wenn er in England zu Besuch war, heimlich die Notrufnummer 999 wählte. Heulte daraufhin das Martinshorn eines Peterwagens durch die wehe Nacht, war sein Glück perfekt.

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Was keiner weiß: Olaf Scholz trug am Tag seiner Vereidigung den Konfirmationsanzug seines jüngeren Bruders Jens auf. Auch der Hosenstall klemmte wie einst. Seinen eigenen Konfirma­tions­anzug hatte Olaf Scholz Ende der siebziger Jahre bei einem Happening auf einer Juso-Veranstaltung mit Pauken und Gitarren verbrannt. Ausgetreten bei den Evangelen ist der nigelnagelneue Bundeskanzler allerdings erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

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Einmal hatte der spätere Bundeskanzler Olaf Scholz zu tief in die Kaffeetasse geschaut. Das war an einem winterlichen Morgen, kurz vor Toresschluss.

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Eines Tages war Olaf Scholz auf dem Weg zu seinem Elternhaus in Hamburg-Rahlstedt, als ihm ein gewaltiger Schlachterhund entgegenkam. Das massige Tier bellte heiser und wollte den künftigen Kanzler offenkundig auf die Probe stellen. Ohne Arg trat Scholz dem furchterregend aussehenden Rottweiler entgegen: „Nichts, Hund, kann dich aus der Ruhe bringen. Vor niemandem, mein Freund, hast du Angst“, sprach der kommende Staatsmann. „Erkenne dich selbst!“, empfahl Scholz dem hingebungsvoll lauschenden Rüden. Weithin spürbar waren sich zwei seelenverwandte Wesen begegnet. Da strunkelte der Hund sehr zufrieden weiter in Richtung Bekassinenau.

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Was die Allerwenigsten heute noch wissen: Olaf Scholz war als 37-jähriger Knabe Coverboy des berühmten Kinder- und Jugendmagazins der Jusos, das den Titel VoWääähhh trägt. Bekleidet war er nur mit einer Schlumpfmütze und einem Bananenröckchen. Damals hatte er noch überall Locken.

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Olaf Scholz selbst schätzt den Spitznamen „Scholzomat“ nicht besonders. Privat lässt sich der temperamentvolle Norddeutsche lieber „Scholzofant“ nennen. Der Grund dafür liegt gelegentlich auf der Hand. Zumindest wenn man Pech hat und zum engsten Kreis des Bundeskanzlers gehört.

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In seiner Zeit als Finanzminister rechnete Olaf Scholz stets eigenhändig nach, was seine Abteilungen so alles kalkuliert hatten. Zu diesem Zweck bediente er sich des „Taschenrechners“ auf seinem Dienstcomputer und fand es sehr umständlich, mit der Maus die einzelnen Ziffern zu klicken – gerade bei den Milliardenbeträgen, um die es da ging. Ein einziger Fehler, und er musste wieder von vorne beginnen! Erst Kevin Kühnert zeigte ihm, dass man die Zahlen auch mit der Tastatur eingeben konnte. Dafür ist Scholz dem Genossen noch heute zutiefst dankbar.

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Es muss Mitte Mai 1967 gewesen sein, als dem damals knapp neunjährigen Olaf ein Lämmchen im Hamburger Stadtpark zulief. Die Sonne stand des Mittags formidabel hoch, und auch die Brotdose hatte der Bundeskanzler in spe fristgerecht um Punkt 13 Uhr geöffnet. Das erste Mal in seinem Leben war er allein von Rahlstedt aus mit seinem nilgrünen Rixe-Rad in die weite Welt aufgebrochen. Als das Lämmchen jedoch den Nachkriegsbelag von Olafs mitgeführten Schnitten erblickte, nahm es sich erbrechend Reißaus.

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Olaf Scholz vertritt leidenschaftlich die Überzeugung, dass der Dichter Johann Wolfgang von Goethe sich seinerzeit nur erschossen hat, damit seine Bücher sich besser verkauften. Das ließ er auch in den Koalitionsvertrag der neuen Regierung hineinschreiben.

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Weil Olaf Scholz seit Jahren leidenschaftlich Jogger ist, kaufte ihm seine Frau zu Weihnachten einen MP3-Player und Kopfhörer. Begeistert probierte er bei seinem nächsten Lauf die neue Technologie aus. Zunächst hörte er die Klänge seiner geliebten Fleetwood Mac, aber der Rhythmus brachte ihn aus dem Tritt. Dann versuchte er es mit Jazz, aber die Hektik brachte ihn ins Stolpern. Gut lief es nur mit „Monopoli“ von Klaus Lage, aber sehr bald ging ihm dieses Lied arg auf die Nerven. Seitdem joggt Olaf Scholz wieder ganz ohne musikalische Begleitung.

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An seinem ersten Tag als Hamburger Bürgermeister nahm Olaf Scholz gleich an einem Olaf-Scholz-Ähnlichkeitswettbewerb in einer Bar im Schanzenviertel teil. Da er nicht nur der echte Olaf Scholz, sondern auch einziger Teilnehmer war, rechnete sich der stets kühl abwägende Sozialdemokrat gute Gewinnchancen aus. Die unberechenbaren Hanseaten kürten jedoch einen Klappmülleimer aus Edelstahl zum Sieger, der einfach herumgestanden und den Rand gehalten hatte. Der joviale Scholz nahm die Niederlage mit trockenem Humor und schmiss gut gelaunt eine Lokalrunde, die mittlerweile als erster verdeckter Brechmitteleinsatz in der Hansestadt gilt.

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