Bill Clinton vor dem Epstein-Ausschuss: „Ich habe nichts Falsches getan“
Der Ex-Präsident beteuert, dass er keinerlei Kenntnis über Epsteins kriminelles Treiben gehabt habe und zeigt sich verärgert darüber, dass seine Frau Hillary in die Untersuchungen hineingezogen worden sei.
Zum ersten Mal in der Geschichte der USA musste ein ehemaliger Präsident vor einem Kongressausschuss aussagen. Ex-Präsident Bill Clinton, dem diese Ehre zuteilwurde, wurde dabei über seine Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befragt. Nach mehr als sechs Stunden endete die nicht-öffentliche Anhörung am Freitag. Dabei erklärte Clinton, dass er keine Kenntnis über Epsteins kriminellen Machenschaften gehabt hätte.
„Ich hatte keine Ahnung von den Verbrechen, die Epstein begangen hat. Egal wie viele Fotos Sie mir zeigen, zwei Dinge sind letztendlich wichtiger als Ihre Interpretation dieser 20 Jahre alten Fotos. […] Ich weiß, was ich gesehen habe und, noch wichtiger, was ich nicht gesehen habe. Ich weiß, was ich getan habe und, noch wichtiger, was ich nicht getan habe. Ich habe nichts Falsches gesehen und nichts Falsches getan“, erklärte Clinton in seiner Eröffnungsrede vor dem Ausschuss, die auf X geteilt wurde.
Die Anhörung des ehemaligen Präsidenten kam nur einen Tag nachdem auch seine Frau, die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton vor dem Kongressausschuss aussagen musste.
Präsident Clinton beschwerte sich darüber, dass seine Frau von den Kongressmitgliedern in die Untersuchungen zu Epsteins Verbrechen hineingezogen wurde. „Sie haben Hillary vorgeladen. Sie hatte nichts mit Jeffrey Epstein zu tun. Gar nichts. Sie kann sich nicht einmal daran erinnern, ihn getroffen zu haben“, sagte der 79-jährige Demokrat. Er fügte hinzu, dass die Vorladung seiner Frau „nicht richtig“ gewesen sei.
Diese hatte am Vortag die Anhörung als eine parteipolitische Inszenierung bezeichnet. Sie erklärte während der Anhörung, dass sie keine Kenntnis von Epsteins sexuellem Missbrauch von minderjährigen Mädchen gehabt hätte. Sie könne sich nicht einmal daran erinnern, ihn jemals getroffen zu haben.
Auch wenn keinem der beiden Clintons ein Fehlverhalten vorgeworfen wird, so hat die Beziehung zwischen Präsident Clinton und Epstein in den vergangenen Jahren immer wieder große Fragen aufgeworfen.
Ein Jacuzzi-Foto und die Trump-Frage
Nach der Veröffentlichung von Millionen von Dokumenten, Videos und Fotos durch das US-amerikanische Justizministerium, hat vor allem ein Foto des demokratischen Ex-Präsidenten für Aufsehen gesorgt. Es zeigt, wie er sich gemeinsam mit einer unbekannten Frau in einem Jacuzzi-Pool aufhält. Laut US-Medienberichten wurde Clinton während der Anhörung zu dem Foto befragt.
Er erklärte, dass er nicht wisse, wer die Frau sei und dass er keinen Sex mit ihr gehabt hätte. Clinton habe zudem angedeutet, dass das Foto einen öffentlichen Hotelpool zeige. Die Kongressmitglieder hätten dem weder widersprochen noch dies infrage gestellt, berichtete Fox News.
Der republikanische Vorsitzende des Kontrollausschusses im US-Repräsentantenhaus, James Comer, erklärte im Anschluss an die Anhörung, dass diese „sehr produktive“ gewesen sei und Clinton „jede Frage beantwortet habe oder zumindest versuchte, sie zu beantworten“.
„Wir haben sowohl Hillary Clinton als auch Bill Clinton gefragt, wie wir als Ausschuss nun vorgehen sollen, denn es ist uns ein ernsthaftes Anliegen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und einige Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte Comer.
Ein möglicher nächster Schritt, der von Demokraten gefordert wird, ist die Vorladung von Präsident Donald Trump. Comer erklärte, dass auch Clinton nach Trumps möglichen Verwicklungen gefragt wurde. Dieser überließ das weitere Vorgehen den Mitgliedern des Ausschusses und sagte, dass Trump ihm gegenüber nie etwas preisgegeben hätte, das eine Kenntnis über Epsteins Straftaten angedeutet hätte, erinnerte sich Comer.
Trump selbst erklärte, dass er die Vorladung von Clinton zur Anhörung nicht gutheiße. „Ich mag Bill Clinton und es gefällt mir nicht“, sagte der Präsident am Freitag, als er das Weiße Haus auf dem Weg nach Corpus Christi, Texas, verließ.
In einer späteren Stellungnahme erklärte der Vorsitzende des Ausschusses dann, dass Präsident Clinton nun bereits der dritte Zeuge gewesen sei, der bestätigte, dass Trump nichts mit Epsteins Verbrechen zu tun hatte.
„Es ist widerlich, wie die Demokraten diese Untersuchung instrumentalisiert haben, um Politik über das Wohl der überlebenden (Epstein-Opfer) zu stellen. Der ranghöchste Abgeordnete Robert Garcia und die Demokraten müssen ihre parteipolitische Hexenjagd gegen Präsident Trump einstellen“, erklärte Comer.
Die Anhörung mit Präsident Clinton, wie auch die am Vortag mit Hillary Clinton, wurden aufgezeichnet. Ein Video und Zitate sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.
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