Die Union nach der Wahlniederlage : Reif für die Opposition
Armin Laschet und seine Union tun sich noch schwer damit, ihre Niederlage einzugestehen. Dabei ist das Signal des Wahlausgangs unmissverständlich.
Foto: Emmanuele Contini/imago
D as Publikum, also wir, musste mit Verdruckstheit rechnen, mit Reaktionen der Verstörung, die sich in einem delirierenden, hysterischen Gelächter zeigen. Das wäre für Menschen, die gerade eine katastrophische Niederlage erlitten haben, normal: Dieser Moment, in dem sich jede Einsichtsfähigkeit in ein schlimmes Schicksal nicht zeigen will. So in etwa mussten wir auch erwarten, dass sich Politiker*innen der Union zeigen, etwa ihr Spitzenmann Armin Laschet.
CDU und CSU haben am Sonntag ein Votum attestiert bekommen, das sie als abgehalftert, müde und abgestraft wie nie zeigt. Das steigerte sich noch, als bekannt wurde, dass selbst Wahlkreise, die als Festungen galten, verloren gingen – sehr oft an die SPD, in Sachsen an die AfD, in Thüringen sogar an den Außenseiter Frank Ullrich (SPD), der half, uns Hans-Georg Maaßen zu ersparen.
Stattdessen sahen wir Laschet im Kreise der Spitzenkandidierenden bei ARD/ZDF als ein Ausbund an Leugnung der Niederlage. Seiner Niederlage – auch körperlich vortäuschend, seine Partei habe gerade einen Regierungsauftrag bekommen. Er hatte ja keine Wahl: Würde er sich demütig als Kopf des Desasters bekennen, würde er damit seine politische Biografie für weitgehend beendet erklären. Für ihn geht es ums Ganze, das treibt ihn, was sonst.
Er musste die Rolle geben, die bei Monty Python der Schwarze Ritter innehatte und der, nachdem er besiegt wurde, nur ein: „Einigen wir uns auf unentschieden“, herausbringt. Die CDU/CSU gibt sich eben so: unbesiegbar. Sie ist die (bundesdeutsche) Macht schlechthin, alle anderen für illegitim haltend, weil nur sie und mit ihr (so geäußert von vielen, nur von dem Sachsen Michael Kretschmer nicht) „Zukunft“ sei.
Fast alle sagten: Zuerst das Land, dann die Partei (Kanzleramtschef Helge Braun). Das ist: alles Lüge, ob dieses Größenwahns anwidernde, antidemokratische Unwahrheit: Der Union ging und geht es nur um sich selbst. Sie braucht Erholung – und zwar in der Opposition.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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