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Deutschland-Monitor 2025Fast jeder fünfte Ostdeutsche offen für eine Diktatur

In einer Studie sind rund 8.000 Menschen zu Demokratie und Diktatur befragt worden. Eine Einheitspartei oder einen starken Anführer fänden viele gut.

Diktatoren-Dämmerung im Osten: Parteitag der AfD Mecklenburg-Vorpommern Ende Januar Foto: Stefan Sauer/dpa

dpa/taz | Erschreckend viele Menschen sind auch in Deutschland offen für autoritäre Ideen – etwa die Forderung nach einer Einheitspartei oder einem starken Anführer ohne parlamentarische Zwänge. Bundesweit sympathisiert mit solchen Ansätzen etwa jeder Fünfte, in Ostdeutschland sogar jeder Vierte. Fast 20 Prozent der Ostdeutschen können generell einer Diktatur viel abgewinnen. Das geht aus dem Deutschland-Monitor 2025 hervor, einer umfassenden Studie mit etwa 8.000 Befragten, gefördert von der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser.

„Zum einen ist es so, dass der Deutschland-Monitor schon aufzeigt, dass es generell eine Zufriedenheit mit Demokratie gibt“, versuchte die SPD-Politikerin am Donnerstag im ZDF, die Ergebnisse schönzureden. Um dann einzuschränken: Wer – wie viele im Osten – in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Wandel gemacht habe, blicke eben skeptischer auf die Zukunft und die Demokratie, gerade in Gegenden, die sich abgehängt fühlten. Das müsse man ernst nehmen, sagte Kaiser.

In der Umfrage ergaben direkte Fragen nach Demokratie und Diktatur scheinbar eindeutige Antworten: Die „Idee der Demokratie“ befürworteten 98 Prozent. 89 Prozent lehnen eine Diktatur unter allen Umständen ab. Mit dem „Funktionieren der Demokratie“ sind den Ergebnissen zufolge aber bundesweit nur 60 Prozent zufrieden, in Ostdeutschland sogar nur 51 Prozent. Insgesamt sehen 71 Prozent eher eine negative Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Indirekte Fragen der Forscher zeigen aus deren Sicht den „Graubereich“, wo autoritäre Ideen durchaus Anklang finden. So stimmten bundesweit 31 Prozent der Aussage zu: „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert.“ Weitere 23 Prozent stimmen zumindest zum Teil zu. In Ostdeutschland liegt die volle Zustimmung sogar bei 35 Prozent, weitere 26 Prozent sagen teils, teils.

Diktatur als „bessere Staatsform“?

Dass politische Entscheidungen von einer „starken Führungspersönlichkeit“ ohne Rücksicht auf das Parlament getroffen werden sollen, unterstützen bundesweit 11 Prozent, weitere 21 Prozent sagen: teils, teils. Auch hier ist die Quote in Ostdeutschland höher: 15 Prozent bejahen das voll, weitere 22 Prozent teilweise.

Die These „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“ tragen bundesweit 4 Prozent ganz und weitere 7 Prozent teilweise mit. In Ostdeutschland findet dies bei 6 Prozent der Befragten volle Zustimmung, weitere 12 Prozent sagen teils, teils.

„Es ist momentan einfach auch die Vielzahl an Herausforderungen, die die Menschen ja auch wahrnehmen in ihrem Alltag“, sagte Kaiser. Globale Krisen kämen bei ihnen im Alltag an, vor allem wenn nicht genügend Bildung oder genügend Geld da sei und der Lebensstandard nicht auf Dauer sicher erscheine. „Das verunsichert die Menschen und das sorgt dafür, dass sie eher affin sind für populistische Antworten“, sagte sie.

Aufgabe der Politik sei es, klar zu kommunizieren und für Sicherheit zu sorgen. „Das betrifft die soziale Sicherheit, das betrifft aber auch die Sicherheit im Allgemeinen“, sagte Kaiser. Genau das habe sich die Regierung vorgenommen: Es gehe um Stärkung der Konjunktur, um Erhalt von Arbeitsplätzen, gerade auch in Ostdeutschland, aber auch um Leistungen wie Kinderbetreuung und Daseinsvorsorge vor Ort.

Der Deutschland-Monitor wird seit 2023 jährlich erstellt und von der Ostbeauftragten gefördert. Dahinter stehen Forschungsteams des Zentrums für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaft Mannheim. Sie befragten im vergangenen Jahr 4.000 Menschen über 16 Jahre bundesweit sowie 4.000 weitere in einer Regionalstichprobe, um Aussagen nach Stadt und Land sowie nach reicheren und weniger wohlhabenden Gegenden treffen zu können.

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