Cool bleiben als Elternteil: „Lassen Sie uns über Angst reden“
Die Kinder machen sich selten bis nie Sorgen, der Vater dafür umso mehr. Was alles passieren könnte! Ein fiktives Gespräch über Angst und Kontrolle.
Foto: Malte Mueller/getty images
L assen Sie uns über Angst reden. Jürn, haben Sie viel Angst?“
„Aaaahhh! Aaaahhh! Aaaahhh!“
„Wovor haben Sie Angst, Jürn?“
„Dass meine Kinder vom Balkon fallen oder aus dem Fenster stürzen.“
„Sind Ihre Kinder denn sehr unvorsichtig, Jürn?“
„Nein.“
„Waren Sie immer ängstlich?“
„Geht so.“
„Schließen Sie nachts Ihre Tür ab, Jürn?“
„Früher nicht. Heute schon.“
„Warum machen Sie das?“
„Weil ich Angst davor habe, dass meine Kinder aufstehen, den Lichtschalter nicht finden, die falsche Tür benutzen, drei Stockwerke runterlaufen, schlaftrunken auf die Straße torkeln und von ’nem Lkw überrollt werden.“
„Und was ängstigt Sie noch?“
„Dass die Kinder ’nen Fahrradunfall haben, dass sie ertrinken, dass sie ersticken, dass sie unglücklich sind, dass sie …“
„Glauben Sie, dass Ihre Kinder Sie cool finden, Jürn?“
„Ach, ‚cool‘ ist ein großes Wort.“
„Lassen Sie es mich anders ausdrücken: Glauben Sie, dass Ihre Kinder Sie cool finden, Jürn?“
„Nein.“
„Hat Ihre Frau auch diese Ängste?“
„Nein, die ist total fahrlässig.“
„Was macht die denn?“
„Die passt nicht auf, dass alle Fenster geschlossen sind. Dass die Helme richtig sitzen. Die geht mit denen im April im See baden. Im April! Und die hat die Kinder gar nicht immer im Blick. Die ist ganz normal.“
„Wovor haben Sie noch Angst, Jürn?“
„Davor, dass Sie noch mal meinen Vornamen benutzen.“
„Danke für Ihre Offenheit, Jürn. Nächstes Mal sprechen wir über den Medienkonsum Ihrer Kinder.“
„Aaaahhh! Aaaahhh! Aaaahhh!“
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