Bibliothek des Konservatismus: Büchersuche ganz rechts
Der extrem rechte Vernetzungsort ist in den Bibliotheksverbund aufgenommen worden. Die Bestände werden zugänglicher. Der Senat sieht kein Problem.
Demnach ist die Bibliothek in der Charlottenburger Fasanenstraße – ein zentraler Vernetzungsort der extremen Rechten – seit vergangenem September Mitglied des KOBV, sieben Jahre nach ihrem Aufnahmeantrag. In ihrem Rundschreiben feierte sie die Aufnahme: „Damit wird die BdK für Studenten in Berlin und Brandenburg auch in ihrem universitären Alltag sichtbar und ermöglicht auf diesem Wege einen ersten Zugang zur Sache des Konservatismus und zur BdK als Institution.“
Ario Mirzaie kritisiert die Bibliothek als „eine rechtsextreme Kaderschmiede mit akademischem Anstrich“. Dass nun Studierende auch durch einen direkten Link auf deren Bestand gelenkt werden, sei „erschreckend“. Dadurch würden „rassistische, antifeministische und nationalistische Positionen normalisiert und jungen Menschen sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, so Mirzaie.
Treffpunkt der Szene
Die Bibliothek, deren Träger die Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung ist, der auch das Gebäude gehört, feierte 2022 ihr 10-jähriges Bestehen. Zu den Gästen gehörten etwa Thilo Sarrazin und der Jurist Ulrich Vosgerau, Teilnehmer des Potsdamer Geheimtreffens zu Deportationsplänen.
Regelmäßig finden Vorträge mit Szenegrößen statt, ob von der Identitären Bewegung oder der AfD. Schwerpunkt des Bestandes von etwa 30.000 Büchern sind Werke, die der Denkschule der „konservativen Revolution“, einer antidemokratischen Strömung der Weimarer Republik, zugeordnet werden können. Aber auch Literatur der fundamental-christlichen „Lebensschützer“-Bewegung ist dort zu finden, genauso wie das neueste Compact-Magazin.
Der Berliner Senat sieht kein Problem: Die Einschätzung, dass es sich bei der Aufnahme der Bibliothek „um eine Normalisierung der Positionen der Neuen Rechten und weiterer rechtsextremer Ideologien handelt, teilt der Senat nicht“. Eine Normalisierung rechtsextremer Positionen erfolge „im politischen bzw. gesellschaftlichen Diskurs“.
Die Bibliothek hatte 2022 vor dem Verwaltungsgericht auf Aufnahme in den Verbund geklagt; da dieser aufgrund veränderter Steuergesetzgebung ein Moratorium für die Aufnahme privatrechtlicher Bibliotheken verhängt hatte. Befürchtet wurde, dass durch die Aufnahme privater Bibliotheken auch alle öffentlichen zusätzlich zur Mitgliedsgebühr eine Mehrwertsteuer zu entrichten hätten.
Das Moratorium war im April vergangenen Jahres aufgehoben worden. Eine Aufnahme der BdK sei dann, so der Senat, „aus rein formalen, juristisch bedingten Gründen“ erfolgt. Eine „separate Beschlussfassung“ habe es nicht gegeben, Rechtsextremismus-Expert:innen wurden nicht befragt.
Mirzaie spricht von einer „unterschätzten Gefahr“. Demnach sei der Verweis auf rein formale Aufnahmekriterien „in Zeiten der wachsenden Bedrohung durch Rechtsextreme naiv und unzeitgemäß“. Institutionen wie der KOBV „müssen sich vor Verfassungsfeinden schützen, die Aufnahmekriterien gehören auf den Prüfstand“, so Mirzaie.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Ricarda Lang über Strategie der Grünen
„Die Schuldenlast tragen die Falschen“
Illegales Autorennen in Ludwigsburg
Männer mit Mercedes im Kopf
Stand der Koalitionsverhandlungen
Bitterer Vorgeschmack
Angriff auf Informationsfreiheit
Amthors Rache
Schlechte Zahlen der Deutschen Bahn
It’s Daseinsvorsorge, stupid
US-Schutzzölle gegen Autoindustrie
Europa sucht nach einer Antwort