Debatte um Auswärtstorregel im Fußball: Von Toren in der Fremde

Die Abschaffung der Auswärtstorregel steht zur Diskussion. Wie zeitgemäß ist die Unterscheidung zwischen Heimat und Fremde noch im modernen Fußball?

Ein Fußball der gerade ins Tornetz fällt

Auswärtstor? Zählt doppelt, wie Kenner des Fußballsports gern erzählen Foto: Franck Fife/dpa

Es wird wieder gestritten in der großen Gemeinde der Freunde des Fußballsports. Es geht um die Auswärtstorregel. Die Regelung, nach der bei Gleichstand nach Hin- und Rückspiel diejenige Mannschaft zum Sieger erklärt wird, die mehr Tore auf fremdem Platz erzielt hat, könnte abgeschafft werden. Wer glaubt, dass es eh Unsinn ist, dass ein Sieger bestimmt wird, wenn es eigentlich Unentschieden ausgegangen ist, wird das sicherlich richtig finden.

Und vielleicht stimmt es ja wirklich, dass es in einer Zeit, in der alle Stadien irgendwie gleich modern sind, alle eh immer auf den immer gleich aussehenden Flughäfen abfliegen und landen, eine Reise zu einem Auswärtsspiel nun wahrlich keine Mühsal mehr bedeutet, die eine Auswärtstorregel rechtfertigen würde.

Und wenn dann in den Stadien immer mehr Leute sitzen, die ihre Karten von einem Sponsor bekommen haben oder dafür mehr gezahlt haben, als ein Amazon-Mitarbeiter im Jahr verdient, macht auch die Stimmung keinen Unterschied mehr. Und wie, bitte sehr, so mag man unken, soll man bestimmen, wer einen Heimvorteil hat, wenn dereinst einmal ein Achtelfinale in der Champions League zwischen dem FC Bayern München und Paris Saint Germain in der schönen katarischen Stadt Doha ausgetragen werden sollte?

Andere sehen das alles ganz anders. Die spezielle Spielsituation, die sich mit einem Tor so grundsätzlich ändert, hat durchaus einen gewissen Reiz. Und für die Gesundheit der Spie­le­r:in­nen ist es bestimmt auch nicht so schlecht, wenn wegen der Auswärtstorregel weniger Verlängerungen zu spielen sind. Und dann ist da ja noch die Tradition. Wer gibt schon gerne auf, woran er sich über die Jahrzehnte gewöhnt hat? Die Regel gehört einfach zum Europapokal wie die Berufsbezeichnung Kaiser zu Franz Beckenbauer.

Schlimme Traditionen

Moment! Europapokal? Der war auch mal anders. Nationalspieler Kai Havertz ist 1999 geboren, in jenem Jahr, in dem der Europapokal der Pokalsieger zum letzten Mal ausgetragen wurde. Ein Jammer! Oder auch nicht. Man hat sich ja auch an die Champions League gewöhnt, die dafür sorgt, dass Bayern München nur noch ganz selten gegen den Fußballplebs aus Osteuropa spielen muss. Im Viertelfinale des Europapokalwettwerbs der Landesmeister 1974/75 mussten die Bayern gegen Ararat Jerewan spielen. Schon schlimm.

Für solche Landesmeister gibt es jetzt ja die Europa Conference League. Die ist so konstruiert, dass am Anfang viele Klubs aus kleineren Fußballnationen mitspielen dürfen, bis Absteiger aus höheren Uefa-Wettbewerben dazustoßen, die dann möglichst ins Finale vorstoßen sollen. Im besten Falle ist das dann ein Traditionsverein mit ruhmreicher Geschichte, den alle kennen.

Der Sport lebt eben von der Tradition und kommt doch ohne Neuerungen nicht aus. Was wäre etwa der Tennissport ohne Tie Break? Aber allzu weit sollten die Änderungen dann doch nicht gehen. Und so wird es das Fast4-Tennis, das sich bei vielen Ju­nio­r:in­nen­tur­nie­ren schon bewährt hat, so schnell nicht geben. Vier Spiele muss man dabei für einen Satz nur gewinnen. Bei Einstand gewinnt der das Spiel, der den nächsten Punkt macht. Und wenn es beim Stand von 3:3 einen Tie Break gibt, dann wird der bei einem Stand von 4:4 durch Sudden Death entschieden. Geht gar nicht. Oder?

Beim Fußball gab es auch einmal einen Sudden Death. Der hieß Golden Goal und brachte dem Team den Sieg, das in der Verlängerung das erste Tor erzielt hat. Die Regel wurde wieder abgeschafft. Ging gar nicht.

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