Die Wahrheit: Neues aus Neuseeland: Samoanischer Witzbold preist Hitler
Amerika hat Mel Gibson, wir haben David Fane. Er ist weder Actionheld noch alternder Herzensbrecher, sondern ein samoanischer Witzbold aus Auckland:
Immer gut drauf, aber nicht immer der Hellste. Und auch nur selten witzig. Es sei denn, man findet dicke Männer in polynesischen Wickeltüchern, die bedrohlich mit den Augen rollen, besonders komisch. Aber bei so mancher Gelegenheit fällt Fane, genau wie Gibson, als homophober Antisemit aus der Rolle. Sein letztes Scherzchen war dann tatsächlich das Letzte: Aidskranke, Juden - alles Fotzen außer Mutti.
Bisher galt David Fane als lustiger Teddybär, einsetzbar in Sketchen und Fernsehkomödien als Insulaner vom Dienst. Sein mimisches Repertoire hat mehr Bollywood- als Hollywood-Format. Er spricht das Ghetto-Kid "Jerry da Maori" in der Zeichentrickserie "BroTown", die wiederum die neuseeländische Antwort auf "Southpark" ist. Zuletzt gab der Schauspieler einen Südseediplomaten in einer Vorabendshow ab, die "Kolonialistische Klischees unter Kokospalmen" hätte heißen müssen. Zwischentöne sind wahrlich nicht sein Ding. Zwischenrufe schon eher. Daher macht er auch noch Radio.
Bis ihm jetzt dieser fiese Schocker entfuhr. Fane war als Gastredner zu einer Veranstaltung von Radio- und Werbeleuten geladen. Ein "Roast" nach amerikanischem Vorbild: Stand-up-Comedians nehmen sich in gepfefferten Ansprachen die anwesenden Ehrengäste vor. Fane hatte lediglich den Auftrag, die Werbebranche aufs Korn zu nehmen. Bei ihm klang das so: "Ihr habt alle verficktes Aids, ihr Fotzen. Wie erklärt ihr das euren Frauen? Ihr seid die schlimmsten Motherfucker der Welt, ihr Agenturtypen. Ich fress euch besser nicht, ich will kein Aids kriegen. HIV-Kranke kann man entsorgen, wie die Juden. Wisst Ihr was: Hitler hatte recht. Ihr seid Fotzen und könnt alle in der Hölle schmoren, Motherfuckers."
Der Beifall war verhalten. Eine hirnlose Hasstirade ohne Humor ist nun mal kein "Roast". Doch große Empörung über den Ausfall zeigte an dem Abend niemand. David Fanes Stern begann erst zu sinken, als eine Zeitung das Gestammel Wort für Wort abdruckte. Die jüdische Gemeinde forderte eine Entschuldigung, die Aidshilfe war auch nicht erbaut, und Fane streute schließlich öffentlich Asche auf sein Haupt: "Dumme Worte eines dummen Mannes". Zur Entlastung gab er an, dass einer seiner besten Kumpels, der preisgekrönte Regisseur Taika Waititi, eine jüdische Mutter habe. Womöglich kennt David Fane sogar höchstpersönlich einen Schwulen. Garantiert mit Aids.
Eine Woche lang durfte der peinliche Pöbler zur Strafe nicht auf den Sender. Seit dem Fall Fane schlägt sich die antipodische Comedy-Szene mit der Frage herum, was man darf und was nicht. Man darf nicht über andere, heißt die einhellige Antwort. Aber wenn du selbst HIV-positiv oder Jude bist: dann immer druff. lan Stone, ein englischer und jüdischer Komiker, machte es bei seiner Neuseelandtournee vor. "Ich habe nichts gegen Deutsche", sagte er treuherzig ins Publikum. "Ich vermisse nur meine Großeltern."
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