das wird: „Der Cannabis-Markt ist jung und dynamisch“
Die HamCan in Hamburg diskutiert über Einsatzmöglichkeiten von Hanf
Interview Benno Schirrmeister
taz: Passt eine Veranstaltung wie die HamCan nach Hamburg, Herr Tacke?
Lennart Tacke: Wohin denn sonst? Hamburg hat durch die Historie des Hafens und der Schifffahrt traditionell viel mit dem Thema zu tun, also mit der Nutzpflanze Hanf, dem Wirkstoff THC und ihren Einsatzmöglichkeiten. Hamburg ist außerdem ein wichtiger Handelsstandort – ein Trade Hub, wie man heute sagt, und der Cannabis-Markt ist jung und sehr dynamisch. Und schließlich hat Hamburg eine große Kultur- und Subkultur-Szene: Kreativität und Cannabinoide haben auch eine lange Geschichte miteinander.
taz: Bloß, wie politisch auf diesen Markt reagiert wird, scheint gerade in Hamburg unübersichtlich?
Tacke: Wir arbeiten mit der Politik Hand in Hand. Wahr ist, dass sehr viel Unsicherheit über die Anwendung des neuen Cannabis-Gesetzes herrscht. Auch deshalb kommt vom Bezirksamt Altona ein Referent: Da haben alle Seiten Gesprächsbedarf, auch Geschäftsführer von CBD-Shops oder Firmen, die mit Nutzhanf arbeiten. Wir wollen da in den Dialog gehen. Es geht um Information und Aufklärung.
taz: Weil die komplexen Regelungen des CanG für Unklarheit sorgen?
Messe und Plattform Hamcan, 2.–3. 8., 11–22 Uhr, ehemaliges Hauptzollamt Hamburg. Zutritt nur für Erwachsene
Tacke: Die Dekriminalisierung ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie das Thema in die Mitte der Gesellschaft gestellt hat. Wir müssen jetzt nach einem realistischen Umgang suchen, der auch juristisch standhält.
taz: Sollen Events wie die Abschlussparty am Samstag auch neue Formate für eine noch im Werden begriffene legale Cannabis-Kultur erproben?
Tacke: Nein, darum geht es nicht. Konsum ist nicht unser Thema.
taz: Sondern?
Lennart Tacke
44, Veranstaltungskaufmann, ist HamCan-Gründer und Schmerzpatient.
Tacke: Es geht um die Möglichkeiten des Einsatzes, vor allem im medizinischen Bereich und seinen Grenzgebieten. Einer unserer wichtigsten Speaker ist Steven Wright, ein ehemaliger Baseball-Profi der Boston Red Sox. Der hat ein entzündungshemmendes CBD-Öl entwickelt und arbeitet an dessen Patentierung. Wir haben auch Vorträge zum Einsatz von THC im medizinischen Bereich.
taz: Also beispielsweise als Chance für Schmerzpatient*innen?
Tacke: Es geht genauso um die Risiken und Nebenwirkungen. Denn es ist ein ziemlich breiter Konsens, dass Cannabis, dass THC unter bestimmten Umständen bestimmten Leuten helfen kann. Aber es ist wie bei jedem anderen Medikament auch: Es passt nicht immer. Und es ist auch nicht für jeden gut. Wir versuchen Podien zu machen, die nicht den Konsum feiern, sondern differenzierte Diskussionen zu den neuen Möglichkeiten erlauben. Eine Gefahr der Dekriminalisierung ist ja, dass in der Euphorie jetzt Leute sich überschätzen und Sachen ausprobieren, ohne dem gewachsen zu sein, wie wenn jemand in der prallen Sonne Alkohol trinkt.
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