piwik no script img

Golfsport und NaturschutzGrüner Golfen

Golfanlagen sind gut gepflegte Kulturlandschaften. Besser als industrielle Landwirtschaft ist das allemal für die Umwelt – und besser als der Fußball.

Naturerlebnis am Abschlag: Golfplatz in Österreich zu Füßen der Zugspitze Foto: imago

E s konnte noch so golffreier Winter sein. Manche Leute nehmen zu allen Jahreszeiten Witterung auf. Neulich wieder eine: „Du spielst Golf? Das ist doch Schweinkram. All das Gift auf den Plätzen! Igitt, hätt ich von dir nicht gedacht. Und dann als taz-Autor. Wie geht das zusammen?“ Wie das geht? Gut geht das.

Eigentlich müsste man mindestens täglich eine Golfkolumne schreiben: Warum Wanderungen mit Ball und diversen Metallstöcken keine Attacke auf die Unversehrtheit des Planeten sind oder gar den Untergang bedeuten.

Als die meisten heutigen Plätze noch landwirtschaftliche Nutzflächen waren, wurde für Monokulturen bisweilen gedüngt und Wildkraut (genannt: „Unkraut“) vernichtet ohne Scham und Limit. Oder es liefen massenhaft munter furzende Rindviecher als Methanproduzenten darauf herum. Kühe also als Öko-Schweine. Pilzgift und chemische Dünger gibt es auch auf Golfplätzen. Doch das Grundprinzip heißt: Erlaubt sind nur Mittel, die für Flächen der Allgemeinheit (Parks, Sport‑ und Spielplätze, also auch Golfplätze) ausdrücklich zugelassen sind.

Greenkeeper haben seit diesem Jahr zudem eine Dokumentationspflicht. Hobbygärtner haben keine und setzen ohnehin eher auf ökofremden „englischen Rasen“ statt auf Blühwiesen und Biotopbereiche: Solche Golfbiotope sind Brut- und Ruheterritorien für allerlei Getier; betreten verboten. Es entstehen Trittsteinbiotope statt Pflastersteinterritorien.

Giftige Helferlein

Dennoch: Wenn der Blick auf die Liste weiterhin erlaubter Fungizide, Herbizide, Insektizide auf Golfplätzen fällt, will man sich schütteln. Die Helferlein heißen reichlich euphemistisch „Green Doctor“, „Medaillon TL“ oder „Heritage“. Der Raupenkiller „Karate Zeon“ klingt sogar nach wüster Attacke. Der unheimliche Krautkiller Glyphosat ist EU-weit weiterhin erlaubt, aber seit 2013 nicht mehr auf Golfanlagen.

Golf zu spielen, ist keine Attacke auf die Unversehrtheit des Planeten

Auch der Deutsche Golfverband weiß um dieses Image und bietet seit 2023 Breitseite mit dem Projekt GolfBiodivers, das die ökologische Vielfalt auf Golfplätzen zeigen soll. 2025 waren Bienen das Thema. GolferInnen aus zwölf Clubs hatten gemeinsam mit der Uni Freiburg ein „Citizen-Science-Monitoring zu Wildbienen“ umgesetzt.

Die Aktiven übernahmen Patenschaften für Nisthilfen und sicherten spielbegleitend Daten zu Vorkommen und Entwicklung von Wildbienen und Wespen. „Das Bewusstsein für Biodiversität im Golf“ sei gestärkt, so der Verband.

Auch wenn das so ist: Gerade wies die Deutsche Umwelthilfe auf eine geplante Deregulierungskampagne der EU hin (Merzens Deutschland vorneweg), die die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie zum Schutz der Lebensräume wildlebender Tiere und Pflanzen verwässern will. Das käme „einem Katalysator für das Bienensterben in Europa gleich“, so die DUH. Da hilft Golf auch nicht mehr.

Bleibt die Anreise zum Platz. Nur wenige radeln, auch wenn die Ausrüstung im Spind ruht. Ja, zum Golfen erst weit Auto fahren, das ist Freizeit fatal. Genauso, wenn man zum Fitnesscenter per SUV angebraust kommt, um dann indoor auf dem Spinningrad zu strampeln. Golf zeigt, wie alltäglich normal der Sport ist: Das Automobil bleibt halt – wie in allen Lebensbereichen – der beste Caddie der Faulheit.

Indes: Ein ganzes Jahr Verkehr der 695.000 Golfspielenden in Deutschland zu den 725 Anlagen entspricht, überschlägig gerechnet, nicht mal dem Autoverkehr an einem einzigen Fußballwochenende in den vier höchsten Ligen. Die unzähligen Anreisen von Kindern in den elterlichen Blechdosen jedes Wochenende zu ihren Spielen sind da noch nicht mitgerechnet. Ruiniert Fußball das Dasein?

Igitt – du fährst ins Stadion!? Hätt ich von dir nicht gedacht, du Ferkel!

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Bernd Müllender
Sohn des Ruhrgebiets, Jahrgang 1956, erfolgreich abgebrochenes VWL- und Publizistikstudium, schreibe seit 1984 für die taz – über Fußball, Golf, Hambacher Wald, Verkehrspolitik, mein heimliches Lieblingsland Belgien und andere wichtige Dinge. Lebe und arbeite als leidenschaftlich autoloser Radfahrer in Aachen. Seit 2021 organisiere und begleite ich taz-LeserInnenreisen hierher in die Euregio Maas/Rhein, in die Nordeifel und nach Belgien inkl. Brüssel. Bücher zuletzt: "Die Zahl 38.185" - Ein Fahrradroman zur Verkehrswende (2021). "Ach, Aachen!" - Textsammlung aus einer manchmal seltsamen Stadt (2022).
Mehr zum Thema

0 Kommentare