Die Wahrheit: Ich hab ja Knie
Erkenntnisse eines WM-Pathologen (1): Wir sehen unseren Helden zu, weil wir selbst die wahren Helden sind, aber grad keine Zeit haben.
A b Donnerstag ist die Welt im Fußballfieber. Für die Wahrheit untersucht Linksfuß Bernd Gieseking die Pathologie des Geschehens. Der chronische Dribbler kennt alle angetäuschten Krankheitsbilder, die mit Ball zu tun haben.
Also ich spiel nicht mit. Ich hab ja „Knie“. Meine Freundin behauptet, auch ohne „Knie“ wäre ich nie für die Nationalmannschaft aufgestellt worden. Es fielen Worte wie „zu alt“, „zu schwer“ und „neulich hat dich sogar mein Neffe ausgetrickst“.
Brasilianische Krankheitsbilder von galoppierender Extase bis zu letalem Schmerz.
Das stimmt zwar alles, aber wenn man nicht die Illusion hätte, es auch zu können, bräuchte man doch gar nicht zuschauen. Wir sehen unseren Helden zu, weil wir selber die wahren Helden sind, aber grad keine Zeit haben, die Welt zu retten oder Tore zu schießen und weil irgendwer auch den Drecksjob hier zu Hause erledigen muss.
John Wayne, Vin Diesel und Philipp Lahm machen das alles für mich, also an meiner statt. Der Vergleich zwischen Wayne und Lahm hinkt, aber der Rest stimmt. Im Leben meiner Freundin ist zu viel Realität und zu wenig Fantasie. Das streitet sie nicht mal ab. Warum glaubt sie dann bloß, wir würden Weltmeister?
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