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Im MACHmit! Museum für Kinder zeigen sieben Künstlerinnen aus Berlin Kunst zum Gucken und Begreifen. Es könnte die letzte große Ausstellung sein
Foto: Eva von Schirach / MACHmit! Museum
Von Andreas Hergeth
Hier sieht es aus wie in einem gut sortierten Laden für Stoffe, nur dass die Muster etwas – nun ja – aus der Zeit gefallen scheinen. Einzelne Stücke hängen auf einer Wäscheleine und ergeben ein buntes Durcheinander. In einer Ecke stapelt sich Bettwäsche, die so aussieht, als wäre sie nie benutzt worden, sicher Erbstücke: Die textile Installation von Veronike Hinsberg ist für die neue Ausstellung im MACHmit! Museum für Kinder in der Senefelderstraße 5 entstanden. Unter dem Motto „Kunstknall“ stehen „Frauen*Power in der Kunst“, so der Untertitel, im Fokus. Zu sehen sind Keramiken, Fotos, Malereien und Videos von sieben Künstlerinnen aus Berlin.
Veronike Hinsberg, 1968 In Karlsruhe geboren, war erst Damenschneiderin, bevor sie an der Kunsthochschule Weißensee Freie Kunst studierte. Als ihre Mutter vor 14 Jahren starb, hat Hinsberg viele Stoffe geerbt. Das erzählt sie in einem Video: In ihrem Atelier ist sie von neugierigen Kindern umringt. Der Film macht den Anspruch des Kindermuseums deutlich, die Zielgruppe von Anfang an in die Ausstellungsarbeit einzubeziehen.
Die Künstlerin berichtet, wie sie „die Stoffe nach Berlin gebracht und gewaschen und gemangelt hat“ – und hält kurz inne: Eine Mangel, „wisst ihr was das ist?“, fragt sie und erklärt das alte Haushaltsgerät. Sie hält dabei ein Stück Stoff in der Hand, das aus Streifen in verschiedenen Rottönen zusammengesetzt ist. Hinsberg berichtet, wie sie ein Foto gefunden hat, auf dem ihre Mutter ein Faschingskostüm aus eben diesem Stoff trägt, der vorher auch mal eine Tischdecke war … „Stoffe haben Spuren“, sagt Hinsberg, „und erzählen Geschichten.“ Sie wurden gestopft und geflickt, immer wieder geändert und umgearbeitet, aufgehoben und vererbt.
Das mit der Interaktion funktioniert bestens
Das 1992 eröffnete MACHmit! Museum für Kinder widmet sich in interaktivem Wechselausstellungen – jährlich gibt es eine neue – mit Themen wie den Veränderungen in der Stadt, der Begegnung mit fremden Welten, mit Natur und Umwelt.
Das mit der Interaktion funktioniert bestens, wie sich an diesem Mittwochnachmittag mitten in den Sommerferien erleben lässt. Das Museum ist voller kleiner Kinder, die sich mit der Kunst beschäftigen, weil es diese eben nicht nur zu sehen gibt (wie in Erwachsenenmuseen), sondern auch – im Wortsinne – zum Begreifen. Die Kinder können malen, zeichnen, mit einer Farbschleuder arbeiten, die auf einem rotierenden Blatt Papier ganz zauberhafte Muster „ent-wirft“. Sie können an Dingen drehen, durch Stoffbahnen wandern, auch klettern und toben … ein Ort, der verzaubert. Auch die Großen, die die Kinder begleiten. Ein Ort, der zu einem Perspektivwechsel einlädt: Alle Bilder hängen so tief, dass sie für Kinder auf Augenhöhe zu betrachten sind. Als Erwachsener muss man sich bücken.
Das Haus bekommt als Jugendfördereinrichtung Geld vom Bezirk Pankow. Es hat „in den Jahren 2025 und 2026 Tarifmittel in Höhe von jeweils 48.745 Euro erhalten“, heißt es aus der Pressestelle des Bezirksamtes. Damit finanziert das Museum anteilig zwei Mitarbeitende. Damit sind, salopp formuliert, keine großen Sprünge drin, wie es Direktorin Uta Rinklebe formuliert. Nur mal zum Vergleich: Der Bezirk Pankow ist mit seinen rund 412.000 Einwohner:innen annähernd so groß wie die Großstadt Duisburg (452.721). Die Regelförderung seitens des Bezirkes ist wichtig, sagt Rinklebe, als kleinster Teil der Mischfinanzierung des MACHmit! Museums.
Dazu muss man wissen, dass das Kindermuseum eine der Einrichtungen ist, die bisher als Projektförderung vom Senat anteilig finanziert wird und im Zuge der Kulturetatkürzungen betroffen war. Es handelt sich um eine Kürzungssumme von 60.000 Euro – damit verringert sich die Senatsförderung um 23 Prozent. „Das ist das Geld, was wir eigentlich für unsere Ausstellung brauchen“, sagt Rinklebe. Denn jedes Jahr wird eine neue Ausstellung produziert, eigentlich. Denn 2027 wird das schwierig bis unmöglich. „Ohne die Gelder können wir nächstes Jahr keine neue Ausstellung entwickeln.“ Die diesjährige Ausstellung „Kunstknall“ konnte nur dank der Förderung durch die Lotto-Stiftung realisiert werden.
Pro Jahr kommen rund 80.000 Besucher:innen
Dabei wird das Kindermuseum gut besucht, pro Jahr kommen rund 80.000 Besucher:innen. „Damit sind wir kein kleines Museum“, sagt Rinklebe, „sondern ein mittleres.“ Und alle Besucher:innen zahlen Eintritt, auch Kinder. Freien Eintritt für die Kleinen – an vielen großen Häusern üblich – gibt es ausgerechnet im Kindermuseum nicht, weil das nicht von der öffentlichen Hand gegenfinanziert wird. „Unser Haus finanziert sich sozusagen privat und zu 80 Prozent über die Eintrittsgelder“, sagt Rinklebe. Das klingt einerseits gut, hat aber eine Schattenseite: Die Einnahmen schwanken wie das Wetter. Um so wichtiger wäre eine weitere feste Förderung für die Ausstellung im nächsten Jahr.
Foto: Eva von Schirach
Es wäre schade um die Ausstellungen, die nicht nur etwas für Kinder sind. Dann gäbe es diese Installation nicht zu sehen: Die Malerin und Keramikerin Inken Reinert hat mit den Möbeln ihrer Mutter eine verspielte wie nostalgische Zeitreise aufgebaut. Eine alte Schrankwand aus DDR-Produktion ist kaum wiederzuerkennen, die einzelnen Teile sind wild durcheinander gewirbelt. In den Schrankteilen und Schubladen sind Versatzstücke von DDR-Waren für Kinder zu sehen. Eine Schallplatte von „Alfons Zitterbacke“, ein Klassiker der DDR-Kinderliteratur, Puppen und Spielfiguren aus Plaste, dazu klischeehafte Spielfiguren aus dem Wilden Westen, wie sie der Autor dieses Textes auch besessen hat.
Eva von Schirach hat unter dem Titel „wir wir wirklichkeit“ 30 Fotografien und das partizipative, generationsübergreifende Lyrik-Projekt „Anziehen mit den Händen“ beigesteuert. Ihre poetischen Fotos zeigen Kinder im Spiel oder Alltag und kommen Stillleben gleich.
Das Gedicht „Anziehen mit den Händen“ handelt vom Aufwachen. Es beginnt mit dem Buchstaben A und benennt Bilder und Worte, die der Berlinerin entlang des Alphabets nach und nach in den Kopf gekommen sind … zunächst hatte Eva von Schirach Jugendliche und Erwachsene in ihrer Umgebung gebeten, das Gedicht in eine ihnen vertraute Sprache und auch im Dialekt zu übertragen und einzusprechen. So sind werkgetreue Übersetzungen, Nachdichtungen oder assoziativ weitergedachte Texte entstanden. „Die Herausforderungen eines solchen Sprachprojektes sind so vielseitig und individuell wie die gefundenen Lösungen“, sagt die Künstlerin, die alle einlädt, sich mit einem eigenen Beitrag an dieser weiterwachsenden Lyrik-Sammlung zu beteiligen. „Ich stelle mir vor, dass es so viele Variationen wie Teilnehmende gibt, so nach dem Motto: es ist genug Sprache für alle da.“
Natürlich findet Eva von Schirach das Kindermuseum toll: „Wenn ich mal nicht weiterweiß, hole ich mir dort Hilfe. Ich sehe mir an, wie selbstverständlich Kinder und Erwachsene sich hier bewegen, Neues ausprobieren, Vertrautes wiederentdecken und kompetent miteinander diese Welt erkunden. Kindermuseen trauen ihren Besuchenden eine Menge zu. Das finde ich gut“, sagt von Schirach. In diesem Sinn versteht die Künstlerin das Museum auch als Ort der politischen Bildung.
„Kinder haben das Recht auf Kultur“ steht an einem der Außenfenster zur Straße hin mit Kreide geschrieben, dazu der Verweis auf die UN-Kinderrechte, Artikel 31 – darunter der aus dem Stadtbild bekannte Protestschriftzug „#UNKÜRZBAR“. Andreas Hergeth
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