Deutsche Post: Rätselhafte Botschaften aus der Vergangenheit
Bei einem Berliner Buchhalter trudeln jetzt zwei Briefe ein, die vor über zehn Jahren abgeschickt wurden. Selbst die Deutsche Post ist irritiert.
Foto: Marc Tirl/dpa
Buchhalter Hai Nguyen staunte nicht schlecht, als vergangene Woche in seinem Büro zwei Briefe an seine Frau ankamen. Zwar hatte seine Frau tatsächlich mal bei ihm gearbeitet, aber nach einem Schlaganfall vor ein paar Jahren ist sie erwerbsunfähig. Also rief der Berliner Deutschvietnamese seine Frau zu Hause an und fragte sie, was er mit den Briefen machen sollte. Beide waren von ihrer Krankenkasse. „Öffne sie doch bitte“, lautete die Antwort.
Der erste Brief war eine Information zum Datenschutz. Selbst ein korrekter Buchhalter wie Hai Nguyen warf ihn in den Papierkorb, nachdem er ihn gelesen hatte. Dann hielten ihn Telefonate davon ab, auch den zweiten Brief zu öffnen. Als er dazu kam, war er erstaunt. Die Krankenkasse bat seine Frau um Informationen zu einem Jahre zurückliegenden Arbeitgeber. Wozu braucht sie das, fragte er sich. Hai Nguyen war verwirrt. Bis er auf das Datum des Briefes schaute: 14. Oktober 2013.
Der Poststempel war vom Folgetag. Frankiert war der Brief mit den damals gültigen 58 Cent. Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt? Hatte vielleicht ein Nachbar die Post so lange zurückgehalten? Nguyen fragte seine Mitarbeiterin, die ihm die Briefe auf den Schreibtisch gelegt hatte. Doch die versicherte ihm, die Postfrau hätte die beiden Briefe persönlich im Büro abgegeben. Dieselbe Postfrau, die auch die weitere Firmenpost gebracht hatte.
Jetzt fiel dem Mann der andere Brief ein, den er in den Papierkorb geworfen hatte. Er schaute auch dort auf das Datum: Der Brief war sogar noch älter, vom 4. September 2012. Der Poststempel enthielt kein Datum, allerdings den Hinweis: „Nach erfolgter Zustellung zurückgegeben“. An so eine Rückgabe konnte sich seine Frau allerdings nicht erinnern. Na ja, ist ja auch schon lange her.
Die taz fragte bei der Post nach, ob vielleicht in diesen Tagen in Berlin ein Postsack aus dem vergangenen Jahrzehnt aufgetaucht sei. DHL-Sprecher Johannes Nedo bat um Fotos der Briefumschläge. Doch die halfen ihm auch nicht weiter. „Die Fachkolleg:innen haben nach ihrer Analyse für diesen äußerst seltenen Fall leider keine eindeutige Erklärung“, teilt Nedo mit. „Wir bedauern es sehr, dass die Briefe so lange unterwegs waren und möchten bei Ihrer Leserin um Entschuldigung bitten.“
Entschuldigung angenommen.
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