Debatte über Solidarität von Fußballern: Gehaltsverzicht für Fußballprofis?

Borussia Dortmund fordert seine Fußballprofis dazu auf, in der Coronazeit weiter Lohnverzicht zu üben. Ist das richtig? Ein Pro und Contra.

Ball mit übergestüpter Gesichtsmaske auf Rasen, daneben Geldscheine

Geld auf dem Spiel: Profifußballer haben fraglos genug davon, aber ist das die entscheidende Frage? Foto: Michael Weber/imago

Verzichten jetzt, sagt Johannes Kopp

Bei Borussia Dortmund wird in den nächsten Tagen über eine halbjährige Verlängerung des Lohnverzichts der Fußballprofis verhandelt. Eine Selbstverständlichkeit, dass in der pandemiebedingten Einnahmenot die Bestverdienenden Solidarität mit denen im Verein zeigen, die ihnen stets im Hintergrund die Bühne bauen?

Einzelne Spieler anderer Klubs wie Mesut Özil oder Toni Kroos haben sich bereits im Frühjahr mit wohlfeilen Argumenten gegen derlei Abgaben gestellt. Warum eine Zwangsspende an ein Wirtschaftsunternehmen ausrichten, das nicht Rechenschaft darüber ablegt, ob die Einsparungen tatsächlich im sozialen, solidarischen Sinne wirken. Sie beklagten die fehlende Transparenz und betonten ihre private Spendenbereitschaft.

Schon lange vor Corona ist es unter Fußballmillionären üblich, mit ihrer Prominenz und ihrem Geld eigene soziale Stiftungen voranzutreiben, die umgekehrt wieder dem Ansehen der Kicker zugutekommen. Auch in der Coronakrise haben sich einige namentlich als private Großspender hervorgetan.

Ein individualisierter Wettbewerb der Großmütigkeit behagt einigen Profikickern viel mehr, zumal dieser mehr als Gönnertum und nicht als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. Dem richtigen Einwand der fehlenden Transparenz ließe sich dabei doch spielend leicht begegnen. Ein Profiteam kann diese kollektiv einfordern und zur Bedingung für einen Verzicht machen.

Die Klubs müssen nachweisen können, dass das eingesparte Geld ausschließlich für die bestehenden Personalkosten, für den Arbeitsplatzbestand im Verein ausgegeben wird. Das wäre ein starkes solidarisches Zeichen, nicht nur weil es einer großen Zahl von Arbeitnehmern nutzen würde, sondern auch weil sich keine Einzelnen damit schmücken könnten.

Verzichten ist immer falsch, sagt Martin Krauss

Ein Lohnverzicht ist nie zu befürworten, völlig unabhängig davon, ob es sich um ein hohes oder ein niedriges Gehalt handelt.

Das fängt schon damit an, dass hohe Gehälter meist nur zur Begründung fürs „Jetzt müssen alle den Gürtel enger schnallen“ herhalten: Mit dem, was Profis wie Marco Reus verdienen, wird letztlich vorbereitet, dass auch Profis in Dortmunds zweiter Mannschaft, die in der Regionalliga West kickt, irgendwann „Verzicht üben“ müssen, wie das vertragswidrige Einbehalten von Arbeitslohn beschönigend genannt wird.

Ja, Fußballprofis in der Ersten Bundesliga (und oft auch noch in der Zweiten Liga) verdienen gut. Sehr viel mehr als die meisten Menschen in diesem Land. Aber tatsächlich sind sie Angestellte. Das heißt: Wenn das hohe Gehalt nicht an sie ausgezahlt wird, dann gehört es zum Gewinn der Firma. Die bei Fußballprofis oft beklagten hohen Gehälter konnten sie herausschlagen, weil tatsächlich derart viel Geld im Kreislauf ist: Fernseheinnahmen, Transfererlöse, Merchandising, Werbeeinnahmen und (mit immer geringerer Bedeutung) aus dem Ticketverkauf.

Nur Letzteres, das Geld aus den Eintrittskarten, fehlt den Klubs in der Coronakrise. Dass die Liga partout den Spielbetrieb aufrechterhält, hat einzig den Grund, dass die Klubs die weit ertragreicheren Einnahmequellen weiterhin sprudeln lassen. Nun versuchen Profivereine das, was andere kapitalistische geführte Unternehmen in Krisen auch durchsetzen wollen: Personalkosten drücken.

Ja, Reiche sollen etwas abgeben. An Bedürftige, und überhaupt mangelt es an gerechter Verteilung in diesem Land. Aber warum, bitte schön, soll die Spende an die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA gehen?

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Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.

Jahrgang 1964, freier Mitarbeiter des taz-Sports seit 1989

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