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Datendiebstahl in FrankreichPersonendaten des Fiskus meistbietend zu verkaufen

Bei Hackerangriffen auf Steuerbehörden wurden Daten von 700.000 Steuerpflichtigen gestohlen. Auch Server des Erziehungsministeriums wurden gehackt.

Aus Paris

Rudolf Balmer

Ein Kinderspiel, oder fast. Ohne große Schwierigkeiten hat sich in Frankreich ein Hackerduo, das sich auf X selbst „ZeroBytes“ nennt, Zugang zuerst zu Datenbanken der Steuerbehörden verschafft und dann des Erziehungsministeriums. Dabei wurden Personaldaten von Leh­re­r*in­nen und Schü­le­r*in­nen kopiert. Das Datenleck ist enorm und besonders peinlich für die Verantwortlichen der Netzsicherheit. Das Ausmaß wird im Internet von www.frenchbreaches.com dokumentiert und aktualisiert.

Diese gestohlenen Daten würden bereits im Darknet meistbietend zum Kauf angeboten. Ein Teil sei bereits an zwei Interessenten für „mehrere Tausend Euro“ verkauft worden, behaupten die bisher nicht identifizierten Hacker. Sie brüsten sich mit dem Erfolg ihres Angriffs und versprechen weitere Taten.

Sie sagen, es gehe ihnen hauptsächlich „ums Geld“. Sie kommunizieren auf X ausschließlich schriftlich unter ihrem Pseudonym. Laut dem Fernsehsender BFM, der Kontakt mit ihnen aufnehmen konnte, wollen sie ihre Einbrüche in Datenbanken der Staatsverwaltung fortsetzen. Aufgrund des verwendeten Vokabulars vermutet BFM, dass es sich eher um Jugendliche handeln könnte.

Die Steuerbehörden mussten zerknirscht bestätigen, dass Daten von rund 700.000 Personen oder Unternehmen gestohlen wurden. Betroffene müssen davon ausgehen, dass von ihnen Name und Passwort, Anschrift, Telefonnummer, Mail-Adresse, Steuernummer, Geburtsort und -datum, Zivilstand und Angaben zum steuerpflichtigen Einkommen und des Steueransatzes in unbefugte Hände gerieten und in betrügerischer oder sonstiger böswilliger Weise verwendet werden, selbst wenn anscheinend nicht direkt Bankdaten entwendet wurden.

Angst vor Phishing, Identitätsklau und Wohnungseinbrüchen

Dank einer Kombination der gestohlenen Daten wären jedoch diverse Phishing-Attacken oder sogar ein Identitätsklau der vom Diebstahl Betroffenen möglich. Schon warnen Frankreichs Banken ihre Kunden, jetzt besonders vorsichtig zu sein. Die Cyberkriminalitätsexpertin Gabriela Belaïd befürchtet im Webjournal „Mediapart“, dass es wegen des Datenlecks sogar zu Einbrüchen oder Homejacking-Angriffen kommen könnte.

Die Steuerverwaltung hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt und begonnen, per E-Mail die Opfer individuell zu informieren. Sie musste aber gestehen, dass, wie von „ZeroBytes“ behauptet, noch zwei andere ihrer Datenbanken geknackt wurden. Angeblich geht es um Grundstückskataster und eine Liste mit ungeklärten Erbschaftsfällen.

Der Datendiebstahl im Erziehungswesen ist deshalb gravierend, weil dabei eine Unmenge vertraulicher Informationen zu Minderjährigen entwendet wurden, die künftig gegen sie benutzt werden könnten. Sophie Vénétitay von der Gewerkschaft SNES-FSU sieht aber auch eine Gefahr für das exponierte Personal: „Man stelle sich vor, was das bedeuten kann, wenn dies in die Hände von Leuten gerät, die mit einem Lehrer eine Rechnung begleichen wollen.“

Eigenen Angaben zufolge hatte „ZeroBytes“ sich zu Beginn Log-in-Namen und Passwörter bestimmter Computer von Zugriffsberechtigten beschafft. Das ermöglichte es ihnen, via VPN in das interne Netzwerk der Schulbehörde von Créteil bei Paris und danach in andere Server zu gelangen und sich dann dort zu bedienen. Diese Vorgehensweise ist bekannt. Doch dass ihr sofort und definitiv ein Riegel vorgeschoben wird, ist kaum zu erwarten.

Inkompetente Cyberabwehr?

Laut „ZeroBytes“ sei ihre unbefugte Präsenz im Netzwerk der Schulen sogar früh bemerkt worden. Doch man habe sie weiter gewähren lassen. Das wirft zusätzliche Fragen zur Kompetenz der Netzwerkverantwortlichen auf.

Kurz vor dem Einbruch in die Server des Fiskus und der Erziehungsbehörde wurde in Frankreich ein anderer Skandal öffentlich, als bekannt wurde, dass bei der Polizei und der Gendarmerie rund 3 Millionen Klagen oder andere Hinweise auf Straftaten, darunter auch Zehntausende Sexualverbrechen gegen Minderjährige, unbearbeitet in der Schublade liegen geblieben waren.

Wie sollen nach diesen Enthüllungen die Bürger*Innen, die in vielen Fällen gehalten sind, der öffentlichen Verwaltung private Personenangaben zu liefern, dieser Staatsverwaltung noch Vertrauen schenken?

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