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CDU in NiedersachsenAntisexismus kann man lernen

Kommentar von

Benno Schirrmeister

Wegen Fake-Videos hat Niedersachsens CDU-Fraktion einen Mitarbeiter gefeuert. Das kann aber nur ein erster Schritt sein im Kampf gegen Sexismus.

CDU-Veranstaltung in Langenhagen: Hier dienen Frauen nicht als schmückendes Beiwerk Foto: U. Stamm /Future Image/imago

M anche behaupten, glauben heiße zweifeln. In dem Sinne ist das Versprechen des niedersächsischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Lechner glaubwürdig, alles werde „transparent und lückenlos aufgeklärt“, und es gebe „bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen in der CDU null Toleranz“: Damit begründete Lechner die Entlassung eines Fraktionsmitarbeiters.

Dieser soll mithilfe von KI-basierter Software ein Video angefertigt haben, in dem eine Frau im Bikini tanzt, der er die Gesichtszüge einer Kollegin verpasst hatte. Das geht aus der von dpa verbreiteten Darstellung der Staatsanwaltschaft Hannover hervor. Die hat das Material gesichtet. Es war zuvor in einer privaten Social-Media-Gruppe geteilt worden, zu der ein weiterer Fraktionsmitarbeiter gehört haben soll.

Der Urheber des manipulierten Videos behauptet nun in aller vermuteten Unschuld, er habe mit diesem seine Digital-Freunde über die Gefahren von Deepfake-Bewegtbildern aufklären wollen: Der CDU und allen ihren Mitarbeitern und ihren Kumpels ist nämlich die glaubwürdige Aufklärung ein Anliegen.

Nicht fehlen darf dabei ihre wichtigste strafrechtliche Errungenschaft: Dass die Unschuldsvermutung gelte, wurde laut Agentur eigens betont. Zu Recht: Um Schuld im rechtlichen Sinne geht es in dem Fall kaum. Zwar könnte die Betroffene Strafantrag stellen, wenn sie erfahren hat, dass ihr Bild zum Gegenstand – vermutlich unschuldiger! – Fantasien ihrer männlichen Kollegen gemacht worden war.

Mit Ekelpaketen im Büro

Vielleicht aber wird sie von ihrem fürsorglichen Arbeitgeber vor diesem Wissen im Zuge der Aufklärung bewahrt: Sie mit dem Vorgang zu konfrontieren, wäre ja bestimmt ein doller Schock für sie. Immerhin hat sie doch tagaus, tagein ihre Zeit mit Typen im selben Büro verbracht, die sie, zu einer Art Puppe gemacht, zwecks Aufklärung haben tanzen lassen. Und … ach, lassen wir das.

Aber noch mal: Die rechtliche Seite ist nicht so wichtig. Dass orientierungslose Jungmänner meinen, solche digitalen Übergriffe seien irgendwie lustig, ist ein kulturelles Problem. Und das ist nicht auf die niedersächsische CDU-Fraktion beschränkt.

Aber wenn die den Kampf gegen Sexismus führen will, hat sie die Möglichkeit, sich doppelt einzubringen. Auf betrieblicher Ebene empfiehlt das „Bündnis Gemeinsam gegen Sexismus“ Awareness- und Sensibilisierungstrainings. Die kann sie buchen. Fürs ganze Team. Wie das geht, kann sie im Zweifel bei der Grünen-Fraktion nachfragen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Dank Djénabou Diallo-Hartmann führt die schon seit 2024 Antirassismus- und Antidiskriminierungs-Workshops durch. „Herr Lechner kann mich gerne kontaktieren“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Dann trinken wir einen Kaffee und ich erkläre ihm, wie das geht.“

Die zuverlässigsten Anbieter solcher Kurse bekommen Zuschüsse vom Bund. Noch! Und schon ploppt das zweite Handlungsfeld für Lechner und die Seinen auf: das politische. Denn deren Parteifreundin Karin Prien, Bundesbildungsministerin, will die dafür unverzichtbare „Demokratie leben!“-Förderung eliminieren.

Um den Preis der Glaubwürdigkeit: Dem müsst ihr entgegentreten, liebe Niedersachsen-Christdemokraten! Das schadet ja allen und auch euch ganz direkt! Denn die toxische Männlichkeit in euren Reihen, die muss euch mental und moralisch ruinieren.

Also auf die Barrikaden! Da in den Konflikt zu gehen, das wäre eine echte Tat. Die würde Lechners proklamierten Antisexismus über allen Zweifel erheben. Es müsste keiner mehr dran glauben. Er wäre dann nachgewiesen. Halleluja.

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Reporter und Redakteur
Jahrgang 1972. Seit 2002 bei taz.nord in Bremen als Fachkraft für Agrar, Oper und Abseitiges tätig. Alexander-Rhomberg-Preis 2002.
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