Das größte Stadion der Welt: Für die nationale Begeisterung
In Vietnams Hauptstadt Hanoi soll die größte Arena weltweit entstehen. Nun wird spekuliert, welches Großereignis dort ausgetragen werden könnte.
Das größte Stadion der Welt soll in Zukunft in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi stehen. Im Februar wurde bereits mit dem Bau der Zufahrtsstraßen am äußersten westlichen Stadtrand von Hanoi begonnen – inmitten von Reisfeldern und Bauzäunen. Das Vorhaben ist ehrgeizig: Das Trong-Dong-Stadion soll einmal 135.000 Zuschauern in einer riesigen Arena Platz geben und astronomische 32 Milliarden Euro kosten. Es wäre also nicht nur das größte, sondern auch das teuerste Stadion. Golden soll es glänzen. Das gigantische Projekt soll vom Mischkonzern Vingroup finanziert werden. Dessen Chef Pham Nhat Vuong gilt aufgrund seines Vermögens als reichster Mann Vietnams. Rund um das Stadion entsteht ein völlig neuer Stadtteil der knapp 9 Millionen Einwohner zählenden Metropole Hanoi, der „Olympische Sportstadt“ heißen soll. Der Stadtteil soll eine Fläche von 9.000 Hektar umfassen, auf denen bisher elf noch ländlich geprägte Gemeinden stehen.
Trotz des Namens „Olympische Sportstadt“ ist von einer Olympiabewerbung Hanois nichts bekannt. Das wäre angesichts der sportlichen Ergebnisse Vietnams bei Olympischen Spielen auch vermessen. Die einzige olympische Goldmedaille für den südostasiatischen Staat holte 2016 ein Sportschütze. Olympisches Silber gab es zwischen 2000 und 2016 je einmal im Schießen, Gewichtheben und Taekwondo, Bronze gar nicht.
Deshalb wird in Hanoi eher darüber spekuliert, dass das Stadion etwa die Fußball-Asienmeisterschaft oder auch die Asien-Spiele beherbergen könnte. Vielleicht ja sogar eine Fußball-WM? Vietnam hat allerdings noch nie an einer teilgenommen, aber das Land investiert seit Jahren enorm viel, um wettbewerbsfähig zu werden. So versucht man die Kinder und Enkel von ausgewanderten Vietnamesen, die in internationalen Clubs spielen, für Vietnams Fußball zu gewinnen. Bislang gelang dies allerdings nur mit mäßigem Erfolg.
In einer Kategorie hätte Vietnam indes Aussichten auf den Weltmeistertitel: Die Begeisterung der Menschen für den nationalen Fußball ist immens. Deshalb zweifeln Experten auch nicht daran, dass das Riesenstadion bei nationalen und internationalen Fußballspielen voll werden könnte. Der Nationalismus ist übrigens auch über den Fußball hinaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. So sind Vietnamesen höchst motiviert, Produkte made in Vietnam zu kaufen. Das fordert ihr Nationalstolz.
Erinnerung an die Dong-Son-Kultur
Nicht zufällig knüpft das Stadion darum an die nationale Mythologie an: Das Design soll an die berühmte Dong-Son-Trommel angelehnt werden, ein besonders symbolträchtiges Artefakt der Dong-Son-Kultur, die von ca. 400 v. Chr. bis 50 n. Chr. im nördlichen Vietnam bestand.
Das Stadion soll bereits im Sommer 2028 fertiggestellt werden und laut vietnamesischen Staatsmedien den Fifa-Standards entsprechen. Darüber hinaus ist ein automatisch einziehbares Dach vorgesehen. Wegen der Regenzeit macht das Sinn. Der Rasen soll innerhalb von sechs bis zehn Stunden ausgetauscht werden können. Geworben wird auch mit einem Wassersammel- und -recyclingsystem, das etwa 70 Prozent sauberes Wasser einspart.
Allerdings sind in Vietnam Umweltversprechen und deren Umsetzung oft zweierlei. Wenn die Vorhaben mit wirtschaftlichen Interessen divergieren, werden sie gern vergessen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft, die sie einfordern, inhaftiert.
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