Clubs in der Coronakrise: Perspektivlos im Shutdown

In Niedersachsen sorgen sich die Grünen um die Club- und Festivalkultur. Sie fordern ein eigenes Rettungsprogramm.

Tanzende Menschen zeichnen sich vor bunten Scheinwerfern ab

Clubs gelten wie Spielotheken, Wettbüros und Bordelle als Vergnügungsstätten Foto: Sophia Kembowski/dpa

HANNOVER taz | Wenn man neuerdings die Coronakrise immer wieder als „Naturkatastrophe in Zeitlupe“ beschreibe, fühle sich das für die Club- und Festivalkultur genau so an, sagt Gunnar Geßner vom ClubNetz e.V. in Hannover. „Das heißt auch, dass uns die Krise noch lange beschäftigen wird“, sagt er. „Die bisherige Unterstützung hat schon geholfen, aber sie wird angesichts der Dauer der Einschränkungen für die Clubkultur nicht ausreichen.“

In Wirklichkeit war die Clubszene Hannovers natürlich vorher gebeutelt: Alte traditionsreiche Clubs sind Sanierungs- und Umbaumaßnahmen zum Opfer gefallen, Newcomer haben es schwer an Baugenehmigungen zu kommen. Vor allem in einer Stadt, in der die Mieten immer teurer und die Anwohner:innen immer empfindlicher werden. Die Erfahrung zeige, wenn ein Club geschlossen werde, bleibe er das meistens, sagt Eva Viehoff, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen. Der Standort gehe unwiederbringlich verloren.

Im Gegensatz zu Kulturstätten hätten die Clubs auch bei der Bebauungsplanung schlechtere Karten, erklärt Viehoff. Milieuschutz oder städteplanerische Berücksichtigungen gibt es hier nicht. Clubs sind rechtlich als Vergnügungsstätten eingeordnet – genauso wie Spielotheken, Wettbüros und Bordelle.

Das müsse sich ändern, weil es dem kulturellen Beitrag, den Clubs leisten, überhaupt nicht entspreche, finden die Grünen. Sie fordern zudem ein eigenes Rettungspaket im Nachtragshaushalt, damit Corona der Szene nicht vollständig das Genick bricht.

Zwar haben einige von den bisherigen Nothilfen profitiert, aber das wird auf die Dauer nicht reichen. Clubs sind ja meist keine Unternehmen mit x Angestellten und kreditfinanzierten Investitionen, die sich hier geltend machen lassen – viele arbeiten ohnehin immer am Limit mit kleinen Teams, 450-Euro-Kräften, Aushilfen, selbstständigen Techniker:innen und Künstler:innen.

Es wird offensichtlich, was die Clubs sonst so nebenbei leisten: Die Feiermeute im Zaum halten

Gleichzeitig trifft sie die Coronaschließung eben härter als alle anderen Branchen: Noch immer ist nicht klar, wann sie überhaupt wieder aufmachen dürfen. Festivals wird es erst im nächsten Jahr wieder geben. Welche Folgen das hat, lässt sich jedes Wochenende auf der Limmerstraße erkennen: Das berüchtigte „Limmern“ hat Ausmaße angenommen, bei denen selbst den geduldigsten Anwohner:innen der Geduldsfaden reißt. In den Sommernächten tummeln sich hier tausende Jugendliche bis in die frühen Morgenstunden, Straßenbahnen kommen nicht mehr durch, die Polizei, ein privater und ein kommunaler Ordnungsdienst sind im Dauereinsatz.

Man wundere sich, dass nicht längst Stuttgarter Verhältnisse herrschen, hieß es neulich in einem Leserbrief in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Da wird offensichtlich, was die Clubs sonst nebenbei leisten: Die Feiermeute im Zaum halten.

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