Coronawelle und Absagen im US-Sport: Fälle vorm Fest

Mama Omikron und ihre 70 Kinder: Der US-Profisport leidet stark unter der nun vorherrschenden Mutante des Coronavirus.

In Quarantäne: Auch Brooklyn-Nets-Superstar Kevin Durant hat es erwischt.

In Quarantäne: Auch Brooklyn-Nets-Superstar Kevin Durant hat es erwischt Foto: AP/Mary Altaffer

Omikron, das laut seiner genealogischen Tafel („Next­strain“) etwa im März dieses Jahres auf die Welt gekommen ist, hat in der Zwischenzeit schon 70 Nachkommen geboren. Täglich werden es mehr. Die sehr kleinen Ausgeburten von Mama Omikron tragen wahrlich sperrige Namen wie hCov-19/Norway/31126/2021.

Es ist verständlich, dass die Beamten im virologischen Geburtsregister zum griechischen Alphabet greifen, um die Varianten des Coronavirus nutzbarer zu machen. Omikron ist, nach allem, was wir bisher wissen, wohl ansteckender, aber weniger gefährlich, und der US-Sport spürt das nun auch deutlich, trotz einer Impfquote von weit über 90 Prozent.

Die Seuchenschutzbehörde CDC hat die entsprechenden Daten zum Phänomen in den Umkleidekabinen und im Kraftraum parat: In den USA zeigen 73,2 Prozent der sequenzierten Daten mittlerweile die Elternschaft von Omikron an, bei 26,6 Prozent hatte das Delta-Virus seine Finger im Spiel, und bei 0,1 Prozent weiß man nichts Genaues. In manchen US-Staaten erreiche die Omikron-Verbreitung sogar schon 90 Prozent, glaubt die CDC. Das Auftauchen von Omikron hat zu einem deutlich verschärften Testregime geführt. Das betrifft alle Sportligen in den USA, so auch die Basketballer der NBA, die nun im Akkord positiv auf Corona getestet werden (so auch der Deutsche Maximilian Kleber/Dallas Mavericks).

Bei den Brooklyn Nets erwischte es gleich zehn Spieler, darunter den erst vor wenigen Tagen zum Team zurückgekehrten Kyrie Irving, seines Zeichens ungeimpft. Aber auch andere Teams befinden sich im Würgegriff von Omikron, das sich wenig um den Impfstatus zu scheren scheint: sieben Positive bei den Chicago Bulls, sieben bei den Charlotte Hornets, sechs bei den New York Knicks, fünf bei Orlando Magic, um nur ein paar Mannschaften zu nennen. Sieben Spiele fielen aus, unter anderem die gestrige Partie der Nets gegen die Washington Wizards. Um weitere Spielabsagen zu vermeiden, wird darüber nachgedacht, den Klubs die Möglichkeit zu geben, zusätzliche Spieler mit einem 10-Tage-Vertrag zu verpflichten. Das könnte sogar verpflichtend sein, wenn sich die Coronafälle im Team häufen.

Quarantänebefreit: Asymptomatische

Auch in der Football-Liga NFL mehren sich die Eintragungen in die Health and Safety Protocols, wo die Coronapositiven landen. Am ersten Tag mit einem engmaschigeren Corona-Testregime sind 47 „positive“ Football-Spieler entdeckt worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP am Montag unter Berufung auf eine anonyme Quelle. Mehr positive Coronatests hatte es in der NFL noch an keinem Tag gegeben. Auch wegen der hohen Impfquote der NFL-Teams – Ende November 94,5 Prozent unter den Spielern und nahezu 100 Prozent bei Trainern und Betreuern – hatte die Liga zwischenzeitlich nur noch wöchentlich testen lassen.

Da die Zahl der Neuinfektionen zuletzt massiv anstieg, änderte die NFL ihr Vorgehen und führte gezielte Tests bei Verdachtsfällen ein. Geimpfte und asymptomatische Spieler müssen allerdings nicht mehr mindestens zehn Tage in Quarantäne, wie das noch zu Saisonbeginn der Fall gewesen ist. Drei NFL-Spiele mussten bislang wegen der Quarantänebestimmungen verschoben werden.

Ein ähnliches Bild sehen wir in der NHL: Wie die Eishockey-Profiliga bekannt gab, werden die ursprünglich für Donnerstag (Ortszeit) geplanten fünf Partien verschoben. Die Weihnachtspause soll demnach bereits nach den beiden verbleibenden Spielen ab Dienstag beginnen. Die Columbus Blue Jackets und die Montreal Canadiens durften bereits am Montag nicht mehr als Mannschaften trainieren und können das auch bis mindestens 26. Dezember nicht tun. Die Anzahl der wegen Corona verschobenen NHL-Partien in dieser Saison steigt auf 49.

Die Spieler kehren am Sonntag nach Weihnachten zu ihren Klubs zurück. Der Tag soll lediglich zum Testen, Trainieren oder Reisen verwendet werden. Vorm Betreten der Anlagen muss ein negatives Testergebnis vorgewiesen werden. Der Spielbetrieb soll am 27. Dezember wieder aufgenommen werden. Die Enge des Terminplanes könnte dazu führen, dass Olympia in Peking ohne NHL-Profis stattfindet.

Auf Omikron folgen übrigens Pi, Rho und Sigma. Nur so zur Info.

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