Clubszene in Berlin: „Man muss ja auch vorausschauen“

Mit einem 6-Punkte-Plan bereiten sich Clubs auf Öffnungen vor. Tickets mit Schnelltests sollen das Tanzen wieder möglich machen – irgendwann.

Leere Tanzfläche mit lila Licht im Neuköllner Club Schwuz

So leer wie hier im Neuköllner Schwuz wird es in den Berliner Clubs wohl noch länger bleiben Foto: Maria Alonso Martos/imago

taz: Herr Leichsenring, die dritte Corona-Welle hat uns erfasst, Inzidenzien steigen, der Lockdown wird wohl verlängert. Und gerade jetzt stellt die Clubcommission einen Sechs-Punkte-Plan mit Strategien vor, um demnächst zu Partys zurückkehren zu können. Kein optimales Timing, oder?

Lutz Leichsenring: Es ist ein Irrtum zu meinen, man darf nur planen, wenn es gerade opportun scheint. Man muss ja auch vorausschauen. Es war sogar ein Fehler, dass wir uns zum Beispel mit dem Thema Schnelltests nicht schon letzten Herbst stärker beschäftigt haben. Wir wissen natürlich nicht, wann die Inzidenzien so sind, dass wir wieder die Clubs öffnen können. Aber wenn sie es denn sind, sollten wir eben vorbereitet sein. Unter den jetzigen Voraussetzungen ist reguläres Clubben noch nicht möglich. Aber wir wären ja bescheuert, würden wir uns nicht damit auseinandersetzen, wie wir wieder zurück kommen können zu Indoor-Veranstaltungen.

Lutz Leichsenring ist Presse­sprecher der Berliner Club­commission.

Zu Ihrem Sechs-Punkte-Plan gehört auch die Durchführung von Pilotveranstaltungen: Etwa die am 27. März im Holzmarkt, die gemeinsam mit dem Kultursenat initiiert wurde. Glauben Sie nicht, dass es dann heißen wird: Alle sollen weiter zu Hause bleiben, aber ein paar Leute dürfen tanzen gehen?

Also getanzt wird da nicht, dass ist eine Sitzveranstaltung. Ich kann bis zu einem gewissen Punkt verstehen, dass man sich darüber echauffiert, wenn die Leute jetzt nach Teneriffa oder Mallorca fliegen. Aber dass wir uns jetzt im März Gedanken darüber machen, wie wir Veranstaltungen sicher umsetzen wollen in den Sommermonaten, das gehört zu unserem Job. Und wenn das kritisiert werden würde, müsste ich sagen: das ist eine Scheindiskussion.

Nach einem Jahr im Corona­lockdown suchen die Clubs nach Perspektiven für eine Öffnung. Helfen soll dabei ein nun vorgestellter 6-Punkte-Plan: Neben Pilotveranstaltungen mit Schnelltests setzt die Club­commission auf eine zentrale Plattform mit Hygienekonzept-Empfehlungen und aktuellen Verordnungen. Außerdem wollen die Clubs die Besucherzahlen, das Ausgehverhalten sowie die wirtschaftliche Situa­tion der Branche systematisch erfassen. Helfen sollen außerdem Smart-Apps, die Beteiligung an Forschungsprojekten und eine Informationskampagne. (dpa)

Was genau wollen Sie bei der Pilotveranstaltung überhaupt herausfinden?

Der Ablauf eines Clubbesuchs unter Einbeziehung einer Teststrategie soll einfach mal durchgespielt werden mit dem Ziel, eventuelle Tücken und Fehler zu finden. Die Kette ist ja recht lang: Der Besucher kauft sich ein Ticket, in dem Ticket ist der Test schon inklusive, dann geht er zu einer Teststation, dort wird der Code gescannt, dann macht er den Test, erst daraufhin geht es zur Venue.

Der Sechs-Punkte-Plan ist ziemlich ambitioniert. Es geht um den Austausch mit der Wissenschaft und die Auswertung von Ausgehverhalten. Alles mit dem Ziel, Veranstaltern ein auf die jeweils aktuelle Corona-Lage angepasstes Partykonzept an die Hand zu geben.

Ja, der Sechs-Punkte-Plan ist dazu da, tatsächlich alles, was an Möglichkeiten besteht, an Technologie, an Wissen, an Regelwerk, aufzubereiten und zentral zugänglich zu machen.

Die Konzertbranche hat das Jahr 2021 schon abgeschrieben. Glauben Sie, der Tresor oder das Watergate öffnen überhaupt noch in diesem Jahr wieder?

Ich bin kein Prophet. Aber ich glaube fest daran, dass auch kleine Konzerte und Festivals noch in diesem Jahr statt finden können. Und wenn irgendwann die vulnerablen Gruppen geimpft sind, dann muss man sich die Frage stellen, was noch dagegen spricht, auch die Clubs wieder zu öffnen. Ich denke, wir werden dabei noch eine ganze Weile mit Teststrategien arbeiten müssen. Am Ende ist es aber auch so, dass wir wieder zu einer Selbstbestimmtheit der Leute zurückkommen und diese selbst entscheiden lassen müssen, wie sie mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit umgehen sollen. Sofern sie dabei nicht anderen Menschen schaden natürlich.

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