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Berlin, wie es singt und lacht Kichern auf Kommando

Kommentar von

Susanne Messmer

Zum Weltlachtag treffen sich auch in Berlin Menschen zum gemeinsamen Lachen – und entdecken dabei, wie ansteckend das wirklich ist.

E in Freund, gewöhnlich eher sarkastisch unterwegs, reagiert erwartbar, als ihm in der Reha Lachyoga empfohlen wird. Er hebt eine Augenbraue, murmelt etwas von „Kommando-Lachen“ und „Zwerchfel-Drill“ und sortiert das Ganze innerlich unter gut gemeinte Esoterik ein. Die Welt, so seine Haltung, liefert genügend Anlass zur Ironie. Künstliche Heiterkeit braucht es nicht auch noch.

Am Abend nach dem Yoga dann eine ungewohnte Szene. Er wirkt irritiert, fast ein bisschen aus der Spur. Kein Spott, kein zynischer Kommentar. Stattdessen: Es funktioniert. Irgendwann, zwischen Klatschen und Atmen, kippt etwas. Aus dem bloßen Geräusch wird tatsächlich Lachen.

Am Sonntag war wieder Weltlachtag, ein Event, das 1998 vom indischen Arzt Madan Kataria ins Leben gerufen wurde. Auch in Berlin verabreden sich an diesem Tag seit einigen Jahren Menschen – immer am ersten Sonntag im Mai – zum gemeinsamen Lachen: vor der Amerika-Gedenkbibliothek, auf dem Tempelhofer Feld und an anderen Orten der Stadt. Organisiert wird es von der Initiative „Hauptstadt lacht“, die Trainerinnen und Trainer vernetzt, Veranstaltungen bündelt und sogar ein Lachtelefon betreibt. Ein Angebot, das erstaunlich gut angenommen wird – auch wenn es vielen zunächst absurd erscheinen mag.

Man muss es nicht verstehen

Denn die Vorstellung hält sich hartnäckig: Lachen lasse sich nicht einfach herstellen. Es sei mehr als eine körperliche Reaktion, eher eine Weise, auf die Welt zu reagieren – auf Bedeutungen, Brüche, Entlastungen. Etwas, das man zuerst verstehen muss, bevor es passiert.

Die Forschung zeigt allerdings, dass Lachen lange zu eng gedacht wurde. Es hat eine starke soziale Dynamik. Es steckt an. In Gegenwart anderer wird häufiger gelacht, und oft ist das Lachen selbst der Auslöser für weiteres Lachen. Der Anlass ist zweitrangig. Diese Mechanik ist alt: Primaten zeigen lachähnliche Laute im Spiel, Ratten geben hohe Zwitschergeräusche von sich, wenn sie gekitzelt werden – und ohne dabei arrogant wirken zu wollen, darf davon ausgegangen werden, dass ihnen die feinen Unterschiede zwischen Flachwitz und Ironie dabei durchaus egal sind.

Man steht im Kreis, klatscht, produziert blöde Laute. Doch erfahrungsgemäß kippt die Situation

Vielleicht beginnen Veranstaltungen wie der Weltlachtag tatsächlich mit einem gewissen Zwang. Man steht im Kreis, klatscht, produziert blöde Laute, die zunächst leer wirken. Doch erfahrungsgemäß kippt die Situation wirklich. Aus der Übung wird Chaos. Man hört die anderen, sieht ihre Reaktionen – und plötzlich entsteht etwas, das sich nicht mehr künstlich anfühlt. Der zynische Freund würde vermutlich sagen: ein System, das sich selbst entzündet.

Dahinter steht eine einfache Einsicht: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er braucht das Gegenüber, das gemeinsame Jetzt – möglichst ohne das laut gestellte Handy in der Hosentasche. Lachen ist dabei weniger Ergebnis kluger Gespräche als ein Mittel, Verbindung herzustellen. Vielleicht bräuchte es tatsächlich mehr Weltlachtage als einen im Jahr. Gerade in Zeiten, in denen sich vieles verhärtet, wirkt gemeinsames Lachen fast lächerlich schlicht. Man sollte es ernster nehmen.

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Susanne Messmer Redakteurin taz.Berlin

Jahrgang 1971, schrieb 1995 ihren ersten Kulturtext für die taz und arbeitet seit 2001 immer wieder als Redakteurin für die taz. Sie machte einen Dokumentarfilm („Beijing Bubbles“) und schrieb zwei Bücher über China („Peking" und "Chinageschichten“).
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