Bewertung der Kreditwürdigkeit: Schufa-Score wird transparent und einfacher
Die Auskunftei Schufa legt offen, wie sie die Kreditwürdigkeit berechnet. Den Score einzusehen, soll kostenlos werden.
Um die Auskunftei kommt kaum jemand herum. Wer sich Geld leihen, einen Mobilfunkvertrag unterschreiben oder online einkaufen will, benötigt eine Schufa-Auskunft. Meist läuft das im Hintergrund. Vor allem Banken nutzen die Informationen, um über Kredite oder Girokonten zu entscheiden. Seit Jahrzehnten ist der Score der Kreditauskunft umstritten. Zu undurchsichtig, klagen Verbraucherschützer.
Wobei es den einen Score gar nicht gibt. Die Schufa hat mehr als 50 verschiedene, die unterschiedlich ermittelt werden. Insgesamt berücksichtigt das Unternehmen mehr als 250 Einzelkriterien. Zusätzlich gibt es seit zwei Jahren einen sogenannten Basis-Score, den Verbraucher abrufen können, um zu sehen, wie kreditwürdig sie sind. Er ist eine Art Durchschnitts-Score, zeigt die Lage allerdings nur annähernd.
Jetzt soll alles anders werden. Die sechs wichtigsten Scores, etwa für Banken, Handel und Telekommunikation, will die Schufa durch einen einzigen ersetzen, wie Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der Auskunftei, sagt. Berechnet wird er auf Basis von zwölf Kriterien wie Zahlungsstörungen, Kreditrestlaufzeiten, ältester Bankvertrag. Der Basis-Score verschwindet.
Neuer Score wird im vierten Quartal verfügbar
„Der neue Score wird verständlich, aussagefähig und gut vorhersehbar“, verspricht Birkholz. Die Schufa-Chefin hofft, dass sie ihn dann spätestens im vierten Quartal auch großflächig einsetzen. Die anderen Scores sollen dann schrittweise auslaufen.
Die Verbraucher werden spätestens zum Übergang im vierten Quartal auf der Webseite der Schufa oder in einer Schufa-App ihren Score abrufen können. Sie müssen einen Zugang einrichten und sich digital über die Ausweis-App ausweisen – das sicherste Verfahren laut Schufa. Die App zeigt dann den persönlichen Score als Punktzahl an. Maximal gibt es 999 Punkte.
Unter dem Wert ist dann aufgelistet, welche Kriterien für den Score wichtig sind und wie viele Punkte die Person, die anfragt, dort jeweils hat. In einem weiteren Schritt wird erklärt, warum das Kriterium wichtig ist und wann welche Punktzahl vergeben wird. Die Schufa testet den neuen Score und die Erklärfunktion bereits mit Verbrauchern.
Weil alles offengelegt wird, lässt sich erstmals auch erkennen, wie die Schufa den Score zusammensetzt. Das war bisher nicht möglich. „Wir sind die erste Auskunftei weltweit, die auf totale Transparenz setzt“, sagt die Chefin. Zuletzt hatten unter anderem einige Gerichtsurteile etwa des Europäischen Gerichtshofes schon darauf hingedeutet, dass künftig mehr Offenheit nötig ist.
Bewertung soll aktueller werden
Mit dem neuen Score will die Schufa auch aktueller werden. So startete die derzeit jeweils neueste Version der Branchen-Scores bereits 2016, berücksichtigen bisher aber das Konsumverhalten von 2013. Inzwischen habe sich viel verändert, sagt Andre Muhle, der für den neuen Score verantwortlich ist. Viele Menschen nutzten heute Vergleichsportale, um sich zum Beispiel über Kreditkonditionen zu informieren. Das hat Folgen für die Kreditwürdigkeit.
Wenn jemand drei Angebote für Kredite ansieht, erzeugt das drei Anfragen bei der Schufa, die bisher in den jeweiligen Score einfließen und ihn womöglich negativ beeinflussen. Künftig werden diese Anfragen als eine gewertet, einschließlich Vertragsabschluss, sollte es dazu kommen. Der neue Score soll auch den Trend berücksichtigen, dass immer mehr Kunden etwas kaufen und später bezahlen – was im Prinzip ein Kredit des Verkäufers oder des Bezahlanbieters ist. Muhle verspricht, den Score zudem deutlich häufiger zu aktualisieren.
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