Charlotte Knobloch für AfD-Verbot: „In vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP“
Die extrem rechte AfD bekommt Zulauf wie nie zuvor. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden Charlotte Knobloch fühlt sich an dunkle Zeiten erinnert.
Foto: Sven Hoppe/dpa
dpa | Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, zieht Vergleiche zwischen der AfD und der NSDAP. Dem Magazin Stern sagte die 93-Jährige: „Natürlich sahen die Nazis von damals anders aus, hatten Uniformen, waren anders organisiert. Sie hatten von Anfang an klargemacht, was sie vorhatten, wie ihre Politik aussehen würde. Jeder konnte das wissen.“ Zugleich sagte sie auf die Frage nach einem Vergleich zwischen AfD und dem Siegeszug der NSDAP in den 1930er Jahren: „Man kann es nicht gleichsetzen, aber vergleichen sollte man.“
Die 93-Jährige äußerte sich wenige Wochen vor wichtigen Landtagswahlen. In Sachsen-Anhalt am 6. September rechnet sich die AfD Chancen auf eine Alleinregierung aus. In Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September gewählt wird, liegt die AfD in Umfragen ebenfalls vorn. Auch bundesweit ist die Partei in Umfragen derzeit stärkste Kraft.
„Auch die NSDAP hat einmal klein angefangen und ausprobiert, was alles möglich ist. Exakt das passiert bei der AfD: Ihre Politiker testen aus, was zumutbar ist. Und wir sehen: Sie wachsen mit zunehmender Radikalität“, sagte Knobloch. Sie betonte: „Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist. Ich habe viele schreckliche Parteien erlebt, NPD, Republikaner, DVU. Sie sind gekommen und wieder verschwunden. Keine war so gefährlich wie es die AfD ist.“
„Zu radikalen Mitteln greifen“
„Bei vielem, was AfD-Politiker so von sich geben, frage ich mich: Wo ist die Justiz? Wieso darf man heute ungestraft gegen Menschen hetzen? Wir müssen in der Bekämpfung dieser Radikalen selbst zu radikalen Mitteln greifen, anders werden wir es nicht schaffen“, mahnte Knobloch. Sie empfahl dabei eine neuerliche Prüfung des Verbotsverfahrens, auch wenn sie einem solchen geringe Chancen einräumt. „Versuchen sollte man es vielleicht dennoch“, forderte Knobloch. Auf die Frage, ob man einzelnen Personen das passive Wahlrecht – also die Wählbarkeit in ein Amt – entziehen könnte, sagte sie: „Alles, was helfen könnte, sollte versucht werden.“
Knobloch war Anfang Juli als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) wiedergewählt worden. Sie hat das Amt seit 1985 inne. Die gebürtige Münchenerin hatte den Holocaust in Franken überlebt und war später in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Dort engagierte sich Knobloch später im Zentralrat der Juden in Deutschland, den sie von 2006 bis 2010 als Präsidentin leitete.
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