„Bildungskrise“ in Berlin

Geduld mit Scheeres geht zu Ende

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist heftige Attacken gewöhnt. Verliert sie den Rückhalt in der Koalition?

Vielen schmeckt's nicht, was Scheeres macht: Die Senatorin zu Besuch in einer Schulmensa Foto: picture alliance/Jörg Carstensen/dpa

Zu Schuljahresbeginn steht Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) massiv unter Druck: Viel mehr Schulplätze als erwartet, die in kurzer Zeit fehlen könnten, eine wachsende Schieflage bei der Verteilung der Quereinsteigenden auf die Schulen und ein auf Krawall gebürsteter Landeselternausschuss. Scheeres ist Kritik zu Schuljahresbeginn gewöhnt, doch dieses Jahr ist die Intensität eine andere.

Dass die Opposition, insbesondere CDU-Parteichef Kai Wegner die Gunst der Stunde nutzen würde, um die Senatorin anzugreifen, war erwartbar. Ungewöhnlicher war da schon, dass Abgeordnete des grünen Koalitionspartners ein Papier aus der AG Schulbau an die Presse gaben, von der sie wussten, dass es Scheeres schaden würde.

Wirklich bemerkenswert war aber die scharfe Kritik der obersten ElternvertreterInnen, deren Vorsitzender sonst eher leise formuliert. Es sieht so aus, als ob die Geduld mit einer Senatorin zu Ende geht, die kein Mittel findet gegen eine gleichbleibend hohe Zahl von SchulabbrecherInnen, gegen die anhaltend schlechten Ergebnisse der GrundschülerInnen in den Vergleichsarbeiten und gegen die unzufriedenen Kollegien, die Brandbriefe schreiben, weil sie immer mehr Kindern mit Förderbedarf immer weniger gerecht werden können.

Die QuereinsteigerInnen machen zwar die Lehrerzimmer voll, doch ihre Ausbildung kostet die Schulen zugleich zusätzliche Ressourcen. Der jahrelang verschleppte Studienplatzaufbau in den Lehramtsstudiengängen fällt Scheeres jetzt erst so richtig krachend vor die Füße: eine zweite PädagogIn pro Klasse, Ermäßigungsstunden für LehrerInnen an Brennpunktschulen – den SchülerInnen würde es helfen, vielleicht würde es gar „sicht- und messbar“ die Schulqualität steigern, wie vom Landeselternausschuss gewünscht. Doch was nicht da ist, kann eben nicht verteilt werden.

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Seit 2011 bei der taz. Sie ist eine von zwei Chefinnen der Berliner Lokalredaktion und schreibt als Redakteurin vor allem über bildungs- und familienpolitische Themen.

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