Corona in Berliner Kitas: Kaum Kita-Kinder in Quarantäne

Die Inzidenzen sind unter den Berliner Kita- und Grundschulkindern hoch. Die Kitas können wohl trotzdem im Normalbetrieb bleiben.

Gibt's auch zum Lutschen, aber nicht für die Kitas: Lolli-Tests auf das Corona-Virus Foto: picture alliance/dpa | Michael Reichel

BERLIN taz | Trotz steigender Inzidenzen gerade bei jüngeren Kindern: Die Kitas laufen in Berlin derzeit noch weiter im Normalbetrieb – und eine Abfrage bei Trägern und der Senatsjugendverwaltung ergibt: Die Inzidenzen spiegeln sich nicht im Infektionsgeschehen in den Kitas wieder. „Wir registrieren keine großartigen Ausbrüche“, sagt Maria Lingens, Kita-Referentin bei der Arbeiterwohlfahrt. Auch vom landeseigenen Betrieb Kigä Südost heißt es, es seien nur vereinzelte Gruppen in Quarantäne.

Laut Gesundheitsverwaltung liegt die 7-Tage-Inzidenz bei den 0- bis 4-Jährigen bei 114 und bei den 5- bis 9-Jährigen bei 358,6. Das weist auf ein hohes Infektionsgeschehen vor allem in den Grundschulen hin. Regina Kittler, die derzeit für die Linke den Koalitionsvertrag mit aushandelt, twitterte am Donnerstag, es könne nicht sein, dass bei einer derartigen Inzidenz die Maskenpflicht in den Grundschulen weiter ausgesetzt bleibe. Der Hygienebeirat der Bildungsverwaltung kommt am Montag wieder zusammen, um über die Infektionslage zu beraten.

Ein Sprecher der scheidenden Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte auf taz-Anfrage zum Infektionsgeschehen in den Kitas, derzeit gebe es keine Einschränkungen. „Aber wir beobachten die Situation und reagieren sofort, wenn es erforderlich sein sollte.“

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Allerdings ist es auch fraglich, ob die Kitas für einen erneuten Anstieg des Infektionsgeschehens überhaupt gerüstet wären. So gestalte sich die Beschaffung von Luftfiltergeräten schwierig, heißt es von Träger-Seite. Es gebe grundsätzlich die Möglichkeit, Fördergelder für Luftfiltergeräte für schwer oder nicht belüftbare Räume bei der Senatsverwaltung zu beantragen, sagt Sandra Stahl, pädagogische Geschäftsleiterin der Kitas Südost. Die Eltern treibe das Thema des Dauerlüftens angesichts der kalten Jahreszeit um. „Derzeit prüfen wir in einem Modellprojekt mit CO2-Messgeräten, ob die Lüftungsintervalle verlängert werden können.“

Als Flop entpuppt sich bisher auch ein Modellprojekt, dass die Bezirke Neukölln und Treptow-Köpenick in zwei SüdOst-Kitas im Sommer auf den Weg gebracht hatten. Es sollte geschaut werden, ob die Filter überhaupt wirksam und sinnvoll sind für Kita-Räumlichkeiten – um argumentieren zu können, warum Luftfilter womöglich grundsätzlich in jedem Kita-Raum Sinn machen könnten. Bisher fand sich allerdings noch keine wissenschaftliche Begleitung für das Projekt.

Scheeres' Sprecher sagt, es seien bisher 835 Filter für 160 Einrichtungen bewilligt. Mehr Geld stünde bereit. Allerdings sei es tatsächlich so, dass nur schwer belüftbare Räume ausgestattet würden. Für die Schulen war Scheeres davon abgerückt, dort soll in jedem Klassenraum ein Filter stehen können.

Auch an anderer Stelle hakt die Auswertung: der Pilotversuch mit PCR-Lolli-Tests, der bis September in 160 Kitas lief, ist noch immer nicht ausgewertet. Mit den verlässlicheren PCR-Tests erhofft man sich ein sichereres Bild über das Infektionsgeschehen. Laut Scheeres' Sprecher funktioniere die Logistik mit den Laboren gut, „aber es ist aufwendig“. Eine Auswertung soll jetzt zeitnah folgen. Scheeres hatte zuvor bezweifelt, ob Laborkapazitäten reichen, wenn die Inzidenz über 35 steigt.

Beim Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger hat man indes „keinerlei Verständnis“ dafür, dass sich die Auswertung immer weiter verschiebe, sagt Geschäftsführer Lars Békési. „Bereits in 2020 hatten wir ein solches Verfahren vorgeschlagen und eingefordert.“ Jetzt sei November „und es besteht weiterhin keine Klarheit“.

Bisher stehen den Kitas Schnelltests für zweimaliges Testen pro Woche und Kind zur Verfügung. Die Schnelltests sind freiwillig und sollen von den Eltern zu Hause durchgeführt werden. Laut Awo-Referentin Lingens und Kigä Südost-Geschäftsführerin Stahl werden die Tests genutzt. Fraglich bleibt aber, auch mit Blick auf die steigende Inzidenz, wie verlässlich mit diesem niedrigschwelligen Testkonzept das Infektionsgeschehen tatsächlich abgebildet wird.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de