Corona-Rede der Queen: „We'll meet again“

Die britische Königin hält die eines Staatsoberhauptes würdige Rede – und weckt Erinnerungen an Vera Lynns Lied zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges.

Queen Elizabeth in einem grünen Kleid in Windsor Castle

Die Rede der Queen an die Nation wurde in Windsor Castle aufgenommen Foto: Handout Buckingham Palace/reuters

BERLIN taz | Anders als ihr rüpeliger Premierminister Boris Johnson hält sich die britische Monarchin auch in Zeiten von Corona verlässlich so würdevoll, dass es beinahe schwer fällt, den antiroyalistischen Reflex zu wahren. In einer Videobotschaft am Sonntagabend macht die Königin Mut und endet auf einen Satz, der weite Assoziationsspielräume eröffnet: „Wir werden uns wiedersehen.“ Auch wenn Elizabeth sich nicht zur informellen Kontraktion hinreißen lässt und gewohnt stocksteif „We will meet again“ sagt, ist das Echo der legendären Liedzeile „We’ll meet again“ doch sicher gewollt.

Jener grandiose Erfolg der Sängerin Vera Lynn aus dem Jahr 1939 begleitete die Soldaten Großbritanniens und des Commonwealth durch den Zweiten Weltkrieg. Das Lied und die Touren entlang der Kriegsschauplätze mit weiteren Schmachtfetzen brachten Lynn den Beinamen „the Forces’ Sweetheart“. Noch Jahrzehnte später füllte sie Stadien und ließ ihr Land in den Erinnerungen an eine große Zeit schwelgen. Der Bezug auf entbehrungsreiche Zeiten, in denen gemeinsam Großes geleistet wurde, passt zur Arbeitsplatzbeschreibung der Queen: die Moral anheben, Halt und Stabilität vermitteln.

Die Sängerin selbst, inzwischen 103 Jahre alt, meldete sich ebenfalls zu Wort. Mit einem knappen Voiceover über ein Video zur Musik von „We’ll meet again“ selbstverständlich. „Keep smiling and keep singing“, gibt Vera Lynn ihren Fans mit auf den Weg. Dass der noch recht lang und schmerzhaft werden kann, ist wohl zu befürchten. Der chronisch unterausgestatteten öffentlichen Gesundheitsfürsorge steht der Höhepunkt der Krankheitswelle schließlich noch bevor. Und so bleiben vielleicht nur Durchhalteparolen gegen den „unsichtbaren Feind“. Wie überall im Paradox gefangen, gemeinsam isoliert zu bleiben, bis die Gefahr vorüber ist. Die einen auf ihren Schlössern, die anderen in Sozialwohnungen.

Bleibt der britischen Bevölkerung wie uns allen nur zu wünschen, dass wir am Ende nicht der zynischsten Interpretation des Liedes beiwohnen müssen. Das Finale der bitteren Filmsatire „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick untermalt den tragenden Gesang Lynns mit einem in der Kinogeschichte einzigartigen atomaren Exzess, der die Idee einer wiederkehrenden Normalität völlig ad absurdum führt.

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