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Böllerverbot in Berlin Die Pandemie ist die Gelegenheit

Susanne Memarnia

Kommentar von

Susanne Memarnia

Bisher tat sich die Politik schwer damit, ein Böllerverbot zu Silvester in die Tat umzusetzen. Corona könnte das endlich ändern.

D ie Diskussion kommt alle Jahre wieder: Sollte, müsste, könnte man die private Silvesterböllerei nicht verbieten? Mit Corona hat die Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek, die schon lange für ein Verbot kämpft, ein neues Argument gefunden. Anlass war das am Freitag bekannt gewordene Verbot des Verkaufs und Abbrennens von Feuerwerkskörpern in den Niederlanden, das mit der Überlastung des Gesundheitssystems durch die Pandemie begründet wird. Kapek twitterte darauf: „Unsere Krankenhäuser haben schon #COVID19. Das reicht. Deshalb #stayathome und #Feuerwerksverbot.“

In der Tat: Jahr für Jahr verletzen sich Hunderte Berlinerinnen und Berliner an fehlgeleitetem oder falsch gezündetem Feuerwerk. Nicht, dass Krankenhäuser in „normalen“ Jahren auf diese Kundschaft gewartet hätten. Aber mitten in einer Coronawelle mit zunehmenden Engpässen an Betten und medizinischem Personal braucht wirklich niemand diese „unnötigen“ PatientInnen.

Nun gab es vor Corona viele gute Gründe für ein Böllerverbot – allen voran die bürgerkriegs­ähnlichen Zustände auf den Straßen. Trotzdem hat sich die Politik bislang schwergetan, die fragwürdige Tradition zu unterbinden. Die Mini-Verbotszonen an Alexanderplatz, Brandenburger Tor und Pallasstraße, die es 2019 erstmals gab, waren nicht wirklich eine Lösung. Aber zu groß war die Angst, als „Bevormunderstaat“ dazustehen, der den BürgerInnen das letzte bisschen Spaß und „Freiheit“ nimmt.

Vielleicht wäre Corona daher wirklich eine gute Möglichkeit, die Sache einfach mal auszuprobieren. Rechtlich dürfte sich ein einmaliges Böllerverbot mit Verweis auf Infektionsschutz und die pandemiebedingte Gefahrenlage leicht durchsetzen lassen. Dann bleiben alle zu Hahause und gucken „Dinner for One“. Wer unbedingt vor die Tür will, macht einen Stadtspaziergang durchs ausgestorbene Berlin und gibt das eingesparte Böllergeld den Obdachlosen, die ihm über den Weg laufen. Schon hätten wir eine neue Tradition.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Susanne Memarnia

Susanne Memarnia Redakteurin taz.Berlin

Ressortleiterin der Berlin-Redaktion, zusammen mit Erik Peter. Seit 2003 bei der taz, Themenschwerpunkte sind Migration, Soziales, Antirassismus.
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4 Kommentare

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  • 0G
    02881 (Profil gelöscht)

    Bin auch dafür. Hier in meiner Straße gibt es auch Leute die können die Ruhe in der Coronazeit nicht ab und werfen abends so alle zwei bis drei Tage Böller aus dem Fenster...

  • Das Pferd von hinten aufsatteln :P



    Hierbei handelt es sich um eine zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigung. Damit geht es nicht nicht um ein Verbot zum Zündeln, sondern nur um das Streichen einer besonderen Erlaubnis ohne Antrag und Befähigung.

    Solange herrscht allerdings für die kommunalen Verwaltungen tatsächlich ein Opt out Verfahren, anstatt dass diese erlauben können, müssen sie explizit untersagen. Ein klassisches Beispiel wie aus einer Mücke ein Elephant wird. Der für die Kommunen dann zum Schwarzen Peter wird, da diese dann überlegen müssen, Macht zu demonstrieren und diese dann auch durchsetzen müssten.

  • Wahnsinn, da gelingt es scheinbar nicht auf normalen Weg eine Mehrheit für eine Vorhaben zu finden, also denkt man sich dass man im Schatten von Corona es ja mal probieren kann. Wenn nicht so viele Beknackte bei den Demos wären, mit denen man sich nicht gemein machen möchte, wäre die Teilnahme langsam aber sicher eine denkbare Option.

  • 1G
    17900 (Profil gelöscht)

    Verbieten? Ja bitte, aber wie soll das gehen?



    Man muss den Verkauf von Pyrotechnik in ganz Berlin verbieten und zwar ohne Ankündigung. Läden, die vom Verkauf von Pyrotechnik leben - davon wird es wohl nur ein halbes Dutzend geben - können entschädigt werden. Das Aufräumen der Knallereste am nächsten Morgen in den Straßen kostet viel, viel mehr.



    Dann fahren aber auch die ganz Verrückten nach Polen und kaufen da ein.

    Trotzdem bin ich dafür!