Brummende Plagegeister: Was tun gegen Mücken im Sommer?
Unsere Kolumnistin wird im Schrebergarten von einer Mückenplage überfallen, ihr Vater weiß Rat. Aber muss man die Insekten wirklich grillen?
F ür die Mücken muss es ein guter Sommer gewesen sein. Als wir uns im Juli pausenlos über den Regen beschwerten, rieben sie ihre dünnen Beinchen vor Freude aneinander und legten in jede Pfütze und jeden Teich Eier, Eier und noch mehr Eier.
Genau so muss es gewesen sein, denke ich, als ich im Garten meiner Eltern um mich schlage. Alle paar Sekunden setzt sich eine Mücke auf meinen Oberschenkel, auf mein Schulterblatt, hinter mein Ohr. Ich wollte so gerne im Freien essen, in den Abendhimmel schauen, aber alles juckt, kribbelt, schwillt an.
Schon das Wechseln der Gasflasche hinter der Hütte wird zur Mutprobe. Wir stopfen die Hosenbeine in die Socken, ziehen uns Jacken an und sprühen uns mit Mückenschutz ein, Version „forte“. Während einer das Ventil abschraubt, wedelt der andere alles weg, was versucht, uns aufzuessen. Den Rest des Tages verbringen wir in Sicherheit auf dem Sofa. Als wäre es November und kein lauer Sommerabend.
Kurz darauf besuche ich meinen Vater, er präsentiert mir seine neuste Antwort auf die Mücken. Eine weiße, elektrische Fliegenklatsche in der Form eines Tennisschlägers und ähnlich groß. An der Seite ist ein kleiner Knopf, mit dem man den Schläger unter Strom setzt. Dann leuchtet das Netz dunkelblau, bereit für den Angriff.
Du liest einen Text aus unserem Zukunfts-Ressort. Wenn Du Lust auf mehr positive Perspektiven hast, abonniere TEAM ZUKUNFT, den konstruktiven Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien. Jeden Donnerstag bekommst du von uns eine Mail mit starken Gedanken für dich und den Planeten.
Mein Vater war durch seine Wespenallergie schon immer ein kreativer Insektenjäger. Im Sommerurlaub bestrich er Salamischeiben mit durchsichtigem Kleber und platzierte sie einige Meter entfernt vom Tisch, damit wir in Ruhe essen konnten. Die Wespen stürzten sich auf die Wurst und in ihr Verderben.
Auf einmal fliegt etwas durchs Zimmer. Ich schnappe mir den Tennisschläger und schalte den Strom ein, sodass der Schläger leuchtet wie die Laserschwerter bei Star Wars. Dann ziehe ich den Schläger durch die Luft, eine präzise Vorhand. Es knistert, dann knallt es mehrmals unerwartet laut. Der Schläger blitzt weiß. „Das war aber etwas Großes“, sagt Papa. Ich will den Schläger am liebsten fallen lassen, aber er zischt immer weiter.
Sofort spüre ich Reue. Das Tier hat mir nichts getan, aber ich renne durchs Zimmer, halte den Schläger in seine Flugbahn und grille das kleine Insekt. Typisch Mensch, denke ich und ekel mich vor mir selbst.
Ich bestrafe mich mit Mückenlektüre: Allein in Deutschland gibt es 28 Mückenfamilien, Stechmücken sind nur eine davon, lese ich. Eine der nervigsten ist die Kriebelmücke, die wie eine harmlose Fliege aussieht, aber besonders schmerzhaft sticht. Sie ist ein Poolsauger, also gelangt sie nicht durch Stechen an unser Blut, sondern reißt die Haut ein kleines Stück auf und trinkt das Blut, das aus der Wunde tritt.
Ich weiß sehr wenig über Mücken, stelle ich fest. Dass männliche Mücken sich zum Beispiel von Pflanzensäften ernähren und dabei auch Blüten bestäuben. Und nur die Weibchen Blut trinken, weil sie das Eiweiß für die Produktion der Eier brauchen.
Ein paar Tage später wache ich viel zu früh auf, es ist noch dunkel. Dann höre ich es. Bsss, bssss, direkt neben meinem Ohr, bsssss. Auf meiner Stirn spüre ich einen dicken Flatschen. Bssss. Ich ziehe die Decke über mein Gesicht, sodass nur ein kleines Loch zum Atmen bleibt und übe mich im Aushalten. Schade, dass es keine Kriebelmücke ist, denke ich. Die hört man wenigstens nicht.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert