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DFB-Elf unter Jürgen KloppDie Stimmung stimmt

Eine überforderte DFB-Elf verliert gegen tief verteidigende Griechen mit 0:1. Irgendwie finden dennoch alle toll, dass sie dabei sein durften.

Andreas Rüttenauer

Aus Augsburg

Andreas Rüttenauer

Ach wie schön muss es doch sein, eine Woche lang zusammen mit Jürgen Klopp verbringen zu dürfen! Für den Bundestrainer und die deutschen Fußballer, die eine Einladung von ihm bekommen haben, gab es nach dieser peinlichen 0:1-Niederlage gegen Griechenland nun wahrlich wenig Grund zur Freude. Aber diese eine Woche zusammen „im Camp“, wie man wohl sagt, die kann ihnen niemand mehr nehmen.

Nicht nur Hennes Behrens vom FC Augsburg, einer der vielen Neuen unter den Berufenen schwärmte, nachdem er die ersten Länderspielminuten seines 21 Jahre jungen Lebens hat sammeln dürfen, von der Atmosphäre im Trainingscamp von Herzogenaurach. Und von Jürgen Klopp schwärmte er auch. Der sei ein „unfassbarer Mensch“, eine „Superpersönlichkeit“. Jetzt müsse man nur dranbleiben, Intensität auf den Platz bringen, dann werde schon alles gut.

Das wird schwierig. Er selbst darf ja gar nicht dranbleiben. Bis auf wenige Ausnahmen haben alle, die bei den ersten beiden Länderspielen unter Jürgen Klopp dabei waren, wieder die Heimreise angetreten. Nun darf Kader 2 ins Camp einziehen und ein paar schöne Tage mit Jürgen Klopp erleben. Irgendwie komisch findet das Joshua Kimmich. Der Kapitän wird fehlen, wenn Deutschland in seinem Heimstadion in München am Donnerstagabend gegen Serbien spielen wird. „Ich hatte bis zum Ende so ein bissl gehofft, zu bleiben.“ Das Camp, es scheint auch ihm gefallen zu haben.

Die Pleite kommentierte er mit der Routine eines Spielers, der schon oft das Scheitern einer DFB-Elf zu erläutern hatte: „Es war jetzt nicht so, dass wir es verlieren müssen. Aber es war nicht so, dass wir einen Sieg verdient gehabt hätten.“ Wer wollte da widersprechen?

Der 31-Jährige hatte viel gegeben, um seiner Rolle als Primus auf dem Platz gerecht zu werden, hat sich immer wieder in Ballnähe begeben, Bälle verteilt. Beim Tor der Griechen in der 74. Minute war er es, der den Schuss von Dimitrios Kourbelis abgefälscht hatte. Das war natürlich besonders ärgerlich. Ihm bleibt nun die Erinnerung an eine Woche, in der er viele neue Jungs kennengelernt habe und in der die Stimmung „definitiv besser“ gewesen sei als in den Minuten nach der Pleite gegen Griechenland. Ach ja, das Camp!

Tests unter Wettbewerbsbedingungen

Kimmich war dann einer der wenigen, der nach dem Spiel über die Situation in Gruppe B der Nations League gesprochen hat. Denn das hätte man bei all der Kloppomania in den vergangenen Tagen glatt vergessen können. Die Nations League ist ein Wettbewerb der Uefa, bei dem es am Ende eine Siegerehrung mit Konfettiregen und für den Gewinner einen schönen Pokal gibt.

Nun liegen die Deutschen in ihrer Gruppe mit einem mageren Pünktchen aus dem Auftaktspiel gegen die Niederlande vor dem punktlosen Serbien auf dem dritten Platz. „Wir müssen jetzt gucken, dass wir die nächsten Spiele gewinnen, weil wir natürlich Erster oder Zweiter werden wollen. Bestenfalls wollten wir Erster werden, jetzt ist der Platz weit weg.“ Aber was heißt hier wir? Die aus Kader 2 müssen es jetzt richten.

Aber sollen sie das überhaupt? Jürgen Klopp selbst, dem an dem ganzen Spiel nur ein paar Balleroberungsmomente in den ersten 15 Minuten nach der Pause ein wenig gefallen haben, hat sich mit seiner Idee, über 40 Spieler für das erste Länderspielfenster unter seiner Ägide zu nominieren, dafür entschieden, den Wettbewerb nicht wirklich ernst zu nehmen. Er will einfach nur ausprobieren und jetzt noch ein paar mehr „erwachsene Jungs“ kennenlernen, wie er sagte.

Wie merkwürdig diese Entscheidung ist, war nach dem Spiel in Augsburg zu spüren. Die Loser vom Sonntag würden nur allzu gern selbst wiedergutmachen, was sie verbockt haben. Jonathan Tah meinte etwa, dass es jetzt darum gehe, „Erfahrungen zu machen als Mannschaft und aus diesen Erfahrungen zu lernen“. Nun gehört er erst einmal für zwei Spiele nicht mehr zur Mannschaft. Auch er wäre gewiss gerne im Camp geblieben. Der Abwehrchef des Tages schwärmte davon, „wie gut die Woche war, wie gut wir zusammengearbeitet haben, wie gut es funktioniert hat, wie gut wir auch schon Dinge umgesetzt haben in der kurzen Zeit“. Am Montag werden andere Spieler diese Mannschaft bilden.

Die werden sich dann in diesem wunderbaren Camp auf ein Spiel vorbereiten müssen, nein, dürfen, in dem die Gegner wohl wieder in einem „tiefen Block“ verteidigen. Einen solchen auszuspielen, sei das Schwerste, was es im Fußball gebe, meinte Klopp nach dem Spiel. Aber er versicherte ausdrücklich, dass es möglich sei. Die Fußballnation bleibt gespannt.

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